"Wenn ihr die Denkmäler umstürzt, dann lasst die Podeste stehen. Die kann man immer gebrauchen."

 

Stanisław Jerzy Lec (1909-1966), polnischer Satiriker

 

 

Nicht nur Lenins - Russlands markanteste Denkmäler

Wer Russland besucht, wird schnell feststellen, dass das Land mit gutem Recht den Weltmeister-Titel im Errichten von Denkmälern für sich beanspruchen könnte. Egal, ob Zaren, Dichtern oder Weltkriegs-Helden - selbst in kleinen Provinzstädten findet man oft eine ganze Vielzahl der verschiedensten Monumente. Manche sind wundervolle Kunstwerke, andere kitschig bis zum Gehtnichtmehr. Nicht alle haben die Irrungen und Wirrungen der russischen und sowjetischen Geschichte überstanden. Bis heute gilt in nahezu allen Städten Russlands die Faustregel, dass sich da, wo ein ein großes Lenin-Denkmal steht, das Stadtzentrum befindet. Der Rhein-Wolga-Kanal stellt eine Denkmals-Hitliste vor.

Wolgograd "Mutter Heimat ruft"
Zu Füßen der "Mutter Heimat" in Wolgograd

Anbei eine kleine Hitliste von Denkmälern und Monumenten, die man gesehen haben sollte, wenn man in der Gegend ist. Natürlich gibt es in Russland noch viele andere ungewöhnliche Denkmäler, die wir bislang nicht besuchen konnten - etwa das eindrucksvolle Denkmal für die Stechmücke im sibirschen Nojabrsk oder den riesigen Lenin-Kopf in Ulan-Ude.  Das Denkmal für die kyrillische Computer-Tastatur in Jekaterinburg haben wir zwar gesucht, aber nicht gefunden. Es gibt also noch mehr zu entdecken, als hier in diesem Blog vorgestellt werden kann...


1. Den Eroberern des Weltalls, Moskau, 1964

Покорителям космоса

Denkmal für die Eroberer des Weltraums in Moskau
Raketenstart in den Moskauer Himmel

Wahrscheinlich kein anderes Monument drückt den Stolz über die Erfolge der sowjetischen Weltraumfahrt besser aus, als die startende Rakete mit ihrem mächtigen Schweif im Nordosten Moskaus. Das 107 Meter hohe, mit Titanplatten beschichtete Denkmal für die "Eroberer des Kosmos" des Bildhauers Andrej Faidysch-Krandijewskisteht am Rand des Geländes der sowjetischen Leistungsschau "Ausstellung der Volkswirtschaftlichen Errungenschaften" (WDNCh). Bereits im Jahr nach dem Start des ersten künstlichen Satelliten Sputnik-1 hatten 1958 die Planungen begonnen. Der Entwurf wurde dabei im Laufe der Zeit erheblich verändert, so sollte der riesige Rauchschweif ursprünglich aus Milchglas bestehen und nachts von innen angeleuchtet werden. Das Monument wurde dann am 7. Jahrestag des Sputnik-Starts am 4. Oktober 1964 eingeweiht. 

 


2. Krylow-Denkmal, St. Petersburg, 1855

Памятник Крылову

Denkmal für den Fabeldichter Krylow in St. Petersburg
Krylow und seine Fabeltiere

Im Sommergarten von St. Petersburg schuf der Baltendeutsche Peter Clodt von Jürgensburg 1855 ein fantastisches Denkmal für den berühmten russischen Fabeldichter und Publizisten Iwan Krylow. Die mit Spenden finanzierte Bronze-Figur ist eines der ältesten einem russischen Schriftsteller gewidmeten Denkmäler überhaupt. Sie zeigt den 1844 verstorbenen Autoren in ernster nachdenklicher Pose sitzend mit einem Notizbuch in den Händen. Die Seitenwände des Postaments werden von den Tieren aus Krylows Fabeln bevölkert. Wer sich Zeit nimmt, kann viele interessante Details entdecken. Das Denkmal befindet sich wenige Schritte abseits vom zentralen Weg im nördlichen Bereich des Sommergartens.


3. "Mutter Heimat ruft!", Wolgograd, 1967

Родина мать зовет!

