"Gott sei Dank, 22 Jahre sitzen wir hier schon, haben Baschkiren und Kirgisen gesehen und werden auch wohl noch Pugatschows Belagerung aushalten."

Alexander Puschkin (1799-1837), russischer Dichter, in "Die Hauptmannstochter"

 

 

Wo der Ural sich mit der Steppe vereint - Saraktasch

Cаракташ

Zu welch ungewöhnlichen Leistungen die Menschen in Russland fähig sind, lässt sich in der Siedlung Saraktasch im südlichen Ural bestaunen. Kurz vor dem Ende der Sowjetzeit entstand dort auf Initiative des örtlichen orthodoxen Priesters ein recht beeindruckender Kirchenkomplex, der mittlerweile den Vergleich mit bekannten Klöstern nicht scheuen muss und innerhalb weniger Jahre zu einem regelrechten Pilgerziel wurde.

Ganz in der Nähe gibt es eine weitere Attraktion aus der jüngsten Vergangenheit - eine kleine Geisterstadt, die vor einigen Jahren bei den Dreharbeiten zu einem Historienfilm an den Rand der Steppe gestellt worden war und jetzt sich selbst überlassen ist. Aber auch die Umgebung von Saraktasch ist reizvoll. Wer gerne durch eine menschenleere Hügellandschaft mit schönen Fernblicken wandert, ist hier richtig. 

Saraktasch Sakmara Orenburg Krasnaja Gorka
Verfallende Filmkulissen auf dem Roten Berg bei Saraktasch

Die Siedlung Saraktasch ist relativ jung, sie entstand erst Anfang des 20. Jahrhunderts beim Bau der Eisenbahnstrecke Orsk-Orenburg. Ihren Namen erhielt sie von einem weiter nördlich, jenseits des Ural-Nebenflusses gelegenen tatarischen Dorf. Heute leben in dem Ort etwas über 17.000 Menschen, aber Saraktasch (Saraktash) wirkt weiter wie ein Dorf.


Taxi Saraktasch Orenburg Саракташ Оренбург
Taxis übernehmen den Transport in der Region

Die touristische Infrastruktur vor Ort ist bislang äußert rudimentär. Es gibt nur ein kleines Hotel, und Restaurants oder Cafés sind uns bei unserem Besuch im Sommer 2017 auch nicht aufgefallen - mit einer spektakulären Ausnahme (s. unten). Allerdings sind Tagesausflüge aus der Provinzhauptstadt Orenburg problemlos möglich. Am Bahnhof von Saraktasch stoppen auch alle Fernzüge auf der Strecke von Orenburg über Orsk nach Tscheljabinsk, aber oft passieren sie den Ort zu ungünstigen Zeiten. Wenige Vorortzüge auf der Route sind extrem langsam. Die beste Art, von Orenburg nach Saraktasch zu gelangen sind die Sammeltaxis, die vor dem Orenburger Hauptbahnhof starten. Anders als in Russland üblich, sind auf dieser Route keine Minibusse sondern gewöhnliche Pkws mit zwei Extrasitzen im Kofferraumbereich im Einsatz. Die Fahrpreise sind spottbillig.


Dreifaltigkeitskloster der Barmherzigkeit

Свято-Троицкая обитель милосердия

Saraktasch Saraktash Саракташ
Die neue Dreifaltigkeitskirche von Saraktasch

Als die kommunistische Parteiführung unter Michail Gorbatschow

Ende der 1980-er Jahre die Repressionen gegen die orthodoxe Kirche einstellte, machte sich Nikolai Stremski, der Priester von Saraktash, daran, die neuen Freiheiten voll auszukosten: Neben dem Wiederaufbau der Kirchengemeinde kümmerte er sich ab 1991 um den Aufbau eines orthodoxen Gymnasiums und eines Wohnheims für einsame alte Menschen. Unter den Bewohnern sind viele Kranke und Pflegebedürftige, aber auch Rentner, die in den Wirren der Umbruchzeit ihre Wohnungen an Betrüger verloren hatten. Landesweite Berühmtheit erlangte Stremski, als er mit seiner Frau die größte Familie Russlands gründete: Für rund 70 Heimkinder wurde das Paar zu Pflegeeltern, 25 davon adoptierten die beiden. Die orthodoxe Gemeinschaft ist mittlerweile zu einer stattlichen Klosteranlage angewachsen, es gibt eine Gruppe von Nonnen, stattliche Kirchen mit vergoldeten Kuppeln, und ein kirchengeschichtliches Museum. Besonders goldig ist ein Spielplatz neben dem eigentlich Klosterkomplex: In dessen Mitte steht ein zum Eiscafé "Skaska" ("Märchen") umgebautes Flugzeug vom Typ Tupolew-134 - auch so eine Marotte des umtriebigen Priesters.


Der Rote Berg - Krasnaja Gora

Красная Гора

Krasnaja Gora Saraktasch Filmkulissen
Sogar der Galgen steht noch am Roten Berg

Nördlich von Saraktasch wird die Landschaft hügeliger. Direkt an der Straßenbrücke über die Sakmara befindet sich mit dem Roten Berg (Krasnaja Gara) ein weiterer bei Touristen beliebter Ort. Hier stehen seit dem Jahr 2000 am Rand der Steppe die Filmkulissen für Alexander Proschkins Historiendrama "Der russische Aufstand". Der Film ist eine Adaption des Romans "Die Hauptmannstochter" von Russlands Nationaldichter Alexander Puschkin. Darin wird erzählt, wie ein junger Offizier in einem entlegenen Fort in der Orenburger Steppe den Russischen Bauernkrieg (1773-1775) miterlebt. Das Gelände mit den Filmbauten ist heute frei zugänglich und bietet viele hübsche Fotomotive. Leider verdirbt ein Fernmelde-Funkmast manche Blickachsen. Unterhalb der langsam dahinrottenden Filmfestung entstand ein kleines Ferienheim. Die träge dahinfließende Sakmara eignet sich im Sommer gut zum Baden.  


Andrejewka

Андреевка

Andrejewka Orenburg Kloster Андреевка Оренбургская область
Kirche des Männerklosters in Andrejewka

Rund 30 Kilometer nördlich von Saraktasch, an den Ausläufern der Uralberge, liegt die abgelegene winzige Ortschaft Andrejewka. Die wenigen Menschen im Dorf leben wohl hauptsächlich von einer Wachtel-Farm, die die gesamte Region mit Eiern beliefert. Zu einem einzigartigen Ort wird Andrejewka durch seine wunderschöne Dorfkirche aus dem Jahr 1901 vor der Kulisse baumloser Berge. Die Kirche, einst mit Geldern eines reichen Kaufmanns erbaut, markiert gewissermaßen die Grenze der russisch-orthodoxen Welt: Hinter den Bergen beginnt die mehrheitlich muslimische autonome Republik Baschkirien. Heute wird die Kirche von einer Handvoll Mönche genutzt, die hier im einzigen Männerkloster der Orenburger Region leben. Abseits des Dorfes gibt es mit der Hügelkette Andrejewskije Schischki eine Reihe von Gipfeln, die erwandert werden können. Andrejewka ist nur über eine nicht asphaltierte Piste zu erreichen, lohnt aber auf jeden Fall einen Besuch.

 


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