"Alles auf den Solowki erzählt von der Unwirklichkeit der irdischen Welt und von der Nähe der jenseitigen."

 

Dmitri Lichatschow (1906-1999), russischer Literaturwissenschaftler, von 1929 bis 1931 Lagerhäftling auf den Solowezki-Inseln

  

Weiße Nächte, Weißes Meer, weiße Wale

- Reisebericht Nordrussland

Unzählige Seen, dichte Wälder und stille Buchten im Süden, nördlich davon Waldtundra und sogar ein kleines echtes Gebirge - die Landschaften zwischen Karelien, Weißem Meer und Halbinsel Kola sind ein Traum für Liebhaber von wilder Natur und Einsamkeit. Und als wäre das nicht genug, locken in Russlands Norden noch die einzigartigen Solowezki-Inseln, auf denen sich die ganze Dramatik der russischen Geschichte widerspiegelt wie in einem Brennglas. Im Sommer 2018 verbanden wir einen Besuch in Sankt Petersburg mit einer Reise zum Polarkreis. Während Russlands Metropolen ganz im Zeichen der Fußball-WM standen, erlebten wir im Norden unser völlig anderes „Sommermärchen“, in dem es nachts niemals dunkel wurde.

Solowezki-Kloster Insel Weißes Meer Weiße Nächte
Sommerabend auf den Solowezki-Inseln

Unsere Reiseroute:

Nachdem wir zwei Jahre in Folge in den Sommerferien die Uralregion und die östlichsten Zipfel Europas erkundet hatten, schien 2018 die Zeit reif für eine Fahrt in das Reich der Weißen Nächte – soweit nach Norden, wie es dort Schienen gibt. Von Moskau aus starteten wir mit dem Zug nach Sankt Petersburg. Nach ein paar Tagen reisten wir über Nacht in die Hafenstadt Kem nach Karelien und weiter mit der Fähre auf die Solowezki-Inseln im Weißen Meer. Im Anschluss stand eine weitere Bahnfahrt über Nacht nach Murmansk an. Vor der langen Rückreise verbrachten wir noch einige Tage in Russisch-Lappland am Rand des Chibinen-Gebirges. Insgesamt belief sich die reine Zugstrecke ohne Anreise nach Moskau auf über 4.000 Kilometer.


Moskau

Москва

Moskauer Kreml Kathedralenplatz
Am Kathedralenplatz des Moskauer Kremls

In die Sommerferien 2018 starten wir getrennt. Gleich zu Ferienbeginn fährt die Familie ohne mich voraus - zu einem Besuch bei der Großmutter nach Moskau, ich folge eine knappe Woche später. Bei der Billig-Airline „Pobeda“ gibt es null Service, aber einen tollen Landeanflug auf Moskau-Wnukowo.


Auf der Suche nach einem Ausflugsziel wird uns bewusst, dass unser Sohn als gebürtiger Moskauer noch nie im Leben im Moskauer Kreml war. Das geht natürlich so auf Dauer nicht. In Putins Präsidenten-Burg fällt uns die enorme Menge chinesischer Touristen ins Auge.


Zu diesem Zeitpunkt dreht sich in der Stadt noch alles um die Fußball-WM. Sogar der weltberühmte Rote Platz wurde kurzerhand zum Fußballplatz umfunktioniert. Die Stimmung ist glänzend, denn die russische Sbornaja hat gerade Spanien aus dem Turnier geworfen. Nur deutsche Fans sind aus naheliegenden Gründen nicht zu sehen. Eigentlich hatten die Moskauer Behörden eine „Fanzone“ auf den Sperlingsbergen an der Lomonossow-Universität eingerichtet, aber für die meisten Touristen und Fußballfans war das viel zu weit ab vom Schuss. Informelle Party-Meile wurde stattdessen die vor einigen Jahren zur Fußgängerzone erklärte Nikolskaja-Straße. 

