"Die hiesigen Einwohner bestätigen, die Luft von Kislowodsk schließe die Herzen auf für die Liebe, und hier fänden alle Romanzen, die am Fuß des Maschuks begonnen haben, einen Abschluss."

Michail Lermontow (1814-1841), russischer Dichter, in "Ein Held unserer Zeit"

 

 

Die Stadt des sauren Wassers - Kislowodsk

Кисловодск

Der südlichste der berühmten kaukasischen Mineralwasser-Kurorte, Kislowodsk, gilt als zweitwichtigstes Ferienzentrum in Russland nach Sotschi. Die Lage der Stadt am Fuß der Kaukasus-Berge und das üppig sprudelnde Narsan-Heilwasser zogen bereits im 19. Jahrhundert Kurgäste an. Mondäne Villen und Hotels aus der vorrevolutionären Zeit prägen das kompakte Stadtzentrum, in dem bis heute eine entspannte Atmosphäre herrscht. Zu Sowjetzeiten entstanden ringsum unzählige Sanatorien für kränkelnde Vertreter der Arbeiterklasse. Das russische Baden-Baden ist aber weit mehr als ein Heilbad. Auch Wanderer und Klettertouristen kommen in der Umgebung auf ihre Kosten.

Kurpark Kislowodsk Mineralwasser-Kurorte
Am Eingang zum Kurpark von Kislowodsk

Kislowodsk ist eine junge Stadt und wurde erst 1803 als russische Festung am Nordrand des Kaukasus gegründet. Nicht einmal zehn Jahre später entstand das erste Badehaus. Die frühen Kurgäste mussten noch gelegentlich vor Überfällen der Bergvölker Reißaus nehmen, aber um das Jahr 1900 hatte sich die Stadt fest als Kurort der Schönen und Reichen aus Sankt Petersburg und Moskau etabliert. Prächtige Bauten wie der Kursaal, Bäder und Hotels standen denen europäischer Kurorte wie Wiesbaden oder Karlsbad in nichts nach.

Kislowodsk Frühling Maloje Sedlo
Blick auf Kislowodsk vom Hausberg Maloje Sedlo

Während des Zweiten Weltkriegs war die Stadt kurze Zeit von der Wehrmacht besetzt. In den Jahren nach dem Zerfall der Sowjetunion erlebte auch die Tourismusbranche in den Mineralwasser-Kurorten einen Einbruch. Viele Gäste blieben auch aus Furcht vor den Konflikten fern, die damals die angrenzenden Regionen prägten. Inzwischen ist die Krise längst überwunden. Heute hat die Stadt knapp 130.000 Einwohner und gehört zur südrussischen Verwaltungsregion Stawropol.

 

Für Reisen durch den russischen Kaukasus ist Kislowodsk einer der besten Ausgangspunkte, unter anderem wegen der guten Verkehrsanbindungen: Bereits 1893 war die Stadt an das russische Eisenbahnnetz angeschlossen worden. Seither ist der Kurort direkt von vielen Teilen des riesigen Landes aus mit dem Zug zu erreichen (es wird sogar eine Direktverbindung nach Irkutsk in Ostsibirien angeboten). Es gibt unzählige Sanatorien - viele mit umfangreichen Kurbehandlungen, aber auch gewöhnliche Touristen haben eine reiche Auswahl an Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen. Wer sich für die entlegenen Gegenden des Kaukasus interessiert, findet etliche Exkursionsbüros, die Touren in alle Richtungen anbieten.


