"Ich habe gar keinen richtigen Pass. Ich weiß nicht, wie alt ich bin, und ich glaube, ich bin noch ganz jung."

Die Gouvernante Charlotta Iwanowna in Anton Tschechows "Kirschgarten"

 

 

Russland-Visum und Einreisebestimmungen


(kp) Zuletzt aktualisiert im Juni 2020: Coronavirus-Pandemie + Weißrussland-Transit.


Einreise-Beschränkungen in der Coronavirus-Krise

Die Informationen zu den Einreisebestimmungen, Visa und Grenzübergängen weiter unten auf dieser Seite gelten in "normalen Zeiten"- aber seit Ende Februar/Anfang März ist ja kaum noch etwas normal. Und auch Russland hat auf die Coronavirus-Pandemie frühzeitig mit Einreiseverboten und Grenzschließungen reagiert.

 

Ursprünglich galten die Einschränkungen fast ausnahmslos und sogar für Bürger der anderen GUS-Staaten und für Ausländer mit Arbeitsvisa. Anfang Juni 2020 verkündete die Regierung erste leichte Lockerungen der Einschränkungen.

Die russischen Vertretungen im Ausland stellen aber im Regelfall weiterhin keine Visa mehr aus. Die Webseite für die kostenlosen E-Visa nach Kaliningrad und St. Petersburg wurde ebenfalls abgeschaltet.

Faktisch bleibt die Einreise nach Russland für Westeuropäer vorerst nur in wenigen Ausnahmefällen möglich, etwa für Diplomaten, für Brummi-Fahrer im Warenverkehr, für Dienstreisen ausländischer Anlagen-Techniker und für enge Angehörige auf dem Weg zu einer Beerdigung - sowie für Personen mit dauerhaftem Wohnrecht in Russland. Seit Anfang Juni sind theoretisch auch wieder Besuche zur Pflege kranker Angehöriger erlaubt.

Zudem müssen sich Einreisende nach Überschreiten der Grenze die zuständigen Gesundheitsbehörden über ihren Aufenthaltsort informieren und sich zunächst in Quarantäne begeben (und bei der Rückkehr nach Deutschland oder nach Österreich ein zweites Mal). In einigen Regionen werden Neuankömmlinge auch von Behörden in eine Quarantäne-Unterkunft einquartiert. Touristische Reisen für Ausländer sind somit weiterhin unmöglich. Wann Russland die Grenzen für Urlauber wieder öffnet, ist derzeit nicht absehbar.



Vor einer Reise nach Russland

Visum Touristenvisum Visa Russia

Einfach im Internet einen Flug buchen und losfliegen, das geht im Fall einer Reise nach Russland leider nicht. Und für alle, die auf dem Landweg unterwegs sind, wird es sogar noch etwas komplizierter. Die Bürger der meisten Länder der Welt benötigen nach wie vor ein Visum für einen Russland-Besuch - es sei denn, man besitzt einen Reisepass aus einem der GUS-Mitgliedsstaaten. Auch die meisten Lateinamerikaner sowie Israelis, Serben, Südkoreaner, Südafrikaner und Bürger einiger anderer Staaten dürfen visafrei nach Russland. 

 

Alle anderen müssen sich in der Regel vor der Abfahrt einen solchen schicken Sticker in den Reisepass kleben lassen. 

 

Russland-Visum beantragen

Um ein Visum zu erhalten, ist eine Einladung aus Russland erforderlich. Wer mit einer organisierten Gruppe unterwegs ist, muss sich darüber keine Gedanken machen. Einzelreisende wenden sich am besten an ein spezialisiertes Reisebüro oder einen Visadienst, die diese Einladung für eine geringe Gebühr besorgen und auch den Pass einreichen und wieder abholen. Ein guter Visadienst stellt seinen Kunden dabei auch eine Anleitung für den Visumantrag zur Verfügung.

Ein Touristenvisum für eine oder zwei Einreisen mit 30 Tagen Gültigkeit ist auf diese Weise meist völlig problemlos erhältlich. Kostenpunkt für Visum, Agentur und Einladung: ab ca. 90 - 100 Euro. 

