"Hauptsache, sie sind in Moskau: Das Volk rennt vor und zurück, ohne zu wissen wieso."

Alexander Ostrowski (1823-1886), russischer Dramatiker, in "Gewitter"

 

 

Alt und hip - Moskaus Basmanny-Bezirk

Басманный район

Ganz im Zentrum der russischen Hauptstadt Moskau, aber ein wenig abseits der Haupt-Sehenswürdigkeiten, liegt ein Viertel, das es in sich hat: Der Basmanny-Stadtbezirk ist wie gemacht für einen ausgiebigen Stadtbummel - mit vielen einladenden Lokalen und architektonischen Perlen aus verschiedenen Jahrhunderten. Neoklassizistische Stadtvillen reihen sich neben Jugendstil-Wohnhäuser und konstruktivistische Behördenbauten. Bedeutende Kultureinrichtungen haben hier ihre Adresse, so Kirill Serebrjannikows "Gogol-Center" und das während des "Tauwetters" nach Stalins Tod gegründete "Sovremennik"-Theater. Außerdem befand sich hier einst die "Deutsche Vorstadt"An die früher große deutsche Minderheit erinnert noch heute die evangelische Peter-Paul-Kathedrale.

Uliza Pokrowka in Moskau
Sommerabend an der Pokrowka-Straße

Die Basmanny-Vorstadt, die ihrem Namen wohl einer speziellen Brotsorte ("Basman") aus den Backstuben des Zarenhofs verdankt, gab es bereits im 14. Jahrhundert. 200 Jahre später siedelten sich etwas weiter östlich in der "Deutschen Vorstadt" Westeuropäer an, vor allem, aber nicht nur Deutsche. Dieses Viertel wurde auch zu einer beliebten Wohngegend für Adelige. Hier wurden die russischen Dichter Alexander Puschkin und Michail Lermontow geboren. Als Folge der sowjetischen Stadtplanung ist der langgezogene Bezirk heute von einigen Schnellstraßen durchzogen, allen voran vom Gartenring, über den Tag und Nacht der Verkehr donnert. Abseits der zentralen Trassen erinnern bis heute viele sympathische Gassen an das alte Moskau. Und selbst einige Hauptstraßen wie die Uliza Marosejka, die Uliza Mjasnizkaja und die Uliza Pokrowka haben sich ihren alten Charme bewahrt oder in den vergangenen Jahren zurückgewonnen.


Rundgang zwischen Mjasnizkaja und Pokrowka:

Ein gut vier Kilometer langer Spaziergang durch das Viertel führt zu einigen unserer Lieblingsorte in diesem Teil von Moskau. Als Start- und Endpunkte bieten sich Stationen der Moskauer Metro an. Die eigentliche historische "Deutsche Vorstadt" liegt allerdings weiter östlich jenseits der Eisenbahnlinie und des Gartenrings.

Wer unserem Vorschlag folgen möchte, kann an der Umsteigestation Tschistyje Prudy/Turgenjewskaja beginnen. Obwohl auch der baumbestandene Moskauer Boulevardring einladend wirkt, gehen wir Richtung Zentrum die Mjasnizkaja-Straße hinunter. Hier haben die Stadtväter vor einigen Jahren dafür gesorgt, dass Bürgersteige verbreitert und die Fahrbahn verengt wurden.Schon nach wenigen Metern stoßen wir auf eines der interessantesten Gebäude hier - das Teegeschäft von 1893 im pseudochinesischen Stil (Mjasnizkaja Uliza 19), in dessen Erdgeschoss sich bis heute Tee und Kaffee verkauft werden. Bald biegen wir von der Hauptstraße ab (links, rechts, links) und landen schließlich im einstigen Moskauer Armenierviertel. Hier befinden sich zwei der schönsten Botschaftsgebäude Moskaus - die palastartige Botschaft Armeniens in der einstigen armenischen Oberschule (Armjanski pereulok 2) und am Ende der Straße der blau-weiße Prachtbau der Botschaft Weißrusslands (Uliza Marosejka 17/6). 

