"Jaroslawl trägt überall die Spuren des Alten, seiner alten Bedeutung und alter historischer Ereignisse."

 

Iwan Aksakow (1823-1886), russischer Publizist

 

 

Goldener Ring trifft Mütterchen Wolga - Jaroslawl

Ярославль

Jaroslawl ist über 1.000 Jahre alt - und seine große Vergangenheit sieht man dem Provinzzentrum bis heute an - im Zentrum auf Schritt und Tritt. Bis zur Gründung von Sankt Petersburg war die Handelsmetropole am Oberlauf der Wolga zeitweise die zweitgrößte Stadt des Russischen Reichs nach Moskau. In der Innenstadt von Jaroslawl am Zusammenfluss von Kotorosl und Wolga ist noch heute in weiten Teilen das vorrevolutionäre Stadtbild erhalten geblieben. Als "herausragendes Beispiel" städtebaulicher Reformen aus der Regierungszeit von Katharina der Großen ist dieser Teil des Zentrums 2005 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden. Aufgrund seiner vielen Sehenswürdigkeiten ist Jaroslawl Teil des "Goldenen Rings" altrussischer Städte und beliebter Zwischenstopp für Flusskreuzfahrtschiffe.

Mariä-Entschlafens-Kathedrale Jaroslawl Wolga Ярославль Успенский Собор
Zur 1.000-Jahr-Feier von Jaroslawl wieder aufgebaut - Die Mariä-Entschlafens-Kathedrale

Jaroslawl ist eine der älesten oder sogar die älteste russische Stadt an der Wolga. Als Gründer gilt Jaroslaw der Weise, Fürst von Rostow und Nowgorod. Er soll der Legende nach im Jahr 1010 an dieser Stelle zuvor eine mächtige Bärin erschlagen haben. Im Mittelalter wurde die Stadt vorübergehend Zentrum eines eigenständigen russischen Fürstentums. Die Blüte von Jaroslawl fiel allerdings auf die frühe Neuzeit, als hiesige Kaufleute den Handel auf einem Territorium vom Polarmeer bis ins ferne Mittelasien kontrollierten und zu legendärem Reichtum gelangten.

Bahnhof Jaroslawl Glawny Ярославль вокзал
Am Hauptbahnhof Jaroslawl Glawny

Im 17. Jahrhundert gab es in der Stadt mindestens 60 Kirchen, Mitte des 18. Jahrhunderts gründete Fjodor Wolkow in einer alten Waren-Lagerhalle das erste für die gewöhnliche Bevölkerung zugängliche Theater des Russischen Reichs. Heute ist Jaroslawl mit mehr als 600.000 Einwohnern eine der größten Städte Zentralrusslands, hat aber im Zentrum das Flair vergangener Jahrhunderte bewahren können.

Bei Touristen steht die Partnerstadt von Kassel und Hanau hoch im Kurs, sei es bei einer Wolga-Flusskreuzfahrt oder bei Rundreisen zu den altrussischen Städten des Goldenen Rings. Ein Besuch wird durch die gute Verkehrsanbindung an das 280 Kilometer entfernte Moskau erleichtert: Neben modernen Regionalexpress-Zügen verkehrt auch ein Teil der Fernzüge von Moskau nach Sibirien über Jaroslawl. Die Stadt kann also auch als Zwischenstopp bei einer Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn dienen. Außerdem gibt es direkte Verbindungen unter anderem nach Sankt Petersburg und Nordrussland.


Interessante Orte in Jaroslawl auf der Landkarte:


Unterwegs im Zentrum von Jaroslawl

Prophet-Elija-Kirche Jaroslawl
Prophet-Elija-Kirche im Zentrum von Jaroslawl

Das zur 1.000-Jahr-Feier aufgehübschte, zum Welterbe erklärte Zentrum von Jaroslawl umfasst eine Fläche von rund 110 Hektar. Dieser Teil der Stadt bezaubert durch viele Grünflächen und kommt fast komplett ohne hässliche sowjetische Betonbauten aus. Bis heute überwiegen in den Straßenzügen zwei- oder dreistöckige 

Gebäude im klassizistischen oder pseudorussischen Stil.

Mittelpunkt des Stadtzentrums ist der von historischen, bis heute genutzten Regierungsbauten umgebene Sowjet-Platz auf den Straßen aus allen Himmelsrichtungen hin zulaufen. In seinem Zentrum ragt die Prophet-Elija-Kirche mit ihren fünf Kuppeln in den Himmel. Im Inneren der Mitte des 17. Jahrhunderts auf Geheiß reicher Kaufleute erbauten Kirche beeindrucken grandiose Fresken. Einige sind allerdings alles andere als politisch korrekt: Eine der Darstellungen zeigt in drastischen Bildern, wie Juden, Deutsche und Araber von bösen Dämonen in die Hölle hinuntergezogen werden, während die rechtgläubigen orthodoxen Russen in den Himmel aufsteigen.

 

Südwestlich des Sowjetplatzes befindet sich mit dem mittelalterlichen Erlöser-Verklärungs-Kloster die wohl bedeutendste Sehenswürdigkeit der Stadt. Die Kirchen des einstigen Männerklosters sind ebenso erhalten wie die mächtigen Befestigungsmauern.


Mariä-Entschlafens-Kathedrale

Успенский собор

Die Bischofskirche von Jaroslawl hat eine äußerst bewegte Geschichte hinter sich. Unweit der Mündung des Kotorosl-Flusses in die Wolga stand bereits im 13. Jahrhundert ein erstes Gotteshaus. Im 17. Jahrhundert entstand am selben Ort eine neue prächtige Kathedrale mit fünf Kuppeln und einem über 50 Meter hohen Glockenturm, die das Stadtbild von Jaroslawl über mehrere Jahrhunderte hinweg prägte. Nach der Oktoberrevolution wurde die Mariä-Entschlafens-Kathedrale enteignet. Die neuen kommunistischen Machthaber funktionierten den prächtigen Bau zunächst das örtliche Arbeitsamt und dann einen Getreidespeicher um. 1937 wurde das Wahrzeichen der Stadt kurzerhand in die Luft gesprengt. In den Jahren nach der Jahrtausendwende kam eine Initiative für den - vor Ort nicht unumstrittenen - Wiederaufbau in Fahrt, und 2010 konnte die neu erbaute Mariä-Entschlafens-Kathedrale feierlich eingeweiht werden. Südlich der Kirche lädt ein zum 1.000-Jahre-Jubiläum angelegter neuer Park auf einer von Wolga und Kotorosl gebildeten Landzunge bei schönem Wetter zum Bummeln ein.


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