Statue "Mutter Heimat ruft" in Wolgograd ehemals Stalingrad
Mutter Heimat ruft in die Schlacht

Stolze 85 Meter Höhe misst die "Mutter Heimat" in Wolgograd von der Fußsohle bis zur Spitze ihres erhobenen Schwertes. Die höchste Frauenstatue der Welt erinnert an die fürchterliche Schlacht von Stalingrad. Sie ist das zentrale Monument in der eindrucksvollen

Weltkriegs-Gedenkstätte auf dem Mamai-Hügel. Bildhauer Jewgeni Wutschetitsch erdachte die gigantische Beton-Skultpur als zentrale Figur eines Denkmals-Triptychons - zusammen mit zwei weiteren Monumentalkunstwerken in Magnitogorsk ("Vom Hinterland an die Front") und der Gedenkstätte im Treptower Park in Berlin. In Magnitogorsk schmieden Arbeiter das Schwert, mit dem die "Mutter Heimat" in Stalingrad in die Schlacht zieht und das schließlich in der Hand des siegreichen Rotarmisten in Berlin gesenkt wird. Vor dem 75. Jahrestag des Weltkriegsendes wurde das Monument erstmals grundlegend saniert. Zuvor hatte es Befürchtungen gegeben, die "Mutter Heimat" sei in ihrer Standfestigkeit gefährdet.


4. Der eherne Reiter, St. Petersburg, 1782

Медный всадник

Denkmal für Zar Peter den Großen in Petersburg
Für Peter - von Katharina, 1782 - Der eherne Reiter

Auf einem vom Finnischen Meerbusen herbeigeschleppten Felsen thront unweit der Newa in St. Petersburg Zar Peter der Große. Mit dem "Ehernen Reiter" ließ die Herrscherin Katharina II. dem Stadtgründer schon Ende des 18. Jahrhunderts ein bleibendes Denkmal setzen. Der französische Hofbildhauer Étienne-Maurice Falconet schuf Peter als antiken Herrscher mit Lorbeerkranz auf dem Kopf. Die Reiterstatue auf dem Senatsplatz wurde schnell zu einem Petersburger Wahrzeichen. Viele Dichter und Schriftsteller verarbeiteten das Monument in ihren Werken - am bekanntesten ist Alexander Puschkins Vers-Erzähliung "Der eherne Reiter", in der ein Petersburger Beamter den Verstand verliert, als er seine Geliebte bei einem Hochwasser verliert. Er verflucht den Zaren für den gewählten Standort der Hauptstadt, worauf dessen Bronzedenkmal zum Leben erwacht und ihn verfolgt.


5. Issa-Plijew-Denkmal, Wladikawkas, 1997

Памятник Иссе Плиеву

Issa Plijew Monument in Wladikawkas
Issa Plijew - Sowjetgeneral oder Halbgott?

Noch ein Reiter - und eines der in jeder Hinsicht ungewöhnlichsten Denkmäler, die uns in Russland bislang begegnet sind - steht in Wladikawkas, der Hauptstadt von Russlands Nordkaukasus-Teilrepublik Nordossetien. Die gigantische Reiterstatue erinnert an den Osseten Issa Plijew, der als General der Roten Armee bei vielen entscheidenden Operationen das Kommando führte. Nach 1945 verlief die Biografie des Kriegshelden weniger ruhmvoll: Plijew war 1962 verantwortlich für die blutige Niederschlagung des Arbeiteraufstands im südrussischen Nowotscherkassk. Das Denkmal in Wladikawkas von 1997, also lange nach dem Ende der UdSSR, wirkt wie ein Anachronismus, sieht aber vor der Kulisse des Kaukasus eindrucksvoll aus. Viele Betrachter erinnert die Pose des Reiters aber weniger an den Sowjetgeneral und viel mehr eine legendäre Figur der ossetischen Mythologie - den himmlischen Patron der Männer Uastyrdschi mit seinem dreibeinigen Pferd. 


6. Arbeiter und Kolchosbäuerin, Moskau, 1937

Рабочий и колхозница

Vera Muchinas Statue Arbeiter und Kolchosbäuerin
Arbeiter und Kolchosbäuerin - eines der bekanntesten Sowjet-Monumente

Noch ein zweites der bemerkenswertesten sowjetischen Monumentalkunstwerke befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Gelände der ehemaligen sowjetischen Volkswirtschafts-Ausstellung WDNCh in Moskau. "Arbeiter und Kolchbäuerin" von Vera Muchina sind ein Sinnbild für die Staatskunst der Stalinzeit. Sie sollen die vermeintlich forschrittliche Gesellschaft jener Jahre verkörpern, Die beiden Edelstahl-Figuren, die mit Hammer und Sichel in den Händen und scheinbar im Wind flatternden Kleidern enthusiastisch

in Richtung Kommunismus eilen, krönten den sowjetischen Pavillon für die Weltausstellung in Paris von 1937. Entgegen der ursprünglichen Pläne wurde das Monument anschließend zurück in die Sowjetunion gebracht und fand im Nordosten der Hauptstadt einen neuen dauerhaften Standort. Als Symbol der Mosfilm-Studios ist das Denkmal im Vorspann vieler sowjetischer und russischer Filme zu sehen.


