Rhein-Wolga-Blog

Neuigkeiten aus Russland und in diesem Reiseblog:

Reisebericht: Sommerfrische im Baltikum

Bunte Holzhäuschen inmitten grüner Wiesen wie in Skandinavien, undurchdringliche Sümpfe und wilde Wälder wie tief in Russland, altehrwürdige Hansestädte mit engen Kopfsteinpflaster-Gassen wie in Norddeutschland und immer wieder die blaue Ostsee - auf den Reisenden wirkt das Baltikum auf den ersten Blick wie eine gelungene Mischung der Regionen ringsum. Dabei haben Estland, Lettland und Litauen allesamt auch ihre unverwechselbaren Eigenheiten. Eigentlich liegen die drei baltischen Staaten mitten in Europa, aber aus der Sicht eines Deutschen blieben sie auch nach der Aufnahme in die EU doch gefühlt weiter am Rand. Das ist sehr schade, denn es gibt im Baltikum so viel zu sehen und zu erleben.

Adieu, Gorbi!

Er hatte der Welt die Angst vor einem Atomkrieg genommen, Millionen Menschen Freiheit gebracht und ihnen die Chance gegeben, gemeinsam ein Europa aufzubauen, das Osten und Westen gleichermaßen hätte umfassen können. Sein Wirken hat das geteilte Deutschland, meine Heimat, zusammengeführt, aber auch die Sowjetunion, seine eigene Heimat, im Chaos zerfallen lassen. Michail Gorbatschow war ein Staatsmann mit einer Vision einer besseren Welt, ein tragischer Held von epischem Ausmaß - aber zweifellos ein Held. Für einen kurzen historischen Augenblick hat er Menschen rund um den Globus an seinen Hoffnungen teilhaben lassen. Mit seinem Tod am 30. August 2022 endet gewissermaßen auch diese Zeit der Hoffnung.

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Visabann-Debatte: Die Feindschaft zementieren

Nachdem die bislang sieben Sanktionspakete der EU den russischen Angriff auf die Ukraine nicht stoppen konnten und deren fatale Folgen für die eigenen Bürger und Unternehmen im Westen immer offensichtlicher werden, dreht sich die Eskalationsspirale nun weiter: Finnen, Tschechen, Balten und andere machen Druck und fordern als Kollektivstrafe gegen alle Russen pauschale Einreiseverbote. Europa besuchen zu dürfen, sei schließlich ein "Privileg". Tatsächlich spielt es kaum noch eine Rolle, ob Hardliner oder eher "besonnene" Länder sich im Streit um den "Visabann" durchsetzen. Der Eiserne Vorhang ist ohnehin zurück. Die Falken im Kreml dürften sich freuen angesichts dieser moralischen Bankrotterklärung. 

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"Der Krieg kann uns mal!" - Die besten russischen Anti-Kriegs-Lieder

Die Ohnmacht gegenüber Krieg und Gewalt und der Wunsch nach Frieden zälhlen zu den großen Themen für Liedermacher wie Rock-Sänger in Russland. Verarbeitet wurden die Erlebnisse und Traumata aller Exzesse, die sich durch die jüngere Geschichte ziehen: Vom Bürgerkrieg und dem deutschen Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion über Afghanistan und Tschetschenien bis zur Gegenwart. Viele Künstler nehmen eine explizit pazifistische Haltung ein. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 sind viele ihrer Lieder erneut auf tragische Weise aktuell. Der Rhein-Wolga-Kanal stellt die zehn besten russischen Anti-Kriegs-Lieder vor.

Russland erlaubt wieder Einreise auf dem Landweg

Mehr als zwei Jahre nach dem Ausbruch der weltweiten Corona-Krise gestattet Russland Ausländern wieder die Ein- und Ausreise auf dem Landweg. Eine seit 2020 geltende Vorschrift, die von Ausnahmen abgesehen eine Anreise mit dem Flugzeug zur Pflicht machte, soll zum 15. Juli auslaufen, teilten russische Medien mit (z.B. RBK). Damit könnten noch in diesem Sommer wieder alle regulär geöffneten Grenzübergangsstellen auch ohne Sondergenehmigung genutzt werden. Die Verpflichtung, bei der Einreise einen aktuellen, negativen PCR-Test vorzuweisen, bleibt für alle Reisenden ohne russischen oder weißrussischen Pass vorerst jedoch bestehen. Dennoch wäre die überfällige Lockerung der Anti-Corona-Bestimmungen an den Grenzen ein echter Segen.

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Ahnungslos in den Wirtschaftskrieg

Die "militärische Spezialoperation" in der Ukraine endete für Russland nicht mit der erhofften, blitzartigen "Rückabwicklung" des Maidan-Umsturzes von 2014, sondern mit einem militärischen und politischen Fiasko. Doch auch für den Westen wird der Wirtschaftskrieg, der eigentlich Moskau in die Knie zwingen sollte, immer mehr zum Bumerang. Das könnte auch daran liegen, dass Nato und EU zwar seit mindestens 15 Jahren auf Konfrontationskurs zu Russland eingeschwenkt sind, sich aber offenbar nie ernsthafte Gedanken darüber machten, was geschehen würde, wenn die Lage einmal tatsächlich eskaliert. Die Idee, mit beispiellosen Sanktionen gegen das größte Land der Erde vorzugehen, als wäre es ein zweites Nordkorea, wirkte von Anfang an recht ambitioniert.

