"Ich habe gar keinen richtigen Pass. Ich weiß nicht, wie alt ich bin, und ich glaube, ich bin noch ganz jung."

Die Gouvernante Charlotta Iwanowna in Anton Tschechows "Kirschgarten"

 

 

Russland-Visum und Einreisebestimmungen


(kp) Zuletzt aktualisiert im August 2021


Einreise-Beschränkungen in der Coronavirus-Krise

Die Informationen zu den Einreisebestimmungen, Visa und Grenzübergängen weiter unten auf dieser Seite gelten in "normalen Zeiten"- aber seit Ende Februar/Anfang März 2020 ist ja kaum noch etwas normal. Und auch Russland hat auf die Coronavirus-Pandemie frühzeitig mit Einreiseverboten und Grenzschließungen reagiert.

 

Russische Auslandsvertretungen in Deutschland haben Anfang April  2021 nach über einjähriger Pause die Ausstellung von "Visa aller Kategorien" wieder aufgenommen. Damit sind sogar touristische Reisen nach Russland wieder erlaubt. Grundsätzlich ist die Einreise aus Staaten erlaubt, die auf einer Positivliste der russischen Behörden stehen. Darauf befinden sich bereits seit dem Sommer 2020 die Schweiz und  mittlerweile auch Österreich. Für ständige Einwohner der Bundesrepublik mit ausländischem Pass gelten die Regeln analog zu denen für Staatsbürger. Deutsche, die in einem Land leben, für noch nicht auf der Ausnahme-Liste steht, dürfen hingegen weiterhin nur in begründeten Ausnahmefällen einreisen (z. B. als nahe Angehörige von russischen Staatsbürgern oder für wichtige Montagearbeiten).

 
Grundsätzlich gelten für alle Ausländer weiter erhebliche Einschränkungen im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit: So ist die Einreise ausschließlich auf dem direkten Luftweg zulässig. Die Anreise mit dem Auto über das Baltikum, Finnland oder Weißrussland bleiben für die allermeisten Ausländer Tabu bzw. sind sie mit einem riesigen bürokratischen Aufwand verbunden. Auch der internationale Zugverkehr von und nach Russland (mit Ausnahme der Verbindungen nach Weißrussland) bleibt unterbrochen.

 

Die verpflichtende Quarantäne für alle Einreisenden aus dem Ausland wurde von den russischen Behörden im Juli 2020 wieder abgeschafft und durch die Verpflichtung ersetzt, einen höchstens 72 Stunden alten negativen PCR-Corona-Test vorzulegen (auch die Vorschriften bei der Rückkehr nach Deutschland bzw. Österreich sind zu beachten). In eine 14-tägige Pflicht-Quarantäne müssen aber alle Ausländer, die zu Arbeitszwecken nach Russland kommen. 

Detaillierte Infos zu Reisen zwischen Deutschland und Russland hat auch die Deutsch-russische Auslandshandelskammer aufbereitet und zwar HIER:




Vor einer Reise nach Russland

Visum Touristenvisum Visa Russia

Einfach im Internet einen Flug buchen und losfliegen, das geht im Fall einer Reise nach Russland leider nicht. Und für alle, die auf dem Landweg unterwegs sind, wird es sogar noch etwas komplizierter. Die Bürger der meisten Länder der Welt benötigen nach wie vor ein Visum für einen Russland-Besuch - es sei denn, man besitzt einen Reisepass aus einem der GUS-Mitgliedsstaaten. Auch die meisten Lateinamerikaner sowie Israelis, Serben, Südkoreaner, Südafrikaner und Bürger einiger anderer Staaten dürfen visafrei nach Russland. 

 

Alle anderen müssen sich in der Regel vor der Abfahrt einen solchen schicken Sticker in den Reisepass kleben lassen. 

 

Russland-Visum beantragen

Um ein Visum zu erhalten, ist eine Einladung aus Russland erforderlich. Wer mit einer organisierten Gruppe unterwegs ist, muss sich darüber keine Gedanken machen. Einzelreisende wenden sich am besten an ein spezialisiertes Reisebüro oder einen Visadienst, die diese Einladung für eine geringe Gebühr besorgen und auch den Pass einreichen und wieder abholen. Ein guter Visadienst stellt seinen Kunden dabei auch eine Anleitung für den Visumantrag zur Verfügung.

