"Ich habe gar keinen richtigen Pass. Ich weiß nicht, wie alt ich bin, und ich glaube, ich bin noch ganz jung."

Die Gouvernante Charlotta Iwanowna in Anton Tschechows "Kirschgarten"

 

 

Visum und Einreisebestimmungen

Vor einer Reise nach Russland

Visum Touristenvisum Visa Russia

Einfach im Internet einen Flug buchen und losfliegen, das geht im Fall einer Reise nach Russland leider nicht. Und für alle, die auf dem Landweg unterwegs sind, wird es sogar noch etwas komplizierter. Die Bürger der meisten Länder der Welt benötigen nach wie vor ein Visum für einen Russland-Besuch - es sei denn, man besitzt einen Reisepass aus einem der GUS-Mitgliedsstaaten. Auch die meisten Lateinamerikaner sowie Israelis, Serben, Südkoreaner, Südafrikaner und Bürger einiger anderer Staaten dürfen visafrei nach Russland. 

 

Alle anderen müssen sich in der Regel vor der Abfahrt einen solchen schicken Sticker in den Reisepass kleben lassen. 

 

Russland-Visum beantragen

Um ein Visum zu erhalten, ist eine Einladung aus Russland erforderlich. Wer mit einer organisierten Gruppe unterwegs ist, muss sich darüber keine Gedanken machen. Einzelreisende wenden sich am besten an ein spezialisiertes Reisebüro oder einen Visadienst, die diese Einladung für eine geringe Gebühr besorgt und auch den Pass einreicht und wieder abholt. Ein guter Visadienst stellt seinen Kunden dabei auch eine Anleitung für den Visumantrag zur Verfügung.

Ein Touristenvisum für eine oder zwei Einreisen mit 30 Tagen Gültigkeit ist auf diese Weise meist völlig problemlos erhältlich. Kostenpunkt für Visum, Agentur und Einladung: ca. 90 - 100 Euro. 

Als Antragsteller selbst zu einem russischen Konsulat oder einem russischen Visa-Center zu gehen, lohnt sich nicht, es sei denn, man wohnt in direkter Nachbarschaft und legt außerdem Wert darauf, einen kleinen Kulturschock schon vor der Abreise zu erleben. 



Visafrei nach Russland

Tatsächlich gibt es aber noch einige Ausnahmen, die auch für EU-Bürger eine visumfreie Einreise nach Russland ermöglichen. So können Passagiere von Ostsee-Kreuzfahrten ohne Visum Landgänge in Sankt Petersburg unternehmen. Bedingung dabei ist, dass die Ausländer an organisierten Ausflügen teilnehmen und über Nacht wieder auf das Schiff zurückkehren.

Interessanter sind die Möglichkeiten, die sich im Zusammenhang mit Sport-Großveranstaltungen wie der Fußball-WM bieten. Fußball-Fans, die eine Karte für ein oder mehrere Spiele gekauft haben, erhalten eine sogenannte "Fan-ID", die zur visafreien Einreise berechtigt. Im Fall der Fußball-WM 2018 erlaubt der Fan-Ausweis mehrere Ein- und Ausreisen ab zehn Tage vor dem ersten bis zehn Tage nach dem letzten gebuchten Spiel. Ein ähnliches Prozedere gab es zuvor auch bei der Winterolympiade in Sotschi.

 

Ob nach dem Ärger um die "Doping-Affäre" in näherer Zukunft weitere sportliche Großevents nach Russland vergeben werden, ist derzeit fraglich. Falls ja, stehen aber die Chancen nicht schlecht, dass es auch in Zukunft weitere Ausnahmen von der Visumpflicht gibt. 


An der Grenze

Einreisestempel Russland Buratschki Dolbino

An allen russischen Grenzübergängen findet eine gründliche Kontrolle statt. Die russischen Grenzschützer und Zöllner verhalten sich Ausländern gegenüber nach meiner Erfahrung stets korrekt, wenn auch nicht immer übermäßig freundlich. 

 

Am unkompliziertesten läuft das in der Regel an den großen Flughäfen ab. Dort kommt es nur selten vor, dass der Zoll einen Blick in das mitgebrachte Gepäck werfen will. Wer Glück hat, kann in Moskau in wenigen Minuten durch die Kontrolle kommen, wenn kurz zuvor Großraumjets aus China oder Mittelasien gelandet sind, sieht das aber anders aus.  

 

Bei Zugreisen in die Nachbarstaaten kommt es an den Grenzbahnhöfen in der Regel zu mindestens einstündigen Aufenthalten auf jeder Seite der Grenze, die ebenfalls zu eingehenden Kontrollen genutzt werden. Ausnahme sind die modernen Allegro-Schnellzüge zwischen Sankt Petersburg und Helsinki, in denen alle Kontrollen während der Fahrt stattfinden.