 

Als Antragsteller selbst zu einem russischen Konsulat oder einem russischen Visa-Center zu gehen, lohnt sich nicht, es sei denn, man wohnt in direkter Nachbarschaft und legt außerdem Wert darauf, einen kleinen Kulturschock schon vor der Abreise zu erleben. Auch der Aufwand für Freunde oder Verwandte, vor Ort , eine offizielle Privateinladung zu besorgen, ist unverhältnismäßig hoch.



E-Visa für Sankt Petersburg und Kaliningrad

Seit Juli 2019 gibt für alle EU-Bürger (sorry, liebe Briten) eine Neuerung, die dem visafreien Reisen zumindest sehr nahe kommt: Für Besuche in Russlands westlichster Region, der Exklave Kaliningrad, werden kostenlose E-Visa ausgegeben, die seit Sommer 2019 im Internet mit minimalem Aufwand beantragt werden können. Im Oktober 2019 wurde die Regelung zu vergleichbaren Konditionen auch für St. Petersburg und Umgebung eingeführt. Bis zu acht Tage dürfen Besucher damit im früheren nördlichen Ostpreußen bzw. in St. Petersburg und im umliegenden Leningrader Gebiet bleiben, Weiterreisen in andere Regionen Russlands sind unzulässig. Eine ähnliche Regelung gilt auch für die russische Fernostregion, zielt dort aber eher auf Touristen aus Ostasien. Seit Frühjahr 2020 können theoretisch aber auch Westeuropäer mit E-Visum aus Japan oder Südkorea z.B. nach Wladiwostok fliegen.


Visafrei nach Russland

Tatsächlich gibt es aber noch einige Fälle, die auch für EU-Bürger eine komplett visumfreie Einreise nach Russland ermöglichen. So können Passagiere von Ostsee-Kreuzfahrten ohne Visum Landgänge in Sankt Petersburg unternehmen. Bedingung dabei ist, dass die Ausländer an organisierten Ausflügen teilnehmen und über Nacht wieder auf das Schiff zurückkehren.

Interessanter sind die Möglichkeiten, die sich im Zusammenhang mit Sport-Großveranstaltungen wie der Fußball-WM bieten. Fußball-Fans, die eine Karte für ein oder mehrere Spiele gekauft hatten, erhielten 2018 eine sogenannte "Fan-ID", die zur visafreien Einreise berechtigte. Im Fall der Fußball-WM 2018 erlaubte der Fan-Ausweis mehrere Ein- und Ausreisen ab zehn Tage vor dem ersten bis zehn Tage nach dem letzten gebuchten Spiel. Ein ähnliches Prozedere gab es zuvor bereits bei der Winterolympiade in Sotschi.

 

Wie viele sportliche Großevents nach dem Ärger um die "Doping-Affäre" in näherer Zukunft nach Russland vergeben werden, ist derzeit ungewiss. Allerdings stehen die Chancen nicht schlecht, dass es dann jeweils auch in Zukunft weitere Ausnahmen von der Visumpflicht gibt, beispielsweise bei der Universiade in Jekaterinburg 2023.


An der Grenze

Einreisestempel Russland Buratschki Dolbino

An allen russischen Grenzübergängen findet eine gründliche Kontrolle statt. Die russischen Grenzschützer und Zöllner verhalten sich Ausländern gegenüber nach meiner Erfahrung stets korrekt, wenn auch nicht immer übermäßig freundlich. 

 

Am unkompliziertesten läuft das in der Regel an den großen Flughäfen ab. Dort kommt es nur selten vor, dass der Zoll einen Blick in das mitgebrachte Gepäck werfen will. Wer Glück hat, kann in Moskau in wenigen Minuten durch die Kontrolle kommen. Wenn kurz zuvor Großraumjets aus China oder Mittelasien gelandet sind, sieht das aber anders aus.  

 

Bei Zugreisen in die Nachbarstaaten kommt es an den Grenzbahnhöfen in der Regel zu mindestens einstündigen Aufenthalten auf jeder Seite der Grenze, die ebenfalls zu eingehenden Kontrollen genutzt werden. Ausnahme sind die modernen Allegro-Schnellzüge zwischen Sankt Petersburg und Helsinki, in denen alle Kontrollen während der Fahrt stattfinden.

