
Wer den heutigen wirtschaftlichen und politischen Zustand von Russland verstehen will, kommt nicht umhin, sich mit der Umbruch-Zeit nach dem Zerfall der Sowjetunion zu befassen. Manche Russen haben die 1990er als eine Zeit in Erinnerung, in der sie endlich frei reisen durften und in der Unternehmertum und wirtschaftlicher Wagemut nicht mehr verboten oder verpönt waren, sondern sich auszahlen konnten. Die meisten, die diese Jahre erlebt haben, denken daran allerdings eher zurück wie an einen furchtbaren Albtraum. Der Schweizer Unternehmer und langjährige Wahl-Petersburger Walter Denz hat kürzlich eine kompakte, wissenschaftliche Analyse jener Ära vorgelegt: "Russlands wilde Jahre". Deren Lektüre gleicht einem kleinen Parforceritt durch einen Abschnitt der Geschichte, in dem Russland am Scheideweg stand und deren Zeuge auch ich wurde.
Walter Denz kam schon Jahre vor mir nach Russland, und er blieb noch viel länger. In der Zeit nach der Jahrtausendwende wurde er zu einem der wichtigsten, vielleicht sogar zum wichtigsten
Unterstützer einer Internet-Zeitung, die ein Team um meinen journalistischen Mentor Gisbert Mrozek zu etablieren versuchte. Entsprechend
spannend war ich auf seine Einschätzungen.
Das Buch blickt auf die Jahre zwischen Michail Gorbatschows Antritt als Generalsekretär der KPdSU 1985
Walter Denz, "Russlands Wilder Neunziger - Die Dekade des Umbruchs"
NZZ Libro ein Imprint der Schwabe Verlagsgruppe AG, 2025, 156 Seiten, 28 €
ISBN-10 : 3039800469
ISBN-13 : 978-3039800469