"Deine gigantische Krone leuchtete wie die Sonne über Moskau."

Nikolai Arnold (1895-1963), russischer Dichter, "Die Christ-Erlöser-Kathedrale"

 

 

 

Phönix aus der Asche - Die Christ-Erlöser-Kathedrale

Храм Христа Спасителя

Kaum an einem Ort in Moskau werden die dramatischen Wendungen der jüngeren russischen Geschichte so deutlich wie am Standort der riesigen orthodoxen Christ-Erlöser-Kathedrale. Die für 10.000 Gottesdienstbesucher ausgelegte Kirche ist heute wieder Schauplatz vieler Feierlichkeiten und festlicher Gottesdienste des russischen Patriarchen. Ursprünglich erbaut, um an den russischen Sieg über Napoleon zu erinnern, fiel sie nach der Oktoberrevolution dem radikalen Kirchenkampf der Sowjetführung zum Opfer. Der Wiederaufbau der prunkvollen Kathedrale in den Krisenjahren nach dem Zusammenbruch der UdSSR war alles andere als unumstritten. Während die Kirche für gläubige Russen wieder zu einem Zentrum des geistlichen Lebens im Land wurde, ist sie im Westen inzwischen mindestens im selben Umfang

wegen des Krawall-Auftritts der Frauen von "Pussy Riot" bekanntgeworden, über den Medien aus aller Welt über Monate hinweg berichteten.

Christ-Erlöser-Kathedrale Moskau
Die Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau

Nikolaus Thon, der deutsch-russische Hofarchitekt von Zar Nikolaus I., hatte den Entwurf für ein wahrhaft gewaltiges Gotteshaus im Zentrum von Moskau erstellt. Die Idee einer Gedächtniskirche für die im Kampf gegen Napoleon gefallenen russischen Soldaten war bereits unmittelbar nach dem ruhmlosen Abzug des Korsen entstanden. Tatsächlich umgesetzt wurde das Christ-Erlöser-Kathedrale (oder Christi-Erlöser-Kathedrale) jedoch erst deutlich später. Über 40 Jahre lang dauerten die Arbeiten an dem 1883 eingeweihten gewaltigen weißen Bau mit seinen fünf vergoldeten Kuppeln. Mehrere Jahrzehnte lang war die unweit des Kremls gelegene Kathedrale mit ihren imposanten 103 Metern auch das höchste Gebäude Moskaus.

Christ-Erlöser-Kathedrale Moskau
Relief an der Außenwand der Christ-Erlöser-Kathedrale

In der frühen Stalin-Zeit beschloss die Sowjetführung dann, dass die Kathedrale im Rahmen eines geplanten Totalumbaus des Moskauer Zentrums weichen müsste. An ihrem Standort sollte ein gewaltiger Wolkenkratzer, der "Palast der Sowjets", errichtet werden. Die Kirche wurde im Dezember 1931 auf einen Beschluss der Parteiführung hin in die Luft gesprengt. Die Bauarbeiten für den 100 Stockwerke hohen Sowjetpalast, der von einem kolossalen Lenin-Monument gekrönt sein sollte, begannen 1937, mussten jedoch kurz nach Beginn wegen statischer Probleme mit dem Untergrund und kriegsbedingten Materialmangels abgebrochen werden. In der Nachkriegszeit wurde die Baugrube zu einem beliebten Freibad umfunktioniert. Für den Wiederaufbau, der 1995 begann und im Jahr 2000 abgeschlossen wurde, spendeten einfache Bürger ebenso wie Oligarchen und Großkonzerne. 

 

Äußerlich ist die neue Christ-Erlöser-Kirche mit ihrem kreuzförmigen Grundriss und den goldenen Kuppeln dem Original aus dem 19. Jahrhundert nachempfunden. An der Innenausstattung im neobyzanthinischen Stil beteiligte sich auch der berühmt-berüchtigte Monumentalkünstler Surab Zereteli. Beim Wiederaufbau erhielt die wichtigste Kirche Russlands auch Konferenzräume und eine Tiefgarage. Vielen Kritikern gibt es dort mittlerweile viel zu viel kommerzielle Veranstaltungen. Offenbar lässt auch die Qualität der Bauarbeiten an manchen Stellen zu wünschen übrig. Teile der Kirche mussten bereits wieder saniert werden.

Aber auch viele religiöse Feierlichkeiten finden hier wieder statt, so etwa die Trauergottesdienste für Russlands Ex-Präsidenten Boris Jelzin, oder den Cellisten Mstislaw Rostropowitsch. In den vergangenen Jahren ließ die Orthodoxe Kirche Russlands oft besonders wertvolle Reliquien leihweise in die Kirche bringen, etwa das Andreaskreuz aus dem griechischen Patras. Zu solchen Anlässen kommen oft große Pilgergruppen in die Kathedrale. Im April 2012 stürmten die Mitglieder der Punkgruppe "Pussy Riot" für eine kurze Performance den Altarraum der Kirche. Die oft als Konzert bezeichnete Aktion brachte drei der beteiligten Feministinnen empfindliche Haftstrafen ein. (kp)



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