Despot im Urlaub - Stalin-Datscha "Grünes Wäldchen"

Санаторий "Зеленая Роща"

Das Sanatorium "Grünes Wäldchen" in Sotschis Stadtteil Nowaja Matsesta ist nur auf den ersten Blick eine Ferienanlage wie unzählige andere entlang der Schwarzmeerküste. Am höchsten Punkt des riesigen Geländes befindet sich ein Bau im typischen strengen Stil der 1930-er Jahre, in dem die gruselige Atmosphäre jener Ära noch immer gut zu spüren ist: Rund 50 Meter über dem Meer befand sich einst die Datscha des sowjetischen Diktators Josef Stalin. Das Areal diente auch nach dem Tod des "Vaters der Völker" als Erholungsheim für hochrangige Funktionäre der KPdSU. Vor den gewöhnlichen Sowjetbürgern wurde die Geschichte des Geländes lange geheimgehalten. Inzwischen können Teile der Stalin-Datsche besichtigt werden, aber nur im Rahmen einer Führung.

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Stalin-Datscha "Grünes Wäldchen" in Mazesta

Das Gelände des "Grünen Wäldchens" gehörte bis zur Oktoberrevolution einem reichen Unternehmer, der auch den Ausbau von Matsesta zu einem Heilbad vorangetrieben hatte. Bereits in den ersten Jahren der Sowjetherrschaft wurde das Gelände zum Erholungsheim für hohe kommunistische Funktionäre umgewandelt. Stalin, der an einer praktisch gelähmten Hand und diversen anderen Krankheiten litt, suchte ebenfalls Linderung seiner Beschwerden in den Heilquellen am Rand des Kaukasus. Tatsächlich hatte der spätere Alleinherrscher einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Entwicklung von Sotschi zur wichtigsten Urlaubsregion des Sowjetreichs. 

Stalin Datscha Sotschi Дача Сталина Сочи
Besprechungsraum in der Stalin-Datscha

1934 begann Miron Merschanow, ein auf Residenzen für die neue Staatsführung "spezialisierter" Architekt, mit dem Bau für eine Stalin-Datsche in der Nähe der Schwefelbäder. Der Standort unweit des Bergs Achun vereinte nach Überzeugung von Mediziners alle Vorteile von Meeres- und Bergklima. Der Diktator fand an dem Haus im "Grünen Wäldchen" besonderen Gefallen. Im Gegensatz zu manch anderen seiner insgesamt rund 20 Datschen kam er regelmäßig nach Sotschi - gewöhnlich im Spätsommer und Herbst, teilweise für mehrere Monate.

Die zweigeschossige, dunkelgrün gestrichene Stalin-Datscha im "Grünen Wäldchen" wurde perfekt auf die Bedürfnisse des Despoten angepasst: Die Treppenstufen etwa wurden extra flach gebaut, damit der hinkende Stalin bequem ins Obergeschoss gelangte. Weil der Diktator niemals im Meer baden ging und sich wohl (im Gegensatz zu manch späterem Kreml-Herrscher) auch genierte, sich vor anderen Menschen auszuziehen, bekam er ein Innen-Schwimmbad. Ein von Merschanow geplanter Springbrunnen im Innenhof musste eilig wieder abgerissen werden, weil Stalin keine Springbrunnen leiden konnte. Das Anwesen wurde im Laufe der Jahre ausgebaut, um mehr Platz für Besucher und Leibwächter zu schaffen.

Einige der dramatischsten Episoden der sowjetischen Geschichte hängen mit diesem Ort zusammen. So fasste Stalin während eines Aufenthalts am Schwarzen Meer die Entscheidung zum "Großen Terror" - den Massensäuberungen, die 1937 ihren Höhepunkt erreichten und denen Hunderttausende zum Opfer fielen. Während des Zweiten Weltkrieges ließ er hier zeitweise seine Tochter Swetlana unterbringen. Nach dem Tod des Tyrannen 1953 wurde die Anlage ohne Unterbrechung weiter als Feriendomizil für die Familien der Parteispitze genutzt. Und tatsächlich ist das "Grüne Wäldchen" bis heute ein - mittlerweile privatisiertes - Sanatorium. In direkter Nachbarschaft zu den Gemächern des Massenmörders könnte man noch heute ein Zimmer mieten. Der ganze Gebäudekomplex wirkt sehr authentisch, weil es niemals größere Umbau- oder Modernisierungsmaßnahmen gab.

 

Vor Ort sind unter anderem Stalins Besprechungsraum und sein einstiges Schwimmbecken zu besichtigen. Im privaten Kino-Vorführraum ist Stalins Büro mit Schreibtisch nachgebaut, das sich dort aber nicht befunden hat. Bemerkenswert ist dort unter anderem ein kugelsicheres Ledersofa der versilberte Schreibtisch-Schmuck mit Anker-Figur, den Stalin einst als Geschenk von Mao Tse Tung erhalten hatte. Auch das Billard-Zimmer des Diktators können Besucher sehen. Im Obergeschoss des angrenzenden Gebäudeflügels ist Stalins früherer, mit Holz verkleideter Besprechungsraum Teil der Führungen.


Aus dem zentralen Stadtbezirk von Sotschi erreicht man die Haltestelle "Sanatorium Grünes Wäldchen" mit allen Bussen in Richtung Chosta und Adler. Von den bulligen Wächtern am Eingangstor sollte man sich nicht abschrecken lassen. Wer angibt, dass er die Stalin-Datscha besichtigen will, wird auf das hinter einer hohen Mauer verborgene Gelände gelassen, nachdem allerdings zuvor Name und Ausweisnummer in eine dicke Kladde notiert wurden. Die Besitzer scheinen sich noch unsicher zu sein, ob sie neugierige Touristen dort überhaupt sehen wollen. Ausdrücklich wird betont, dass es sich bei der Datsche nicht um ein echtes Museum handelt. Voranmeldungen sind normalerweise nicht nötig, aber hilfreich, falls jemand auf eine englischsprachige Führung angewiesen ist.


Fotos von der Stalin-Datscha "Grünes Wäldchen"


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