Grenze Estland Russland Narva Iwangorod

An den Straßengrenzen kann es zu längeren Wartezeiten kommen. Reisebusse und Pkws müssen oft den Kofferaum leer räumen und das Gepäck dann in einem Zollterminal durchleuchten lassen.

 

An Grenzen mit wenigen Reisenden aus dem Westen, etwa im Kaukasus, kommt es häufiger auch zu Befragungen nach Ziel und Reiseroute.  Selbst erlebt haben wir das am Grenzübergang Werchni Lars (Russland/Georgien).

Für Fußgänger sind die meisten russischen Grenzübergänge gesperrt. Einer der wenigen Orte, an denen die Einreise nach Russland zu Fuß erlaubt wird, ist die  Brücke zwischen Narva (Estland) und Iwangorod (Foto oben). 

Besondere Grenzen

Gegenwärtig sind bei der Anreise nach Russland auf dem Landweg Besonderheiten an den Grenzen zu einigen der Nachbarländer zu beachten:

  • Weißrussland / Belarus - Die Landgrenze zwischen beiden verbündeten Staaten und damit die kürzeste Straßenverbindung zwischen Westeuropa und Russland ist derzeit (Stand Juni 2018) offiziell für Staatsangehörige aus Drittstaaten weiter geschlossen. Transitfahrten mit den Zügen aus Berlin, Paris oder Warschau nach Moskau wurden bis zum Frühsommer 2018 toleriert. Aufgepasst: Auch in Weißrussland gilt für Deutsche und EU-Bürger grundsätzlich die Visumpflicht. Zusätzlich zum russischen Visum ist ein weißrussisches Transitvisum nötig. Mehr zum Thema HIER, HIERHIER und HIER (Man sieht - es ist etwas kompliziert...).
  • Krim - Die Grenze zwischen der Krim und dem ukrainischen "Festland" ist für Nicht-Ukrainer faktisch geschlossen. Reisen auf die Krim von russischer Seite aus sind problemlos möglich, aber nach ukrainischen Gesetzen verboten.
  • Kaukasus - Einige (auch aktuelle) Reiseführer behaupten zwar noch das Gegenteil, aber die Grenze von Russland nach Georgien und Aserbaidschan kann seit mehreren Jahren wieder von Staatsangehörigen aller Ländern passiert werden. Reisen zwischen Russland und dem von Georgien abgespaltenen Abchasien sind für Ausländer möglich, aber nach georgischer Lesart eine Straftat. Transitfahrten entlang des Schwarzen Meeres von Russland über Abchasien nach Georgien bleiben weiterhin undurchführbar. 
  • Kasachstan - Einige wichtige russische Bahnstrecken verlaufen abschnittsweise über das Gebiet des Nachbarlandes Kasachstan. Auf einigen Strecken gibt es keinerlei Kontrollen (z.B. Saratow - Astrachan). In sibirischen Zügen, die eine Route über Petropawlowsk nehmen, finden mindestens stichprobenhafte Kontrollen von Transitpassagieren statt.
  • Nordkorea - An der gerade einmal 17 Kilometer kurzen Grenze zwischen Russland und Nordkorea gibt es nur eine Eisenbahnbrücke, aber keinen Straßenübergang. Grenzüberschreitende Züge dürfen gewöhnlich nur von Russen und Nordkoreanern benutzt werden.

(kp) Zuletzt aktualisiert im Juni 2018.


Passend zum Thema in unserem Russland-Reiseblog:


Neuigkeiten zu Einreise- und Visaregeln:

Abkommen mit Weißrussland: Freie Fahrt zur Fußball-WM

Wenige Wochen vor dem Start der Fußball-WM haben die Außenminister von Russland und Weißrussland in Minsk ein Abkommen unterzeichnet, dass die Anreise der Fußball-Fans regelt: Ausländer dürfen demnach ohne weißrussisches Transitvisum auf direktem Weg zur Weltmeisterschaft fahren, wenn sie ein Ticket und eine sogenannte Fan-ID besitzen. Auch die seit Ende 2016 offiziell für alle Ausländer gesperrte Grenze zwischen beiden Ländern können die WM-Gäste dann unbeanstandet passieren. Dass Fußball-Fans ohne Visum nach Russland einreisen dürfen, war bereits seit längerer Zeit bekannt. Nun steht fest, dass dies auch auf dem direkten Landweg möglich ist. 

Die in Minsk getroffene Regelung gilt vom 4. Juni bis zum 25. Juli. Für Reisende ohne Lust auf Sport-Events ändert sich vorerst nichts.