Ein Touristenvisum für eine oder zwei Einreisen mit 30 Tagen Gültigkeit ist auf diese Weise meist völlig problemlos erhältlich. Kostenpunkt für Visum, Agentur und Einladung: ab ca. 90 - 100 Euro. 

 

Als Antragsteller selbst zu einem russischen Konsulat oder einem russischen Visa-Center zu gehen, lohnt sich nicht, es sei denn, man wohnt in direkter Nachbarschaft und legt außerdem Wert darauf, einen kleinen Kulturschock schon vor der Abreise zu erleben. Auch der Aufwand für Freunde oder Verwandte, vor Ort , eine offizielle Privateinladung zu besorgen, ist unverhältnismäßig hoch.



E-Visa

Seit Juli 2019 gibt für alle EU-Bürger (sorry, liebe Briten) eine Neuerung, die dem visafreien Reisen zumindest sehr nahe kommt: Für Besuche in Russlands westlichster Region, der Exklave Kaliningrad, werden kostenlose E-Visa ausgegeben, die im Internet mit minimalem Aufwand beantragt werden können. Im Oktober 2019 wurde die Regelung zu vergleichbaren Konditionen auch für St. Petersburg und Umgebung eingeführt. Bis zu acht Tage dürfen Besucher damit im früheren nördlichen Ostpreußen bzw. in St. Petersburg und im umliegenden Leningrader Gebiet bleiben, Weiterreisen in andere Regionen Russlands sind unzulässig. Eine ähnliche Regelung gilt auch für die russische Fernostregion, zielt dort aber eher auf Touristen aus Ostasien.

 

Der Start des landesweiten E-Visums für Aufenthalte von maximal 16 Tagen - der Russland-Reisen so einfach machen sollte wie noch nie - war für Anfang 2021 angekündigt worden, wurde wegen der Coronavirus-Pandemie aber auf unbestimmte Zeit verschoben. 


Visafrei nach Russland

Tatsächlich gibt es noch einige Fälle, die auch für EU-Bürger eine komplett visumfreie Einreise nach Russland ermöglichen. So können Passagiere von Ostsee-Kreuzfahrten ohne Visum Landgänge in Sankt Petersburg unternehmen. Bedingung dabei ist, dass die Ausländer an organisierten Ausflügen teilnehmen und über Nacht wieder auf das Schiff zurückkehren.

Interessanter sind die Möglichkeiten, die sich im Zusammenhang mit Sport-Großveranstaltungen wie der Fußball-WM bieten. Fußball-Fans, die eine Karte für ein oder mehrere Spiele gekauft hatten, erhielten 2018 eine sogenannte "Fan-ID", die zur visafreien Einreise berechtigte. Im Fall der Fußball-WM 2018 erlaubte der Fan-Ausweis mehrere Ein- und Ausreisen ab zehn Tage vor dem ersten bis zehn Tage nach dem letzten gebuchten Spiel. Ein ähnliches Prozedere gab es zuvor bereits bei der Winterolympiade in Sotschi.

 

Wie viele sportliche Großevents nach dem Ärger um die "Doping-Affäre" in näherer Zukunft nach Russland vergeben werden, ist derzeit ungewiss. Allerdings stehen die Chancen nicht schlecht, dass es dann jeweils auch in Zukunft weitere Ausnahmen von der Visumpflicht gibt, beispielsweise bei der Universiade in Jekaterinburg 2023.


An der Grenze

Einreisestempel Russland Buratschki Dolbino

An allen russischen Grenzübergängen findet eine gründliche Kontrolle statt. Die russischen Grenzschützer und Zöllner verhalten sich Ausländern gegenüber nach meiner Erfahrung stets korrekt, wenn auch nicht immer übermäßig freundlich. 

 

Am unkompliziertesten läuft das in der Regel an den großen Flughäfen ab. Dort kommt es nur selten vor, dass der Zoll einen Blick in das mitgebrachte Gepäck werfen will. Wer Glück hat, kann in Moskau in wenigen Minuten durch die Kontrolle kommen. Wenn kurz zuvor Großraumjets aus China oder Mittelasien gelandet sind, sieht das aber anders aus.  

