"Sie war weißer als die Smolny-Kathedrale, geheimnisvoller als der Sommergarten geschmückt.
Wir wussten das nicht, als wir uns voll Traurigkeit trennten, Wir würden bald zurückschauen."

 

Anna Achmatowa (1889-1966), russische Dichterin, übersetzt von Torsten Schwanke

 

 

Flanieren wie die Dichter - Der Sommergarten

Летний сад

Den ersten Stadtpark von Sankt Petersburg ließ Zar Peter der Große noch höchst persönlich anlegen - in direkter Nachbarschaft zu seinem Sommerpalast an der Newa. Anfangs noblen Spaziergängern vorbehalten, ist die Anlage mit ihren schattigen Alleen, italienischen Marmorstatuen und Brunnen heute einer der Lieblingsorte vieler Petersburger. Auch die wichtigsten Köpfe der russischen Kultur liebten den Sommergarten und fanden beim Flanieren Inspiration. Von Alexander Puschkin bis Joseph Brodsky widmeten Poeten ihre Verse der berühmten Petersburger Grünanlage - und zwar in rekordverdächtigem Ausmaß: Insgesamt wird der Park in mehr als 200 Gedichten erwähnt. Im Gegensatz zur Zarenzeit ist der Zutritt heute problemlos auch für Bürgerliche möglich - fast das ganze Jahr über.

Statuen im Sommergarten in Sankt Petersburg
Morgens am Petersburger Sommergarten

Der Petersburger Sommergarten ist gerade einmal ein Jahr jünger als die Stadt selbst. Peter I. gab 1704 den Befehl, einen Park auf dem Gelände zwischen Newa, Fontanka und dem heutigen Marsfeld anzulegen, zu einem Zeitpunkt, als auch das heutige Kanalsystem im Petersburger Zentrum noch nicht existierte. In einer Ecke des Areals, direkt am Newa-Fluss, ließ der Zar sich einen kleinen, fast schon bescheidenen Sommerpalast bauen.

Sommerpalast von Zar Peter dem Großen im Sommergarten von St. Petersburg
Peters Sommerpalast an der Mündung der Fontanka in die Newa

Schon Zarin Elisabeth gestattete den gewöhnlichen Petersburgern Mitte des 18. Jahrhunderts, einen Blick auf die herrschaftlichen Gärten zu werfen. An bestimmten Tagen durfte jeder anständig gekleidete Bürger den Sommergarten betreten.

Die Hauptattraktion des Parks ist eine Sammlung italienischer Marmorstatuen, von denen mittlerweile allerdings nur noch Kopien zu sehen sind. Im Laufe der Jahrhunderte waren die Originale zu stark verwittertm inzwischen befinden sie sich im sogenannten Ingenieurschloss südlich des Parks. 

Ein ganz besonderes Schmuckstück ist außerdem das Denkmal für den russischen Fabeldichter Iwan Krylow von 1850 unweit der Newa-Seite des Parks. Besucher sollten unbedingt auch einen Blick auf das berühmte Gitter werfen, dass an den Sommergarten an der nördlichen Seite begrenzt.


Der Petersburger Sommergarten ist in den Sommermonaten von Mai bis September täglich von 10 bis 22 Uhr für Besucher geöffnet, im Winter zwischen Oktober und März von 10 bis 20 Uhr, allerdings sind dann die Marmorstatuen mit Schutzhüllen abgedeckt. Im April ist der Park nicht öffentlich zugänglich. Der Eintritt ist frei.

Fotos aus dem Sommergarten in St. Petersburg:


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