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Russisch-weißrussische Grenze bald wieder offen - für Fußball-Fans

Russland und Weißrussland verhandeln nun schon seit über einem Jahr darüber, wie Transitfahrten von Ausländern aus Drittstaaten künftig wieder ermöglicht werden können. Und noch immer ist kein Ende absehbar. Der ursprünglich bereits für Ende 2017 angekündigte Vertrag über die gegenseitige Anerkennung von Visa und das Ende der Probleme an der Grenze lässt weiter auf sich warten. Mittlerweile wächst in Moskau offenbar die Sorge, dass das Vertragswerk bis zum Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in knapp drei Monaten nicht mehr in Kraft treten kann. Laut einem Bericht der Moskauer Tageszeitung Kommersant wird bereits an einem Notfallplan gearbeitet, damit die Autofahrt zur WM für Europäer nicht mit einem dicken Problem beginnt.

Die beiden Länder wollen sicherstellen, dass zumindest alle WM-Fans problemlos auf dem Landweg nach Russland gelangen können.

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Russland prüft Einführung visafreier Kurzbesuche in Kaliningrad

Das Kaliningrader Gebiet, Russlands westlichste Verwaltungsregion, könnte bald für Ausländer ein wenig einfacher zu erreichen sein. Die Moskauer Regierung prüft, ob für bis zu 72-stündige Aufenthalte im früheren nördlichen Ostpreußen die Visumpflicht aufgehoben wird. Bereits im Sommer hatte Außenminister Sergej Lawrow nicht ausgeschlossen, dass nach Vorbild von Wladiwostok auch für Besuche in der Ostsee-Exklave unbürokratisch elektronische Visa ausgegeben werden könnten. Wie eine Regelung im Detail aussehen könnte, ist aber noch weitgehend offen. Staatschef Wladimir Putin hatte die Regierung angewiesen, bis zum Jahresende einen entsprechenden Bericht vorzulegen.

 

Wie bei vergangenen Kampagnen zur erleichterten Visavergabe sollten Russland-Reisende allerdings nicht zu viel erwarten. Selbst, wenn künftig Kurzbesuche ohne Visum im einstigen Königsberg erlaubt werden, wird es eine Reihe von Einschränkungen geben. 

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Russland und Weißrussland wollen nun doch Mini-Schengen

Auf diese Nachricht haben EU-Bürger, die früher häufig auf dem Landweg nach Russland reisten, vermutlich gewartet: Russische und weißrussische Regierung streben nun doch eine Art "Mini-Schengen-Zone" an und wollen die Visa des jeweils anderen Staates anerkennen. Alexander Surikow, russischer Botschafter in Minsk, kündigte in einem Fernsehinterview an, ein entsprechender Staatsvertrag werde bis Ende des Jahres unterschriftsreif sein. Die Grenze zwischen beiden Ländern, die seit Herbst 2016 von Ausländern aus Drittstaaten offiziell nicht mehr überquert werden darf, wäre dann wieder für alle passierbar.

 

 

Mehr noch: Künftig wäre nur noch ein Visum für Russland-Reisen auf dem kürzesten Landweg nötig - so, wie es bereits in den Jahren zwischen dem Zerfall der Sowjetunion und 2000 möglich war. Ein weißrussisches Visum werde dann automatisch in Russland anerkannt und umgekehrt, erklärte der Botschafter.

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Mehr echte Grenze zwischen Russland und Weißrussland

Die russischen Behörden haben in den vergangenen Monaten eine ganze Reihe von Schritten unternommen, um die lange Zeit de facto offene Grenze zwischen Russland und dem verbündeten Weißrussland wiederzuerrichten. Die jüngste Maßnahme betrifft Flugreisende und soll ab Mitte Mai greifen. Dann sollen Flüge zwischen beiden Ländern an den internationalen Terminals der russischen Flughäfen abgewickelt und nicht mehr wie bisher als Inlandsflüge behandelt werden. Damit verbunden wird auch die Einführung von vollumfänglichen Grenzkontrollen - zumindest für Ausländer aus Drittstaaten. Zwar bringt die Maßnahme ein Mehr an Bürokratie, für Reisende ohne weißrussischen oder russischen Pass beendet sie aber auch eine mehrere Monate andauernde Situation, in der legal überhaupt keine Flugreisen zwischen beiden Ländern möglich waren.

Zuvor hatte bereits im Februar der für den Grenzschutz zuständige Geheimdienst FSB verfügt, dass im Westen des Landes in den Verwaltungsregionen Brjansk, Smolensk und Pskow offizielle Grenzzonen ausgewiesen wurden. Offiziell dürfen Angehörige von Drittstaaten die zuvor mehr als 20 Jahre lang offene Grenze zwischen beiden Staaten derzeit nicht überqueren.

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