7. Okudschawa-Denkmal am Arbat, Moskau, 2002

Памятник Булату Окуджаве

Denkmal für Bulat Okudschawa in Moskau
Okudschawa schlendert durch sein Moskau

Fünf Jahre nach dem Tod des beliebten russischen Liedermachers Bulat Okudschawa schuf der Bildhauer Georgi Franguljan ein Denkmal für den Barden. Die 2,5 Meter hohe Skulptur zeigt den Sänger dabei, wie er durch eine angedeutete Hinterhof-Zufahrt schlendert. Sie steht am Alten Arbat im Zentrum von Moskau, wo Okudschawa eine Zeit lang lebte. Später besang er die Gassen und Höfe der Gegend in seinen Balladen. "Wie ein Strom fließt du hin. Name voller Zauberkraft.", heißt es in einem der Lieder, "Wasserhell der Asphalt wie des Flusses Bahn." Das Denkmal ist unter Kunstkritikern nicht unumstritten, aber uns gefällt es - und es drückt die melancholische Stimmung aus, die so typisch für Okudschawas Werke ist. 


8. Tschapajew-Denkmal, Samara, 1932

Памятник Чапаеву

Tschapajew-Denkmal in Samara
Tschapajew führt die Geknechteten in den Kampf

Zum 15. Jahrestag der Oktoberrevolution schuf Matwei Maniser in Samara an der Wolga eine berühmte Skulpturengruppe zu Ehren des kommunistischen Bürgerkriegs-Kommandeurs Wassili Tschapajew. Sie steht auf einem Platz vor dem Dramentheater der Millionenstadt. Der General mit Säbel auf dem Pferd zieht gemeinsam mit einem roten Kommissar, einem Matrosen, einem alten bärtigen Soldaten, Tataren und Baschkiren in den Kampf. Selbst eine Arbeiterin mit Kopftuch hat ein Gewehr in die Hand genommen und sich den Revolutionären angeschlossen. Es heißt, Tschapajews Sohn habe dem Bildhauer Modell gestanden. Später wurde eine Kopie in Auftrag gaben, die nach Leningrad gebracht wurde. Dort wurde sie zunächst eingelagert und 1943 mitten im Zweiten Weltkrieg während der Blockade enthüllt.


9. Saiga-Antilopen, 48°4'53"N 44°40'50"E, ??

Сайгаки

Zur sowjetischen Tradition gehören auch große Denkmäler an den Verwaltungsgrenzen innerhalb des Landes und Stadteinfahrten. Ein ganz besonderes dieser Grenzmonumente befindet sich fernab aller Ortschaften an der Fernstraße von Wolgograd nach Elista. Mitten in der Steppe markieren dort drei silbernfarbene Saiga-Antilopen die Grenze zwischen dem Wolgograder Verwaltungsgebiet und der autonomen Republik Kalmückien. Leider haben wir bislang überhaupt keine Informationen darüber, wer und wann diesen markanten Grenzstein setzte. Und leider sind nicht nur die scheuen Antilopen längst vom Aussterben bedroht. Auch den Saiga-Skulpturen haben Wind und Wetter arg zugesetzt. Auf jeden Fall markiert das Monument den Beginn einer recht exotischen Welt.


10. Ein ganzer Park voller Denkmäler, Moskau, 1991

Парк Музеон

Denkmäler und Skulpturen im Moskauer Park Museon
Im Moskauer Park Museon

Für Russland-Reisende, die gar nicht genug bekommen können von den Arbeiten sowjetischer und russischer Bildhauer, ist ein Besuch im Moskauer Park Museon ein Pflicht! Hier wurden ab 1991 Denkmäler abgeladen, die die Moskauer Behörden im Zuge der Wende aus dem Stadtbild entfernen wollten: Der umgestürzte Felix Dserschinski vom Lubjanka-Platz vor der KGB-Zentrale fand auf diesem Denkmals-Friedhof ebenso eine letzte Ruhe, wie unzählige Lenins und Breschnews. Im Laufe der Zeit stellten zeitgenössische Bildhauer ihre Werke darum herum. So bekam eine Stalin-Statue mit abgeschlagener Nase beispielsweise Gesellschaft von einem Denkmal für die Millionen namenlosen Opfer seiner Herrschaft. Der "Museon Park" ist kein echter Geheimtipp mehr, aber auf jeden Fall könnt ihr hier mindestens ein Stündchen verbringen.


Denkmäler wie Sand am Meer...


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