Grenze Estland Russland Narva Iwangorod

An den Straßengrenzen kann es zu längeren Wartezeiten kommen. Reisebusse und Pkws müssen oft den Kofferaum leer räumen und das Gepäck dann in einem Zollterminal durchleuchten lassen.

 

An Grenzen mit wenigen Reisenden aus dem Westen, etwa im Kaukasus, kommt es häufiger auch zu Befragungen nach Ziel und Reiseroute.  Selbst erlebt haben wir das am Grenzübergang Werchni Lars (Russland/Georgien).

Für Fußgänger sind die meisten russischen Grenzübergänge gesperrt. Zu den wenigen Orte, an denen die Einreise nach Russland zu Fuß erlaubt wird, zählen die  Brücke zwischen Narva (Estland) und Iwangorod (Foto oben) und die Brücke über die Memel zwischen Sowjetsk (Tilsit) und Litauen. 

Besondere Grenzen

Gegenwärtig sind bei der Anreise nach Russland auf dem Landweg Besonderheiten an den Grenzen zu einigen der Nachbarländer zu beachten:

  • Weißrussland / Belarus - Die Landgrenze zwischen beiden verbündeten Staaten und damit die kürzeste Straßenverbindung zwischen Westeuropa und Russland ist seit Ende 2016 offiziell für Staatsangehörige aus Drittstaaten weiter geschlossen. Transitfahrten mit den Zügen aus Berlin, Paris oder Warschau nach Moskau werden bislang meist toleriert, aber es gab schon Reisende, die mächtigen Ärger bekommen haben. Aufgepasst: Auch in Weißrussland gilt für Deutsche und EU-Bürger grundsätzlich die Visumpflicht. Zusätzlich zum russischen Visum ist ein weißrussisches Transitvisum nötig. Mittlerweile haben beide Staaten ein Abkommen zur gegenseitigen Anerkennung ihrer Visa unterzeichnet, dass auch den Transit wieder ermöglicht. Es ist aber noch nicht in Kraft getreten. Mehr zum Thema HIERHIERHIER
    HIER, HIERHIER und zuletzt HIER (Man sieht - es ist etwas kompliziert...).
  • Krim - Die Grenze zwischen der Krim und dem ukrainischen "Festland" ist für Nicht-Ukrainer faktisch geschlossen. Reisen auf die Krim von russischer Seite aus sind problemlos möglich (aber nach ukrainischen Gesetzen verboten).
  • Kaukasus - Einige Reiseführer behaupten zwar noch das Gegenteil, aber die Grenze von Russland nach Georgien und Aserbaidschan kann seit mehreren Jahren wieder von Staatsangehörigen aller Ländern passiert werden. Reisen zwischen Russland und dem von Georgien abgespaltenen Abchasien sind für Ausländer möglich, aber nach georgischer Lesart eine Straftat. Transitfahrten entlang des Schwarzen Meeres von Russland über Abchasien nach Georgien bleiben leider undurchführbar. 
  • Kasachstan - Einige wichtige russische Bahnstrecken verlaufen abschnittsweise über das Gebiet des Nachbarlandes Kasachstan. Mancherorts gibt es gar keine Kontrollen (z.B. Saratow - Astrachan). In sibirischen Zügen, die eine Route über Petropawlowsk nehmen, finden mindestens stichprobenhafte Kontrollen von Transitpassagieren statt.
  • Nordkorea - An der gerade einmal 17 Kilometer kurzen Grenze zwischen Russland und Nordkorea gibt es nur eine Eisenbahnbrücke, aber keinen Straßenübergang. Grenzüberschreitende Züge dürfen gewöhnlich nur von Russen und Nordkoreanern benutzt werden.


Passend zum Thema in unserem Russland-Reiseblog:


Neuigkeiten zu Russlands Einreise- und Visaregeln:

Mini-Schengen zwischen Minsk und Moskau rückt näher

Nach fast vierjährigem Hickhack haben die Außenminister von Russland und Weißrussland ein Abkommen unterzeichnet, auf das Russland-Reisende aus Westeuropäer schon nicht mehr zu hoffen wagten: Die beiden Nachbarstaaten einigten sich auf die gegenseitige Anerkennung von Visa und Aufenthaltsgenehmigungen. Ausländer mit russischem Visum dürfen sich während der Gültigkeitsdauer künftig für maximal 90 Tagen auch in Weißrussland aufhalten, umgekehrt berechtigt ein weißrussisches Visum zum Aufenthalt in Russland. Mit Inkrafttreten des Abkommens wird endlich auch die Einreise nach Russland auf dem Landweg von Westeuropa über Weißrussland wieder möglich - das Verbot war ein großes Ärgernis für Auto- und Bahnfahrer.