Rundtour durch Kislowodsk auf der Karte:

Selbst, wer nur einen Tag in der Stadt ist, kann schon die meisten interessanten Orte ablaufen: Unser vorgeschlagener Rundweg verbindet viele Sehenswürdigkeiten der Stadt und verlangt keine besondere Kondition. Er beginnt am Bahnhof der Stadt und führt von dort zur Fußgängerzone, dem Kurortny Prospekt mit seinen vielen historischen Bauten. Von der Narsan-Trinkhalle geht es dann quer durch den riesigen Kurpark bis zur unteren Station der Seilbahn. Von der oberen Station auf dem Berg Maloje Sedlo führt der gut ausgebaute Wanderweg bergab, an dem netten Rastplatz "Kleine rote Sonne" vorbei hinunter ins Tal. Wenn Zeit bleibt, lohnt auf dem Rückweg zum Bahnhof ein Abstecher in die Schaljapin-Datscha: 


Der Kurort-Boulevard

Курортный бульвар

Narsan-Trinkhalle Kislowodsk
Narsan-Trinkhalle im Zentrum von Kislowodsk

Der zur Fußgängerzone umgewandelte "Kurort-Boulevard" ("Kurortny Bulwar") ist das Aushängeschild von Kislowodsk. An dieser, keine 700 Meter langen Straße stehen die markantesten Gebäude der Stadt, und jeder wird hier während seines Aufenthalts mit Sicherheit mehrfach entlang schlendern. Am Südende des Boulevards befindet sich die Narsan-Trinkhalle. Seit 1853 fließt hier das schwefelhaltige Narsan-Wasser in die Kehlen der Kurgäste. Wer keine eigene Tasse mitbringt, kann für zwei Rubel einen Plastikbecher kaufen und dann so viel trinken, wie er möchte. In der Trinkhalle gibt es drei verschiedene Sorten von Narsan, jeweils kalt oder warm. Nicht alle schmecken wirklich gut, aber es soll ja angeblich sehr gesund sein. In nördlicher Richtung von der Trinkhalle aus gesehen sind neben einigen Hotel-Altbauten vor allem zwei Badehäuser interessant: Das im pseudo-orientalischen Stil erbaute Narsan-Bad und das Oktober-Bad aus der Zeit nach der Oktoberrevolution. Hier sind nach einer ärztlichen Konsultation auch Sprudelwasser-Bäder und anderen Heilbehandlungen möglich.


Der Kurpark

Курортный парк

Kurpark Kislowodsk
Frühlingsabend im Kurpark von Kislowodsk

Kislowodsk hat eine der größten Parkanlagen der Welt. Der Kurpark ist mit einer Fläche von knapp 9,7 Quadratkilometern sogar noch größer als der Londoner Richmond Park. Die Gärtnerarbeiten begannen bereits 20 Jahre nach der Gründung der Kislowodsker Festung. In dem späteren Kurpark wurden Bäume und Büsche aus anderen Teilen des Zarenreichs angepflanzt, hinzu kamen etliche Denkmäler, Aussichtspunkte und Pavillons, in denen heute 

Restaurants oder Kioske untergebracht sind. Trotz des riesigen Geländes sind vor allem auf den Hauptwegen recht viele Spaziergänger und Jogger unterwegs. Die früher häufige riesigen Eichhörnchen haben sich offenbar in letzter Zeit rar gemacht. Bei unserer Frühlingsreise in den Kaukasus 2018 haben wir bei drei Besuchen im Park kein einziges gesehen. Für die Kurgäste wurden drei spezielle Spazier- und Wanderrouten mit geringen Steigungen angelegt. Alle 100 Meter befinden sich dort Hinweistafeln zu Entfernungen und Höhenmetern. Weg Nr. 1 ist lediglich eine kleine Runde im unteren Teil des Parks, während Weg Nr. 3 bis auf den knapp 1.200 Meter hohen Hausberg der Stadt, Maloje Sedlo, hinaufführt. Wer nicht den ganzen Weg zu Fuß gehen will, kann auch mit einer Seilbahn fahren. Im oberen Teil des Park ist bei guter Sicht die gewaltige Doppelspitze des Elbrus hervorragend zu erkennen. 2016 hat die russische Regierung das gesamte Gelände zum Nationalpark erklärt.


Schaljapin-Datscha

Литературно-музыкальный музей Дача Шаляпина

Nur wenige Schritte vom Bahnhof von Kislowodsk entfernt steht eine wunderbare, etwas verwunschene Jugendstil-Villa aus dem Jahr 1903. Hier verbrachten in den Jahren vor der Oktoberrevolution einige der größten Genies der russischen Kultur ihre Ferien, darunter die Komponisten Sergej Prokofjew und Sergej Rachmaninow. Bekanntgeworden ist die Villa jedoch als "Schaljapin-Datscha", denn der begnadete Opernsänger war hier ebenfalls zu Gast. Er hatte sich im Sommer 1917 hier eingemietet.

 

Die Original-Inneneinrichtung des Hauses ist leider nicht erhalten geblieben, dennoch lohnt ein Blick in die Villa, wo eine Ausstellung von Schaljapin und seinen großen Rollen erzählt. Besonders sehenswert ist der mit Stuck verzierte kleine Konzertsaal, in dem das ganze Jahr über Lesungen und Musikabende stattfinden. Die Museums-Wärterinnen freuen sich besonders über ausländische Besucher.


Der Ring-Berg

Гора Кольцо / Кольцо-гора

Ring-Berg Kislowodsk Кольцо-Гора Кисловодск
Der markante Ring-Berg bei Kislowodsk

Nordwestlich von Kislowodsk zieht seit jeher ein eigentümlicher ringförmig geformter Felsen Besucher an. Der 871 Meter hohe Ring-Berg ist Teil eines Sandstein-Bergrückens des Borgustan-Gebirgszugs, der auch an anderen Stellen durch Erosion recht durchlöchert aussieht. Schon Michail Lermontow beschrieb diesen Felsen 1840 in seinem Roman "Ein Held unserer Zeit" als "Tor, von der Natur geformt". Moderne Zeitgenossen gehen mit dem Naturdenkmal leider nicht sonderlich pfleglich um: Der Ring-Berg ist voller Graffiti. Außerdem ist es recht voll dort, denn der Fels ist ein beliebtes Ziel für Ausflugsbusse aus allen Mineralwasser-Kurorten. Der Weg von einem Parkplatz und den Ständen der Souvenirverkäufer nach oben nicht weit, aber recht steil und führt über rutschige, ausgetretene Stufen. Direkt nach einem Platzregen könnte es problematisch werden, dort hinaufzuklettern.


Der Rhein-Wolga-Kanal empfiehlt:

Hotel "Panorama Spa"

Hotel Panorama Spa Спа-отель Панорама Кисловодск
Eine gute Adresse in Kislowodsk: Das Hotel Panorama Spa

Bei unserer Kaukasus-Reise im Frühjahr 2018 sind wir für rund eine Woche in dem fantastischen Hotel "Panorama Spa" untergekommen. Hier gibt es ein nahezu unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis. Eine Übernachtung im Doppelzimmer kostete im Frühjahr 2018 umgerechnet etwas mehr als 30 Euro. Dafür können Hotelgäste vormittags kostenlos den funkelnagelneuen Wellness-Bereich mit Pool, Sauna und Türkischem Bad nutzen, es gibt einen stündlichen kostenlosen Shuttle-Bus zum Kurpark und das angeschlossene Restaurant serviert leckere kaukasische Küche für wenige Rubel (halal, wen es interessiert). Wir haben fast jeden Abend dort gegessen, weil es uns so gut gefiel.

Das erst vor einigen Jahren eröffnete Hotel liegt zu Fuß zehn (bergab) bis 15 (bergauf) Minuten vom Kurort-Boulevard entfernt. Ganz in der Nähe gibt es eine Minibus-Haltestelle, an der man selten länger als ein-zwei Minuten warten muss. Keine 200 Meter entfernt befindet sich außerdem der Bauernmarkt von Kislowodsk, wo die Bewohner der Bergdörfer ihren Schafskäse, Gemüse und andere Leckereien verkaufen. 


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