"Deine Söhne in der Weite rühmen Dich und Deine Kraft. Zum Empfang für sie bereite Deiner Reben Perlensaft."

Alexander Puschkin (1799-1837), russischer Dichter, "Der Don"

 

 

Kosaken und Aprikosen - Rostow am Don

Ростов-на-Дону

Rostow am Don, Russlands südlichste Millionenstadt, gilt seit jeher als das Tor zur Kaukasus-Region. Insbesondere im 20. Jahrhundert ist die Geschichte nicht gerade sanft mit dem Industrie- und Wissenschaftszentrum umgesprungen. Trotz verheerender Zerstörungen im russischen Bürgerkrieg und im Zweiten Weltkrieg hat Rostow sich einige hübsche Ecken bewahrt. Und wer durch die Straßen bummelt, kann mit etwas Glück sogar echten Don-Kosaken begegnen. Besonders angenehm ist es in der Stadt im Frühling. Während im 1.100 Kilometer nördlich gelegenen Moskau oft noch Schnee liegt, blühen dann am Don schon die Aprikosenbäume. Bis zu den Kaukasusbergen ist es von hier aus noch sehr weit, dennoch kann man in der Stadt schon einen Hauch südlichen Flairs spüren.

Rostow am Don Kathedrale Fußgängerzone
Fußgängerzone im Zentrum von Rostow am Don

Steckbrief Rostow am Don:

Gründungsjahr: 1749/1761

Zeitzone: Moskauer Zeit

Sehenswert (* bis *****): ***

Einwohner: 1,1 Millionen

Entfernung von Moskau: 1.100 Kilometer

Berühmt für: Don-Kosaken, Traktor-Theater



Glaubt man den Legenden der alten Griechen, dann lebte am Unterlauf des Flusses Don schon in der Antike das Volk der kriegerischen Amazonen. Das heutige Rostow am Don kann allerdings nicht auf eine sonderlich lange Geschichte zurückblicken. 1749 wurde in der Nähe des heutigen Hauptbahnhofs eine Zollstation an der damaligen Grenze zwischen Russland und dem Osmanischen Reich erbaut, rund 40 Kilometer östlich der Mündung des Flusses in das Asowsche Meer. Zwölf Jahre später entstand dort eine Festung, um die herum die Siedlung Rostow wuchs. Wenig später wurde die Nachbarstadt Nachitschewan am Don gegründet, in der sich armenische Übersiedler von der Krim niederließen.

Puschkin-Denkmal Rostow am Don
Am Puschkin-Boulevard von Rostow am Don

Schnell überflügelte Rostow ältere Städte in der Region wie Asow als wichtigstes Handels- und Wirtschaftszentrum im Süden Russlands. Im ausgehenden Zarenreich stieg die Bedeutung des Hafens und machte Rostow am Don zu einem für russische Verhältnisse ziemlich kosmopolitischen und multiethnischen Ort mit einer Vielzahl ausländischer Konsulate, Händler, Schmuggler und Gannoven. 

Im nationalen Bewusstsein wurde die Stadt gleichrangiges
Gegenstück zu Odessa am Westende des Schwarzen Meeres. Bis heute sind die Begriffe "Odessa-Mama" und "Rostow-Papa" in Russland und der Ukraine verbreitet. 

Nach der Oktoberrevolution wurde die Stadt mit Nachitschewan zusammengeschlossen, aber noch heute gibt es eine nennenswerte Minderheit von Armeniern in Rostow. Zu Sowjetzeiten entstanden eine Reihe markanter Bauwerke, allen voran das Theater in Form eines gewaltigen Traktors, das als eines der weltweit herauragendsten Beispiele konstruktivistischer Architektur gilt. Sehr empfehlenswert ist auch ein Bummel über den großen Lebensmittelmarkt in direkter Nachbarschaft zur orthodoxen Kathedrale von Rostow, die ein wenig an eine verkleinerte Ausgabe der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale erinnert.