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Nach Corona 5-Jahres-Visa für ausländische Russland-Besucher?

Gerade eben hat die Regierung von Russland wegen der Coronavirus-Pandemie das Einreiseverbot für alle ausländischen Staatsbürger verlängert - und zwar auf unbestimmte Zeit. Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen sind Besuche im größten Land der Erde weiter unmöglich. Internationale Flüge und Zugverbindungen sind sowieso eingestellt. Die Grenzen sollen sich erst öffnen, wenn das Infektionsgeschehen dies zulässt. Doch schon jetzt machen sich in Moskauer Amtsstuben die ersten Funktionsträger Gedanken über die Zeit nach der Epidemie und darüber, wie die besonders betroffene Tourismusbranche wiederbelebt werden könnte. Im Gespräch sind äußerst weitreichende Neuerungen, die potenziellen Besuchern aus dem Westen gefallen dürften.

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Schlagbaum runter - Russland macht die Grenzen dicht

Einreiseverbot, Flüge eingestellt, Landgrenzen geschlossen. Machen wir es kurz: Derzeit und bis auf Weiteres führt wegen der Coronavirus-Pandemie für Ausländer kein Weg nach Russland. Für Touristen schon einmal erst recht nicht. Vom 18. März an dürfen keine ausländischen Staatsbürger mehr in die Russische Föderation einreisen - Diplomaten und Personen mit Dauer-Wohnrecht ausgeschlossen. Von diesen Gruppen abgesehen gibt es Ausnahmen nur für Personen, die zur Beerdigung eines nahen Verwandten reisen müssen. Die Regierung verhängte das Verbot zunächst für einen Zeitraum bis zum 1. Mai. Mit einiger Zeitverzögerung zu Westeuropa war in den vergangenen Tagen auch in Russland das öffentliche Leben eingeschränkt worden. 

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Coronavirus: Was Russland-Reisende jetzt wissen müssen

Einreisestempel Moskau Flughafen Scheremetjewo

(Zuletzt aktualisiert am 11.3.) Um die Ausbreitung des Coronavirus in Russland zu verhindern, greifen die Behörden jetzt zu drastischen Maßnahmen. Auch Reisende müssen sich wohl oder übel Gedanken machen, ob sich eine für die nächsten Wochen geplante Russland-Reise noch durchführen lässt. Seit Anfang März gilt ein Einreiseverbot für Staatsbürger von Südkorea und des  Iran. Chinesen erhalten schon länger keine Einreisevisa mehr für Russland, und die über 4.000 Kilometer lange Landgrenze zwischen den beiden Großmächten ist bereits seit Anfang des Jahres geschlossen. Seit die Zahl der Infizierten mit Covid-19 in Europa stark zunahm, drohen jetzt auch Besuchern aus dem Westen ähnliche Maßnahmen. Die Stadt Moskau prescht schon mal vor.

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Russland macht Grenze zu China dicht

Aus Angst vor einer Ausbreitung des Coronavirus hat die russische Regierung die über 4.000 Kilometer lange Landgrenze zur Volksrepublik China geschlossen. Die Straßengrenzübergänge und Fährverbindungen über den Grenzfluss Amur in den fernöstlichen Regionen Transbaikalien, Amur, Chabarowsk, Primorje und im Jüdischen Autonomen Gebiet lassen bis auf Weiteres keine Reisenden mehr passieren, meldet Interfax (Russisch) - auch Russen und Chinesen haben Probleme, in ihre Heimat zurückzukehren. Die Russische Eisenbahn RZD teilte zunächst mit, die wöchentlichen Direktverbindungen von Moskau nach Peking sollen weiter verkehren. Zwei Tage später überlegten sich die Verantwortlichen es aber anders.

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