Das dramatische Viertelfinale Russland-Kroatien verfolgen wir teilweise in einem Vorortzug, in dem alle Pendler gebannt auf ihre Smartphones starren. Riesiger Jubel nach dem russischen Führungstreffer hallt in mehreren Wellen durch die Elektritschka - je nach Internet-Geschwindigkeit der Fahrgäste etwas zeitversetzt.


Sankt Petersburg

Санкт-Петербург

Fontanka Фонтанка Sankt Petersburg
Am Fontanka-Kanal in St. Petersburg

Nach nur zwei Nächten in der Nähe von Moskau und ein paar, meist kurzen Treffen mit Freunden und Verwandten starten wir zu viert zu unserer eigentlichen Rundreise. Mit dem Nachtzug fahren wir ins anfangs noch trübe Sankt Petersburg. Dort haben wir ein Zimmer in einem Altbau am Fontanka-Kanal gebucht.

Eine gute Freundin guter Freunde aus Rheinland-Pfalz, bietet sich spontan an, uns auf Dostojewskis Spuren durch das Zentrum zu führen. Wir laufen an den Kanälen entlang, bis uns allen die Füße qualmen. Unter anderem sehen wir das Haus, in dem Rodion Raskolnikow in „Schuld und Sühne“ die herzlose Geldverleiherin ermordet.


Nicht weit davon befindet sich der Schauplatz eines ganz realen Verbrechens: Im Jussupow-Palast fiel der dubiose Wandermönch Rasputin 1916 einem Mordkomplott von Adeligen zum Opfer. Irgendwann kommen wir zur lange verwahrlosten Insel „Neu-Holland“. Das einstige Holzlager der Petersburger Schiffbauer wurde ein sympathischer Park mit tollem Spielplatz und extravagantem „Flamingo-Teich“. 

Die berühmten Weißen Nächte sind bei unserer Ankunft am 9. Juli schon fast vorüber. Nur ein heller Streifen am Horizont verschwindet die ganze Nacht über nicht. Dennoch ist die Atmosphäre an den Kanälen und an der breiten Newa noch fantastischer als sonst. Vier Tage sind auch definitiv viel zu wenig Zeit für die vermutlich schönste Stadt der Welt, in der ganze Straßenzüge aus Palästen bestehen, jeder Hinterhof zu neugierigen Blicken einlädt und die Zahl der Museen alle vernünftigen Grenzen sprengt. Zwar kennen wir schon viele Orte in der Stadt, aber manche muss man einfach jedes Mal wieder sehen – wie den Winterpalast, den Schauplatz der Oktoberrevolution.

Einen Abend verbringen unser Sohn und ich zwischen Fußballfans aus aller Welt beim WM-Schauen vor der Blutkirche. Zum Halbfinale Frankreich-Belgien haben manche Russen sich die belgische Fahne auf eine Wange gemalt und die französische auf die andere. Am Morgen darauf kann ich die restliche Familie auch zu einem Besuch im 2017 neu eröffneten Russischen Eisenbahnmuseum bewegen. Das Gelände eines ehemaligen Lokdepots am Baltischen Bahnhof mit über 100 historischen Fahrzeugen von der Dampflok bis zum Sowjet-Schnelllzug „ER-200“ und vielen Multimedia-Spielereien ist grandios.


Peterhof

Петергоф

Große Kaskade Wasserspiele Springbrunnen Peterhof Sankt Petersburg
Die Große Kaskade vor dem Sommerpalast von Peter dem Großen

Wenige Meter vom Museum entfernt fahren die Vorortzüge raus aus der Stadt zur 45 Minuten entfernten, einstigen Zarenresidenz Peterhof. Das Schloss-Ensemble mit seinen Springbrunnen, oft als „Versailles an der Ostsee“ bezeichnet, zählt zurecht zu den größten Attraktionen von St. Petersburg. Die Folge: Peterhof ist extrem überlaufen.