Rostow liegt am Schnittpunkt mehrerer zentraler Bahnlinien und ist von allen Teilen Russlands aus gut mit dem Zug zu erreichen. Die Fahrt von Moskau dauert je nach Strecke zwischen 15 und 25 Stunden. Nach Sotschi sind es meist zwischen sieben und zehn Stunden. Grenzüberschreitenden Verkehr in die Ukraine gibt es seit Ausbruch der Kämpfe im Donbass 2014 nicht mehr. Wer mit dem Flugzeug anreist, landet seit 2017 auf dem komplett neu erbauten Platow-Flughafen östlich von Rostow.


Die Bolschaja-Sadowaja-Straße

Большая Садовая улица

Bolschaja Sadowaja Straße in Rostow am Don Улица Большая Садовая в Ростове-на-Дону
Feierabendverkehr auf der Bolschaja Sadowaja

Die Bolschaja Sadowaja Uliza ist seit dem späten 18. Jahrhundert die zentrale Hauptstraße und so etwas wie der "Newski Prospekt von Rostow am Don". Nirgendwo sonst in der Stadt gibt es so viele herausgeputzte und oft vorbildlich restaurierte Prachtbauten, darunter das heutige Rathaus von 1899, das hübsche Jugendstil-Gebäude der ehemaligen Wolga-Kama-Bank oder das 1910 errichtete Zentralkaufhaus der Stadt ("ZUM"). Direkt gegenüber vom "ZUM" befindet sich die "Goldene Ähre" ("Solotoi Kolos"), ein legendäres Café, in demdie Rostower sich seit Jahrzehnten mit leckeren Kuchen und Törtchen eindecken. 

 

Eine Besonderheit sind auch die Fußgängerunterführungen unter der Straße. Die Wände wurden von Künstlern mit bunten Kachel-Mosaiken gestaltet, die das Leben der Don-Kosaken, den Aufbau der sozialistischen Gesellschaft oder den Kampf gegen die deutschen Eroberer im Zweiten Weltkrieg zeigt.


In der Umgebung von Rostow am Don

Tanais Russland Танаис
In der Ausgrabungsstätte Tanais

Auch in der Umgebung von Rostow gibt es einige lohnenswerte Ziele. Westlich der Stadt liegen am nördlichen Seitenarm des Don die Reste der antiken griechischen Siedlung Tanais - immerhin eine der bedeutendsten archäologischen Ausgrabungsstätten des gesamten Landes. Man sollte nicht gerade Ruinen wie in Athen oder Ephesus erwarten, kann vor Ort aber spannende Einblicke in das Leben der frühen Siedler dieser Gegend bekommen. Auf dem Weg nach Tanais lohnt sich ein Abstecher in die bis heute mehrheitlich von Armeniern bewohnte Siedlung Tschaltyr. Freunde in Rostow schwärmen von den dortigen armenischen Lokalen. Weiter westlich beginnt das Asowsche Meer mit der Hafenstadt Taganrog, die eng mit dem Leben des Dichters Anton Tschechow verbunden ist. Östlich von Rostow sind die historischen Kosaken-Siedlungen Starotscherkassk und Nowotscherkassk sehenswert.


Der Rhein-Wolga-Kanal empfiehlt: "Cow Bar" + "Nabokov Loft Hotel"

Cow Bar Корова in Rostow am Don
Die Cow Bar bietet leckerste Burger, im Hintergrund links das Nabokov Loft Hotel

Durch ein ehemaliges Industrieviertel am nordwestlichen Rand des Stadtzentrums führt die recht kurze "Zeitungsgasse" (Gasetny pereulok). Hier machen einige Jungunternehmen gerade Furore: Bei Hausnummer 84 können hungrige Rostow-Besucher in einem der besten Burger-Restaurants Russlands einkehren. Das "Korowa" ("Cow Bar") ist vom Gastraum bis zu den Toiletten urig eingerichtet wie eine Mischung aus Saloon und Kuhstall. Und die riesigen, frisch gegrillten Burger sind die Wucht. Wenige Häuser weiter auf der gegenüberliegenden Straßenseite hat sich in einem alten Fabrikgebäude das "Nabokov Loft Hotel" (Uliza Krasnoarmejskaja 168) eingerichtet, in dem wir uns bei unserem letzten Besuch in der Stadt eingemietet hatten. Hier gibt es sympathische Zimmer, eine Gemeinschaftsküche, nettes Personal und sehr günstige Preise 


Passend dazu in unserem Russland-Reiseblog: