"In Russland gibt es eine große Stadt, an die ich mein Herz verloren habe. In die Geschichte ging sie ein unter dem Namen Stalingrad."

 

Wassili Tschuikow (1900-1982), Marschall der Sowjetunion, Befehlshaber der Verteidiger von Stalingrad

 

 

Auferstanden aus Ruinen - Wolgograd

Волгоград

Nur an wenigen Orten in Europa ist das Grauen des Zweiten Weltkriegs so sehr zu spüren, wie in Wolgograd, dem früheren Stalingrad.  Die Schlacht um das Industriezentrum an der südlichen Wolga wurde über ein halbes Jahr mit unvorstellbarer Härte geführt. Verbissen kämpften Deutsche und Russen vom Spätsommer 1942 bis Anfang Februar 1943 monatelang um jede Ruine, bis buchstäblich nichts mehr von dem einstigen Provinzzentrum übrig und bis zu einer Million Menschen getötet worden waren. Nach 1945 wurde das Trümmerfeld als sozialistische Vorzeigestadt wiederaufgebaut. Die schmerzhafte Geschichte begegnet Besuchern hier bis heute auf jedem Schritt. Weltbekannt ist die Stadt heute vor allem wegen der gigantischen Skulptur "Mutter Heimat ruft".

Wolgograd Russland Springbrunnen
Im Stadtzentrum von Wolgograd

Wolgograd zieht sich über mehr als 60 Kilometer am rechten Ufer der Wolga entlang. Die Stadt von Norden nach Süden zu durchqueren, dauert insbesondere im Berufsverkehr mehrere Stunden. Begonnen hat die Geschichte der Stadt im Jahr 1589, als im damaligen Grenzgebiet des Russischen Reichs eine Festung namens Zarizyn entstand. Von hier aus verteidigten russische Truppen die Handelswege zwischen Wolga und Don gegen die Nomadenvölker im Osten. (Der Name Zarizyn steht übrigens in keinem Zusammenhang mit dem Zaren, sondern geht auf das tatarisch-türkische Wort für "schöne/gelbe Insel" zurück. 

Wolgograd Stadtzentrum
Typische Prachtarchitektur aus der Zeit des Wiederaufbaus von Wolgograd/Stalingrad

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts hatte die Einwohnerzahl von Zarizyn bereits die Marke von über 100.000 Einwohnern überschritten. Es gab schon vor dem 1. Weltkrieg eine Straßenbahn, etliche Ietriebe siedelten sich in dem wachsenden Industriezentrum an. 1925 wurde die Stadt dann zu Ehren von Josef Stalin in Stalingrad umbenannt, dieser Name wurde 1961 im Zuge der Entstalinisierung erneut geändert - in Wolgograd. 


Aufgrund der immensen Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg gibt es in Wolgograd kaum noch Bauten aus der Vorkriegszeit. Eine interessante Ausnahme bildet die einst von deutschen Auswanderern gegründete Siedlung Sarepta ganz im Süden des heutigen Stadtgebietes.

Die meisten Orte, die für Touristen von Interesse sind, haben mit den Kriegsereignissen zu tun.


Gedenkstätte Mamai-Hügel

Мамаев Курган

Mamai Mamajew Hügel Wolgograd
Gedenkstätte für die Verteidiger von Stalingrad

Panorama-Museum "Schlacht von Stalingrad"

Музей-панорама "Сталинградская битва"

Museum "Schlacht von Stalingrad" Wolgograd
Museumskomplex "Schlacht von Stalingrad"

Direkt im Stadtzentrum befindet sich direkt an der Wolga-Uferpromenade ein Museum, das der Schlacht von Stalingrad gewidmet ist. Der Gebäudekomplex besteht aus der Ruine eines der besonders heftig umkämpften Gebäude im Stadtzentrum - der sogenannten "Gerhardt-Mühle" sowie dem eigentlichen Museum und einem an einen Kühlturm erinnernden runden Anbau, in dessen Inneren sich ein Monumentalgemälde befindet, dass die Ereignisse im Winter 1943 zeigt. Während der heftigen Straßenkämpfe war die Mühle zeitweise das letzte mehrstöckige Gebäude, dass in dem Stadtviertel noch von sowjetischen Truppen gehalten wurde. In der Nähe befindet sich auch das sogenannte Pawlow-Haus, dass ebenfalls wochenlang von wenigen sowjetischen Soldaten verteidigt wurde.

 

Im Museum sind außer Plakaten und Flugblättern, Waffen, Flaggen und Uniformen jener Zeit auch einige sehr anrührende Briefe deutscher Soldaten ausgestellt. Vor dem Eingang parken Artillerie-Geschütze und ein T-34-Panzer. Das Panorama-Museum hat in den vergangenen Jahren einige Neuerungen erhalten, unter anderem eine Multimedia-Installation, die anhand eines dramatisch beleuchteten Stadtmodells zeigt, wie sich der Frontverlauf im Zuge der Kämpfer änderte. Das eigentliche Panorama-Gemälde ist durch eine große Treppe in der Mitte des Turms zu erreichen. Oben angekommen blickt der Betrachter auf das riesige 360-Grad-Gemälde, gerade so, als würde er selbst sich auf dem Mamai-Hügel befinden.

Eine Eintrittskarte für das Panorama-Museum kostet 250 Rubel (knapp vier Euro). Montag ist Ruhetag. Aus eigener Erfahrung während unseres letzten Besuchs können wir das Café im Untergeschoss empfehlen. Der Gastraum hat zwar keine Fenster, das war uns bei 38 Grad im Schatten aber auch egal.


Stadtzentrum

"Platz der gefallenen Kämpfer" Wolgograd Russland
Am "Platz der gefallenen Kämpfer"

Nach 1945 wurde das zerstörte Stalingrad im Geist der damaligen Zeit wieder aufgebaut. Breite Prachtstraßen mit langgezogenen verzierten Fassaden prägen die Innenstadt. Ebenfalls aus jener Zeit stammt der prächtige Hauptbahnhof mit seinem Zuckerbäcker-Türmchen. In diesem Viertel gibt es eine Reihe von Cafés, Kaufhäusern und Läden. Insgesamt hinterlässt Wolgograd aber auch heute noch einen "sowjetischeren" Eindruck als andere Provinzzentren vergleichbarer Größe.

Eine bemerkenswerte Besonderheit der Stadt ist die Untergrundstraßenbahn, die unterhalb des zentralen Lenin-Prospekts verläuft und auch das Zentrum mit dem Mamai-Hügel verbindet. Einige Stationen wurden ähnlich weitläufig wie die der Moskauer Metro gebaut, aber mit ganz normalen, polternden Straßenbahnwagen befahren. (kp)