"Würden mehr Menschen auf dem Planeten Schach spielen, dann hätten wir eine drastisch reduzierte Anzahl falsch getroffener Entscheidungen."

Kirsan Iljumschinow (1962-), Ex-Präsident von Kalmückien, Unternehmer, Schach-Funktionär

Die merkwürdigste Stadt Europas - Elista

Элиста / Элст

Mitten in der südrussischen Steppe, zwischen Wolga, Don, Kaukasus und Kaspischem Meer liegt einer der eigenartigsten Orte des Kontinents. Elista ist die Hauptstadt der russischen Teilrepublik Kalmückien, der einzigen traditionell buddhistischen und mongolischsprachigen Region Europas. Seit dem Ende der Sowjetzeit besinnt sich das vor Jahrhunderten aus Ostasien an die Wolga gewanderte Volk der Kalmücken auf seine kulturellen Wurzeln. Unter dem ebenso schillernden wie dubiosen Provinzfürsten Kirsan Iljumschinow erhielt das einst recht seelenlose Provinzkaff ein exotisches Stadtbild. Seit der millionenschwere Schachfunktionär seine staubige Hauptstadt 1998 zum Austragungsort der Schach-Weltmeisterschaft machte, gibt es in Elista nicht nur einen ganzen Vorort "Chess City", sondern auch noch die wahrscheinlich höchste Denkmaldichte aller russischen Städte.

Elista Schachspieler Pagode
Schachspieler auf dem zentralen Platz von Elista vor der "Pagode der sieben Tage"

Die Geschichte der Stadt Elista ist recht kurz: sie entstand erst Mitte des 19. Jahrhunderts im Zuge einer Aufforstungskampagne in der umliegenden Steppe. Einige der überwiegend nomadisch lebenden Kalmücken siedelten sich in dem Ort an, der nach der Oktoberrevolution zum Zentrum eines autonomen Gebietes wurde. Wie Russlanddeutsche, Tschetschenen und Krimtataren wurden auch alle Kalmücken während des Zweiten Weltkriegs als angebliche Kollaborateure in die asiatischen Landesteile der Sowjetunion deportiert, ihr autonomes Gebiet aufgelöst und alle Spuren der kalmückischen Kultur vernichtet. Während des Krieges war die Stadt kurzzeitig von der Wehrmacht besetzt und nach der Befreiung komplett zerstört. 1957 genehmigte die Sowjetführung den Kalmücken die Rückkehr in ihre Heimat, Elista blieb jedoch eine gesichtslose Provinzstadt, die kaum einen auswärtigen Besucher anzog. 

Elista Stupa Kalmückien
Stupa der Erleuchtung in Elista

Das änderte sich Mitte der 1990-er Jahre mit dem Bau des ersten "alten" buddhistischen Tempels ("Sjakjusn Sjume") und vieler anderer exotisch anmutender Objekte in der 100.000-Einwohner-Stadt. 2005 wurde der große neue buddhistische Tempel "Goldene Heimstätte des Buddha Shakyamuni" eingeweiht. Der riesige Bau dominiert heute das Stadtbild. Mehrfach besuchte auch der Dalai Lama in den vergangenen Jahren die kalmückische Hauptstadt.

 

In der Iljumschinow-Ära wurden überall in der Stadt Denkmäler und Skulpturen der verschiedensten Formen und Größen aufgestellt. Unter anderem auch eines für den legendären Roman-Ganoven Ostap Bender. Der Kalmücken-Präsident, der immerhin öffentlich erklärte, er sei einmal von Außerirdischen entführt worden (!), scheint den Helden des satirischen Kult-Romans "Zwölf Stühle" besonders in sein Herz geschlossen zu haben. Seinen ehemaligen Untertanen ist der schrille Provinzfürst mittlerweile recht peinlich, unter anderem wegen der Ufo-Geschichte. "In Wolgograd sind wir für die Russen jetzt die 'Außerirdischen'", klagte unser Taxifahrer beim letzten Besuch in der Stadt.