Auch die Preispolitik mit happigen, nur mit List vermeidbaren Ausländerzuschlägen und Zusatzkosten für jedes Gebäude liegt hart an der Grenze des guten Geschmacks. Wir beschränken uns auf eine Besichtigung des Parks und seiner vielen Brunnen.


Neben den pompösen Wasserspielen der Großen Kaskade vor dem Sommerpalast Peters des Großen sind über den riesigen Park hinweg etliche weitere Brunnen verteilt, darunter auch einige sogenannte „Scherzfontänen“. Aus dem „Regenschirm“, einer Konstruktion zur Belustigung adeliger Gäste, begann es zu sprudeln, sobald sich jemand auf die Sitzbank in der Mitte setzte. Mittlerweile fließt das Wasser ständig. 

Schließlich treffen wir an unserem letzten Tag sogar noch unsere rheinland-pfälzischen Nachbarn, die auch gerade auf Russland-Reise sind. Nach Aufteilung der Gruppe führt das separate Herren-Programm in die prachtvolle Isaakskathedrale, um deren Schicksal ein heftiger Streit zwischen Kirchenoberen und Museumsleuten entbrannt war. Noch ist die Kirche ein Museum. Inzwischen haben sich auch die Wolken der ersten beiden Tage restlos verzogen – und in Petersburg ist der echte Sommer angebrochen. Nach dem Besuch auf der Aussichtsplattform der Kathedrale bleibt nur noch Zeit für ein Mittagsgelage mit Chatschapuri und Lobio in einem georgischen Lokal, dann trennen sich unsere Wege.


Unterwegs nach Norden

Rabotscheostrowsk Karelien Küste Weißes Meer
Der erste Blick auf das Weiße Meer, Rabotscheostrowsk, Karelien

Unsere Tochter kehrt jetzt nämlich zur Großmutter in die Nähe von Moskau zurück. Sie hatte mehr Lust auf Großstadt als auf die einsamen Gegenden, die wir nun ansteuern wollten. Dank Breitspur-ICE „Sapsan“ („Wanderfalke“) dauert ihre Fahrt weniger als vier Stunden.

Uns bleibt noch Zeit für einen Biergarten-Plausch mit meiner früheren Petersburger Kollegin, die ich seit unserem Wegzug aus Moskau vor über zehn Jahren nicht mehr gesehen hatte. Anschließend steigen wir zu dritt in einen Schlafwagenzug, der uns in den Norden der Republik Karelien bringt.

Die Fahrt durch Karelien am kommenden Morgen ist landschaftlich durchaus reizvoll, ständig blitzt vor dem Zugfenster das Wasser einsamer Seen auf, manchmal sogar auf beiden Seiten des Zuges gleichzeitig. 13 Stunden nach der Abfahrt in St. Petersburg erreichen wir die unspektakuläre Kleinstadt Kem. Dort bringt uns ein Taxi sofort zum Fähranleger.

 

Unser Ziel sind die legendären Solowki. Der entlegene Kloster-Archipel im Weißen Meer ist am einfachsten von Karelien aus zu erreichen. Im Sommer verkehren täglich Fähren, besser gesagt: Seelenverkäufer. Tickets hatte ich lange im Voraus reserviert. „Die Beförderungsregeln werden befolgt und dürfen nicht diskutiert werden“, gibt eine resolute Dame letzte Anweisungen an die 80 Passagiere des vollbesetzten Kahns. Möwen füttern ist ausdrücklich erlaubt. Bald stechen wir in See und passieren zunächst die unbewohnte Inselgruppe des Kusow-Archipels.


Solowezki-Inseln

Соловецкие острова

Solowetzki-Inseln Kloster Соловецкий монастырь
Abendstimmung auf den Solowetzki-Inseln

Bei der Ankunft auf den Solowezki-Inseln zwei Stunden später wird sofort klar: Hier beginnt eine andere Welt. 

