"Ich weiß, dass keiner von den blassen und beamteten Einwohnern Petersburgs diese Straße gegen alle Kostbarkeiten der Welt eintauschen würde."

Nikolai Gogol (1809-1852)

Boulevard für eine Weltstadt - Der Newski-Prospekt

Невский проспект

Keine Straße in ganz Russland lässt sich mit dieser vergleichen: Auf beiden Seiten des viereinhalb Kilometer langen Newski-Prospekts in Sankt Petersburg reiht sich ein architektonisches Kleinod an das nächste. Stadtpaläste der russischen Aristokratie, noble Hotels, Einkaufspassagen und Kirchen säumen die Prachtstraße, die das Gebäude der Admiralität mit dem Alexander-Newski-Kloster verbindet. Von einem Knick nahe am Petersburger Hauptbahnhof abgesehen verläuft der Newski-Prospekt schnurgerade. Wer die Straße entlang schlendert, findet an nahezu jeder Häuserfront Spuren ihrer großen Vergangenheit.

Newski Prospekt St. Petersburg
St. Petersburgs Prachtstraße - Der Newski-Prospekt

Und wer St. Petersburg mit dem Zug besucht, muss sogar nur aus dem Empfangsgebäude des Hauptbahnhofs hinaustreten und steht schon am Newski- Prospekt. Von hier aus verläuft die Straße noch knapp zwei Kilometer nach Osten bis zum größten orthodoxen Kloster von St. Petersburg. Im Alexander-Newski-Kloster befindet sich das Grab mit den Reliquien des russischen Nationalhelden, der im 13. Jahrhundert den Vormarsch der Kreuzritter vom Deutschen Orden nach Osten stoppte. Direkt auf dem Bahnhofsvorplatz ragt ein markanter Obelisk in den Himmel, der der "Heldenstadt Leningrad" gewidmet ist. Dabei handelt es sich um das einzige markante Objekt aus der Nachkriegszeit an der gesamten Straße. Zwar wurden auch einige historische Altbauten in den vergangenen Jahren auf teils rabiate Weise "saniert", aber man sieht ihnen das als Ortsfremder in der Regel von außen nicht an.


Wem Zeit oder Ausdauer fehlt, den kompletten Newski-Prospekt abzumarschieren, konzentriert sich am besten auf den Abschnitt westlich des Bahnhofs (selbstverständlich kann man auch den Bus oder die Metro nehmen). Die interessantesten Punkte sind auf der Karte markiert:


Zu den herausragenden Bauwerken aus dem 18., 19. und frühen 20. Jahrhundert zählen neben vielen Kaufmannshäusern und den einstigen des Hochadels das älteste Petersburger Kino "Chudoschestwenny" (Nr. 67) und der rot-weiße Stadtpalast des Fürsten Beloselski-Beloserski (Nr. 41). Direkt hinter dem im Neobarock-Stil errichteten Bau überquert der Newski-Prospekt den Fontanka-Fluss. Die Anitschkow-Brücke ist wegen ihrer bronzenen Pferdebändiger-Figuren ein beliebtes Fotomotiv.

Westlich der Brücke ist das in einem wunderschönen Jugendstilgebäude ansässige legendäre Jelissejewski-Feinkostgeschäft (Nr. 56) einen Abstecher wert. Kaum 100 weiter auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht die Mitte des 18. Jahrhunderts errichtete Ladenpassage "Gostiny Dwor" (Nr. 35). An Petersburgs Prachstraße haben auch verschiedene Konfessionen ihre Gotteshäuser errichtet. In unmittelbarer Nachbarschaft zur pompösen orthodoxen Kasaner Kathedrale mit ihren weitläufigen Kolonnaden befinden sich eine armenische und eine katholische Kirche sowie noch etwas weiter westlich die evangelische Petrikirche, das geistliche Zentrum der Lutheraner Russlands. Dass der Bau zu Sowjetzeiten als Schwimmbad zweckentfremdet wurde, sieht man ihm von außen nicht an, allerdings konnte das Schwimmbecken nie zurückgebaut werden und wurde lediglich mit einem neuen Fußboden überdeckt. Gegenüber der Kasaner Kathedrale steht mit dem "Singer-Haus" (Nr. 28/21) ein weiteres Jugendstil-Juwel. In der einstigen Vertretung des seinerzeit weltweit führenden, amerikanischen Nähmaschinenherstellers befindet sich heute die bekannteste Petersburger Buchhandlung. Kurz vor dem Ende des Newski-Prospekts am Haus Nr. 14, irritiert eine befremdliche Wandinschrift: "Bürger, bei Artilleriebeschuss ist diese Seite der Straße die gefährlichere". Es handelt sich um ein Relikt aus der unseligen Zeit der Leningrader Blockade. Auf der "ungeraden" Straßenseite ist unbedingt auch noch der barocke Stroganow-Palast (Nr. 17) erwähnenswert, dessen Seitenfassade auf den Moika-Fluss blickt. Der Besitz der Adelsfamilie, denen die Welt das Bœuf Stroganoff verdankt, ist ohne größere Umbauten im Originalzustand so erhalten, wie er von seinem Baumeister Rastrelli Mitte des 18. Jahrhunderts erdacht worden war.

Übrigens: Entlang des Newski-Prospekts gibt es jede Menge Restaurants und Cafés. Und das Beste: Im Gegensatz zu vergleichbaren Orten in anderen Metropolen kommen die viele ohne Touristen-Abzocke aus. Man muss also nicht zwingend in tief in die Nebenstraßen abbiegen, wenn man hungrig und gleichzeitig knapp bei Kasse ist...

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