Bedauerlicherweise liegt Elista etwas abseits der üblichen Touristenrouten, auch die Bahnverbindung in die Kalmücken-Hauptstadt wurde vor Jahren eingestellt. Bis nach Wolgograd oder Astrachan sind es jeweils rund 300 Kilometer. Dennoch bieten Reisebüros in beiden Städten sogar Ein-Tages-Exkursionen an. Die bessere Variante erscheint uns die Anreise mit dem Bus und mindestens eine Nacht vor Ort. Da Elista am Schnittpunkt mehrerer Fernstraßen liegt, gibt es gute Busverbindungen in die Kaukasusregion, nach Rostow am Don, an die Wolga, aber auch direkt nach Moskau


Stadtplan von Elista:


Goldene Heimstätte des Buddha Shakyamuni

Золотая обитель Будды Шакьямуни / Бурхн Багшин алтн сүм

Heimstätte des Buddha Shakyamuni Elista
Der große buddhistische Tempel von Elista

Das neue Wahrzeichen der kalmückischen Hauptstadt ist der 63 Meter hohe Tempel "Goldene Heimstätte des Buddha Shakyamuni" östlich des Stadtzentrums. Es handelt sich nach eigenen Angaben um den größten derartigen Bau in ganz Europa und Russland. In seinem Inneren beherbergt er eine neun Meter hohe Buddha-Statue, vor der stets Gläubige meditieren. Der Tempel entstand auf einer alten Industriebrache-Fläche. Der Dalai Lama, das geistliche Oberhaupt der kalmückischen Buddhisten, hatte das Grundstück höchstpersönlich während eines Besuchs im Jahr 2004 ausgewählt. Schon im Folgejahr stand der Bau. Vor dem Tempel befinden sich Gebetstrommeln und Pagoden mit Figuren bedeutender buddhistischer Lehrmeister. An Feiertagen kann man hier buddhistischen Mönchen in traditionellen Gewändern begegnen. Der Tempel steht auch Nichtbuddhisten offen, allerdings herrscht in dem mit exotischen Wandmalereien aus dem Leben Buddhas, der Dalai Lamas, von Dämonen und Geistern verzierten Innenraum Fotoverbot. In einer Vitrine werden Kleidungsstücke des derzeitigen Dalai Lamas wie Reliquien ausgestellt. Bei einer Besichtigung des Geländes gebieten die Regeln, sich im Uhrzeigersinn zu bewegen. Besucher des Tempels ziehen am Eingang die Schuhe aus.


Kalmückisches Nationalmuseum

Национальный музей Калмыкии

Kalmückisches Nationalmuseum in Elista
Kalmückisches Nationalmuseum in Elista

Das Nationalmuseum der autonomen Republik Kalmückien ist in einem überdimensionierten Neubau westlich des Zentrums untergebracht und nach dem russischen Kalmückologen (oder sagt man Kalmückisten?)  Nikolai Palmow benannt. Achtung: Der interessanteste Teil der Exponate zur buddhistischen Kultur Kalmückiens wird im Tempel verwahrt, was wir leider bei unserem Besuch nicht wussten. In dem Museum sind Ausstellungen zur Flora und Fauna der kalmückischen Steppe (mit ausgestopften Saiga-Antilopen), Trachten und eine nachgebaute Jurte zu sehen. Außerdem gibt es Informationen zur Deportation des kalmückischen Volkes während der Stalin-Herrschaft und sehr viele Bilder im Stil des Sozialistischen Realismus. Mittlerweile echten Seltenheitswert auch für russische Maßstäbe hat der Umstand, dass ausländische Besucher mit einem höheren Eintrittspreis zur Kasse gebeten werden als Russen. 


Lenin-Platz und Park "Druschba"

Площадь Ленина и парк "Дружба"

Lenin-Platz Elista  Элиста Площадь Ленина
Lenin-Platz in Elista

Der Lenin-Platz ist das lebendige Zentrum von Elista und der beliebteste Treffpunkt der Stadt. Rund um den Platz reihen sich die wichtigsten Einrichtungen der Republik Kalmückien aneinander: Regierungsgebäude und Universität, Stadtverwaltung und seit einigen Jahren sogar ein recht modernes Einkaufszentrum. Der Namensgeber Lenin wurde nach dem Ende der Sowjetzeit an den Rand des Platzes umgesetzt. Seinen alten Standort schmückt jetzt die "Pagode der Sieben Tage". Westlich an den Platz schließt sich eine langgezogene Parkanlage an, die in den heißen Sommermonaten immer etwas Schatten bietet. Hier wurde in den 1990-er Jahren eine der ersten Buddha-Statuen Kalmückiens aufgestellt. Im Freundschaftspark ("Park Druschba") befinden sich etliche weitere Statuen, Skulpturen und das mit goldfarbenen Pagodendächern und Drachfiguren verzierte "Goldene Tor".


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