 

Bei Zugreisen in die Nachbarstaaten kommt es an den Grenzbahnhöfen in der Regel zu mindestens einstündigen Aufenthalten auf jeder Seite der Grenze, die ebenfalls zu eingehenden Kontrollen genutzt werden. Ausnahme sind die modernen Allegro-Schnellzüge zwischen Sankt Petersburg und Helsinki, in denen alle Kontrollen während der Fahrt stattfinden.

Grenze Estland Russland Narva Iwangorod

An den Straßengrenzen kann es zu längeren Wartezeiten kommen. Reisebusse und Pkws müssen oft den Kofferaum leer räumen und das Gepäck dann in einem Zollterminal durchleuchten lassen.

 

An Grenzen mit wenigen Reisenden aus dem Westen, etwa im Kaukasus, kommt es häufiger auch zu Befragungen nach Ziel und Reiseroute.  Selbst erlebt haben wir das am Grenzübergang Werchni Lars (Russland/Georgien).

Für Fußgänger sind die meisten russischen Grenzübergänge gesperrt. Zu den wenigen Orte, an denen die Einreise nach Russland zu Fuß erlaubt wird, zählen die  Brücke zwischen Narva (Estland) und Iwangorod (Foto oben) und die Brücke über die Memel zwischen Sowjetsk (Tilsit) und Litauen. 

Besondere Grenzen

Gegenwärtig sind bei der Anreise nach Russland auf dem Landweg Besonderheiten an den Grenzen zu einigen der Nachbarländer zu beachten:

  • Weißrussland / Belarus - Die Landgrenze zwischen beiden verbündeten Staaten und damit die kürzeste Straßenverbindung zwischen Westeuropa und Russland ist seit Ende 2016 offiziell für Staatsangehörige aus Drittstaaten weiter geschlossen. Transitfahrten mit den Zügen aus Berlin, Paris oder Warschau nach Moskau werden bislang meist toleriert, aber es gab schon Reisende, die mächtigen Ärger bekommen haben. Aufgepasst: Auch in Weißrussland gilt für Deutsche und EU-Bürger grundsätzlich die Visumpflicht. Zusätzlich zum russischen Visum ist ein weißrussisches Transitvisum nötig. Mittlerweile haben beide Staaten ein Abkommen zur gegenseitigen Anerkennung ihrer Visa unterzeichnet, dass auch den Transit wieder ermöglicht. Es ist aber noch nicht in Kraft getreten. Mehr zum Thema HIERHIERHIER
    HIER, HIERHIER und zuletzt HIER (Man sieht - es ist etwas kompliziert...).
  • Krim - Die Grenze zwischen der Krim und dem ukrainischen "Festland" ist für Nicht-Ukrainer faktisch geschlossen. Reisen auf die Krim von russischer Seite aus sind problemlos möglich (aber nach ukrainischen Gesetzen verboten).
  • Kaukasus - Einige Reiseführer behaupten zwar noch das Gegenteil, aber die Grenze von Russland nach Georgien und Aserbaidschan kann seit mehreren Jahren wieder von Staatsangehörigen aller Ländern passiert werden. Reisen zwischen Russland und dem von Georgien abgespaltenen Abchasien sind für Ausländer möglich, aber nach georgischer Lesart eine Straftat. Transitfahrten entlang des Schwarzen Meeres von Russland über Abchasien nach Georgien bleiben leider undurchführbar. 
  • Kasachstan - Einige wichtige russische Bahnstrecken verlaufen abschnittsweise über das Gebiet des Nachbarlandes Kasachstan. Mancherorts gibt es gar keine Kontrollen (z.B. Saratow - Astrachan). In sibirischen Zügen, die eine Route über Petropawlowsk nehmen, finden mindestens stichprobenhafte Kontrollen von Transitpassagieren statt.
  • Nordkorea - An der gerade einmal 17 Kilometer kurzen Grenze zwischen Russland und Nordkorea gibt es nur eine Eisenbahnbrücke, aber keinen Straßenübergang. Grenzüberschreitende Züge dürfen gewöhnlich nur von Russen und Nordkoreanern benutzt werden.