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Wiedersehen mit einem fast verbotenen Land

In meinem Blog habe ich in den vergangenen Jahren viele Berichte über unsere Russland-Reisen veröffentlicht. Jedes Mal starteten wir voller Vorfreude auf neue Städte, Land- und Bekanntschaften. Die neue Realität 2022 ist eine ganz andere. Kaum jemand im Westen hätte wohl momentan Lust, eine Ferienreise nach Russland anzutreten. Zu den politischen Vorbehalten kommen ganz praktische Hindernisse: Nie in den zurückliegenden Jahrzehnten waren Reisen nach Russland so umständlich, so teuer und so voller Unwägbarkeiten. Der Ukraine-Krieg und der Abbruch nahezu aller Verbindungen zwischen Ost und West spalten den Kontinent mindestens so unerbittlich wie zu Zeiten des (ersten) Kalten Krieges. Als ich im Juni 2022 zum ersten Mal seit dem Kriegsausbruch auf etwas abenteuerlichem Weg wieder nach Moskau reise, ist mir im Vorfeld nicht ganz wohl bei der Sache.

Schuldig sind die Friedfertigen

Vor einigen Wochen, nach Beginn der russischen Invasion in der Ukraine, schrieb mir ein alter Studienfreund, dessen Weg sich mit meinem einst in einem polnischen Studentenwohnheim am Ufer der Oder kreuzte, eine kurze Nachricht. "Wenn Du ehrlich wärst, müsstest Du zugeben, dass Du jahrelang ein verbrecherisches Regime wohlwollend begleitet hast...", ließ er mich wissen. Ich will ehrlich sein. Damals versprach ich ihm eine ausführliche Antwort, obwohl mir der Vorwurf so absurd erschien, dass ich gar keine Lust darauf hatte. Nach und nach habe ich seither verstanden, wie sehr das dahinter stehende Weltbild einem fatalen Zeitgeist entspringt. Mehr und mehr Menschen geraten gerade in einen Kriegs-Taumel, der an 1914 erinnert.

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Schlechte Quellenlage: Gibt es noch Journalismus in Russland?

Unabhängiger Journalismus hatte es in Russland immer schwer. Aber noch in den Anfangsjahren der Putin-Ära gab es einige hervorragende Zeitungen und vor allem eine Reihe exzellenter Internet-Magazine. Sie alle gerieten im Lauf der Jahre immer stärker unter Druck. So, wie es aussah, sind in den Wochen nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine auch die letzten bekannten regimekritischen Stimmen verstummt. Tatsächlich ist die Lage im bleiernen Frühling 2022 finsterer denn je. Nun stellt sich die Frage, welche journalistischen Quellen es überhaupt noch aus einem Land gibt, in dem die Medienlandschaft so nachhaltig zerstört worden ist. Aber noch gibt es zumindest im Netz noch einige interessante journalistische Projekte, die ich hiermit gern empfehle. 

Altes Feindbild, neuer Hass?

Nach dem Ausbruch des Ukraine-Krieges machten sich viele Russen und russischsprachige Menschen in Deutschland Sorgen vor Anfeindungen. Taugt "der Russe" wieder als Feindbild? Und müssen Menschen mit russischen Wurzeln sich jetzt bei jeder Gelegenheit von dem Feldherrn Putin distanzieren, um nicht sozial geächtet zu werden? Die Angst, dass der russische Angriff auf die Ukraine vielleicht sogar zur Gefahr für den sozialen Frieden in Deutschland wird, ist nicht ganz unbegründet. Immerhin leben hierzulande über zwei Millionen Menschen mit Wurzeln in der Ex-Sowjetunion. Aus der Politik wird inzwischen regelmäßig gemahnt, russischsprachige Mitbürger in Frieden zu lassen. Aber wie schlimm ist es wirklich? Ich will versuchen, eine Antwort zu geben. 

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Russlands Krieg, Russlands Helden

"Schande den Besatzern" und "Für eure und unsere Freiheit!" war auf den Plakaten zu lesen, die fünf Männer und drei Frauen auf dem Roten Platz in Moskau ausgerollt hatten. Nur wenige Minuten dauerte die Protestaktion im Herzen der Großmacht, dann wurden die Protestierer überwältigt. Einem der Männer schlugen die Sicherheitskräfte bei der Festnahme die Vorderzähne aus. Ohne die geringste Aussicht, das Weltgeschehen zu beeinflussen, hatte ein kleines Häufchen Aufrechter sich der allmächtigen Staatsmacht entgegengestellt. Die Geschichte ereignete sich bereits vor über 50 Jahren - am 25. August 1968, kurz nach der Niederschlagung des Prager Frühlings. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine klingt sie aktuell wie nie.

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Lügen und Wahrheit im Krieg

Schon vor dem Beginn des Ukraine-Kriegs wurde Medienkompetenz mit jedem Jahr wichtiger. In den vergangenen Wochen bin ich so oft wie noch nie gefragt worden, wem und was man in der dramatischen Krise zwischen Russland und dem kollektiven Westen eigentlich noch glauben darf. Tatsächlich wird die öffentliche Meinung von den verschiedensten Akteuren auf allen denkbaren Kanälen beeinflusst und manipuliert - oft nicht aus edlen MotivenManchmal hatte es den Anschein, dass das Problem bei allem, was mit Russland zu tun hatte, immer schon ein wenig größer war als ohnehin schon. Für Krisen- und Kriegszeiten gilt dies umso mehr. Wie also erkennt man vertrauenswürdige Informationen, wie unterscheidet man seriöse Berichte von Manipulation?


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