Bolschoi Glinishshevski pereulok in Moskau
Blick von der Marosejka-Straße auf das Stalin-Hochhaus am Taganka-Platz

Ein wenig folgen wir der wunderbar herausgeputzten Straße Richtung Kreml, biegen dann aber in eine kleine Gasse mit dem Zungenbrecher-Nahmen "Bolschoi Spasыoglinischtschewski pereulok" ab: Hier können wir bei Hausnummer 12 die 1906 eingeweihte Moskauer Choral-Synagoge, eine der größten der ehemaligen Sowjetunion, die auch in den Jahren der schlimmsten anti-religiösen Kampagnen nicht geschlossen wurde und heute besichtigt werden kann. Am Ende der Gasse biegen wir in die Sabelin-Straße, an deren Ende sich das orthodoxe Täufer-Kloster (Maly Iwanoski pereulok 2) befindet, dass zu Sowjetzeiten unter anderem zum Gefängnis umfunktioniert worden war.

Wir biegen hier nach links in eine kleine Gasse ein und stehen bald vor dem Gelände der lutherischen Peter-Paul-Kathedrale (Starossadski pereulok 7/10), die heute wieder als Bischofskirche der russlanddeutschen Protestanten dient. Hier finden nicht nur Gottesdienste, sondern in den vergangenen Jahren auch vermehrt Orgelkonzerte statt. Zu Sowjetzeiten war hier eine Fabrik für Diafilme untergebracht worden, den hohen Turm ließen die Machthaber absägen.

Kurz nach der Kirche kommen wir auf der Höhe der weißrussischen Botschaft wieder zur Marosejka-Straße, biegen jetzt aber nach rechts, wo die Straße ihren Namen in Uliza Pokrowka. Die komplette Pokrowka-Straße ist gesäumt von schön wiederhergerichteten denkmalgeschützten

Altbauten - darunter die orthodoxe Dreifaltigkeitskirche von 1861 (Uliza Pokrowka 13) und der faszinierende Barock-Palast des Grafen Apraksin (Uliza Pokrowka 22), ein beliebter Treffpunkt des Moskauer Hochadels im 18. und 19. Jahrhundert. Weniger lustig ging es in der Uliza Pokrowka 42 zu: Hier befand sich lange die zentrale Moskauer Ausländerbehörde. Wer sein Visum überzog oder seinen Pass verlor, landete hier in unendlichen Warteschlangen, die jeden Bittsteller um den Verstand bringen konnten.

 

Bald darauf erreichen wir den Gartenring, die Schnellstraße trägt auf diesem Abschnitt den Namen Semljanoi Wal. Wir biegen nach rechts und kommen unterwegs an einem repräsentativen Wohnblock vorbei (Semljanoi Wal 14/16), in dem ein Teil der sowjetischen Kultur-Elite lebte. Gedenktafeln erinnern unter anderem an Bewohner wie den Meistergeiger David Oistrach und den Komponisten Sergej Prokofjew.

Der Bummel durch das Basmanny-Viertel endet an dem spektakulär bemalten Einkaufszentrum "Atrium" (Semljanoi Wal 33). Hier treffen an der Metro-Station "Kurskaja" mehrere Linien aufeinander.

Foto-Galerie "Basmanny"


Der Rhein-Wolga-Kanal empfiehlt: "Khinkali Point"

Chinkali-Point in der Moskauer Zabelina-Straße
Möglicherweise die besten Chinkali Moskaus - Der Chinkali-Point

Als idealen Zwischenstopp für hungrige Reisende möchten wir allen, die sich die Gassen und Hinterhöfe östlich des Kremls anschauen, das kleine Lokal "Chinkali Point (Хинкали Point)" in der Uliza Sabelina 1 in der Nähe der Metro-Station Kitai-Gorod empfehlen. Hier gibt es excellente kaukasische Küche zu sehr fairen Preisen - und natürlich Chinkali, die kaukasische Variante der russischen Pelmeni-Teigtaschen, in allen möglichen Variationen. Neben den deftigen Speisen ist auch die hausgemachte Limonade zu empfehlen.

In den warmen Sommermonaten sitzt man am besten auf einem der Tische auf der Straße. Oft sind leider alle belegt, so dass man ein wenig warten muss. Die Öffnungszeiten sind von 9 Uhr morgens bis 23 Uhr abends.


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