Passend zum Thema in unserem Russland-Reiseblog:


Neuigkeiten zu Russlands Einreise- und Visaregeln:

Wie kommt man noch nach Russland? Reisen in der Pandemie

Alle Wege führen ins "Dritte Rom"? Gewiss nicht im zweiten Pandemie-Sommer. Die Coronavirus-Krise hat Auslandsreisen enorm verkompliziert - das gilt gerade bei Zielen außerhalb der EU. Russland, das seine Grenzen im Frühjahr 2020 fast komplett für Ausländer geschlossen hatte, erlaubt inzwischen wieder die Einreise aus Staaten einer Positivliste. Aktuell (im Sommer 2021) dürfen Deutsche, Österreicher und Schweizer wieder unabhängig vom Reisezweck mit gültigem Visum kommen. Auch private Besuche oder touristische Aufenthalte sind grundsätzlich erlaubt - Allerdings sind die Möglichkeiten zur Anreise nach Russland sehr begrenzt. Hier ein kleiner Überblick, was im Sommer 2021 geht.

Neue Corona-Regeln machen Russland-Reisen schwieriger

(Aktualisiert am 13.7.2021). Kaum kam der Reiseverkehr Richtung Russland ein wenig in Schwung, da sorgt der bedrohliche Wiederanstieg der Infektionszahlen für neue Schwierigkeiten. Aus deutscher Sicht gilt das größte Land der Welt seit Anfang Juli als Hochinzidenzgebiet, Rückkehrer müssen deshalb in der Regel in Quarantäne - wenn sie nicht mit einem in der EU zugelassenen Impfstoff geimpft sind oder kürzlich eine Coronavirus-Infektion überstanden haben. Auch in Russland selbst wurden die Regeln im Kampf gegen die Pandemie vielerorts wieder verschärft. In einigen Gebieten - etwa im Moskauer Umland oder der Ferienregion Krasnodar - dürfen Ungeimpfte nicht einmal mehr ohne Weiteres in Hotels absteigen.

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Russland erlaubt wieder reguläre Linienflüge nach Deutschland

(Aktualisiert: 7.4.2021) Vom 1. April an soll es nach über einjähriger Pause wieder reguläre Linienflüge zwischen Russland und Deutschland geben. Das hat der Corona-Krisenstab der russischen Regierung bekanntgegeben (Quelle: Regierungs-Webseite, Russisch). Die Bundesrepublik ist damit das erste große EU-Land, zu dem die Grenzen einen Spalt weiter geöffnet werden. Schon in den vergangenen Monaten verkehrten in geringer Anzahl Flugzeuge zwischen Moskau, Frankfurt und Berlin, die offiziell als Cargo- bzw. Charterflüge firmierten. Und einsteigen konnte längst nicht jeder. Anfang April begannen die russischen Auslandsvertretungen in Deutschland nun auch wieder mit der Ausstellung regulärer Einreisevisa.

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Russlands E-Visa - eine Totgeburt?

Touristen am Moskauer Kreml

Zwar warten reiselustige Menschen weltweit auf ein Nachlassen der Coronavirus-Pandemie. Im Fall von Russland sind die geschlossenen Grenzen besonders ärgerlich, denn das Land hatte eigentlich zum 1. Januar 2021 seine Einreisebestimmungen für Bürger von über 50 Staaten spürbar erleichtert - durch die Einführung einfach erhältlicher E-Visa für Kurzaufenthalte von maximal 16 Tagen. Die Reform hätte sicherlich auch zahlreiche Menschen in das größte Land der Welt gelockt, die dort noch nie waren. Nun reagiert die russische Tourismusindustrie verständnislos auf den vom Moskauer Außenministerium veröffentlichten Entwurf für den E-Visum-Antrag. Der umfangreiche Fragenkatalog liest sich so, als hätten die russischen Behörden doch kein Interesse an Besuchern.

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Russland gibt Details für künftige E-Visa bekannt

Die russische Regierung hat Details für die ab 2021 geplante, vereinfachte Einreise von Ausländern mit E-Visa bekanntgegeben. Damit können Bürger von 52 Staaten ab Jahreswechsel - theoretisch, wenn die Pandemie einmal endet - relativ unbürokratisch nach Russland gelangen. Offizielle Einladungen sind für Aufenthalte von maximal 16 Tagen nicht mehr nötig, lediglich ein Online-Antrag muss vorab ausgefüllt werden. Es gibt aber eine schlechte Nachricht - vor allem für Bahnreisende. Zumindest in der Anfangsphase wird das neue E-Visum lediglich zur Einreise an 29 ausgewählten Grenzübergängen berechtigen, wie aus der kürzlich veröffentlichten Regierungsverordnung hervorgeht (Quelle: Regierungsserver, Russisch).

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