 

Die Solowezki-Hauptinsel liegt rund 160 Kilometer südlich des Polarkreises, ist größer als Fehmarn und weitgehend unbesiedelt. Nur um das 500 Jahre Wehrkloster herum leben in einer kleinen Ortschaft 900 Menschen. Auf den staubigen Wegen sind nur wenige Autos unterwegs, dafür viele Fahrräder.

Außer der wechselvollen Geschichte und der entsprechenden Aura gibt es nordische Landschaften wie aus dem Bilderbuch mit Fichten- und Birkenwäldern, einsamen Buchten und über 500 Seen. Auch das Weiße Meer zeigt sich in diesem Sommer von seiner schönsten Seite. 

 

Seit die Unesco das Solowezki-Kloster nach dem Ende der Sowjetzeit zum Welterbe erklärte und die Mönche zurückkehrten, haben sich die Inseln zum Sehnsuchtsziel für orthodoxe Pilger und zivilisationsmüde Großstadt-Flüchtlinge entwickelt. Atemberaubend ist die Abendstimmung am Klosterhafen bei Glockengeläut und Möwengeschrei. Während der fünf Tage auf den Solowki wird es nie dunkel.

 

Jeden Morgen führt auch unser erster Weg gewöhnlich ins Kloster: In einem Speisesaal voller Ikonen können Pilger, aber auch gewöhnliche Touristen frühstücken. Es gibt leckere Piroggen und Preiselbeer-Kompot, doch Kaffee ist Tabu. Die Bezahlung mit Kreditkarte funktioniert hingegen problemlos.

 

Ab 1923 wurde der Name der Inseln zum Synonym für den Terror. Das Solowezki-Kloster hat auch eine furchtbare Vergangenheit als Sowjet-Straflager. Bis heute kann niemand genau sagen, wie viele Häftlinge hier umkamen. Davon erzählt eine Historikerin, die unsere Vermieterin während unseres Besuchs zu einem Vortrag in ihr Fischlokal einlädt. Baracken aus der Gulag-Zeit stehen noch im Dorfzentrum.

 

Überall an der Küste hört man das tiefe Glucksen der Eiderenten, die ihre Küken so vor zu kühnen Ausflügen warnen (auf Russisch heißt die Entenart passend „Gaga“). Auf der Insel soll es auch einige Seeadler geben. Die bekommen wir aber nicht zu Gesicht. Auch die Elche, die sich in den Wäldern tummeln, bleiben vor uns verborgen.

 

Um zu den interessantesten Orten der Insel zu gelangen, brauchen wir Fahrzeuge. Die beiden Fahrradverleiher überzeugen uns nicht, denn sie haben nur schlecht gepflegte, überteuerte Räder, an denen sich während der Fahrt die Schrauben lösen. Aber leider haben sie hier das Monopol. Zum Wandern sind die Entfernungen definitiv zu groß.

 

Wir erkunden den von Mönchen angelegten Botanischen Garten und radeln zum Südende der Insel mit seiner tundraartigen Vegetation. Das kalte Weiße Meer ist definitiv nicht zum Baden geeignet, aber unser Sohn will überall ins Wasser, erst recht am hiesigen „Malibu Beach“.


Das Weißwal-Kap

Мыс Белужий

Beluga Solowezki Inseln Weißwal белуха Соловецкие острова
Belugawale an der Küste der Solowezki-Inseln (Foto: Anna Packeiser)

Ein Tagesausflug verlangt uns alles ab: Die Solowki, so hatte ich gelesen, gelten als weltweit bester Ort, um Weißwale zu beobachten. Am Belugawal-Kap bringen die Meeressäuger ihre Kinder zur Welt. Der Weg dorthin führt erst mit dem Rad, dann zu Fuß durch einen mückenverseuchten Wald, danach bei Ebbe durchs Watt am Rand einer Kolonie angriffslustiger Polarseeschwalben vorbei auf eine winzige Insel.

 

Zum Schutz vor Angriffen halten wir die ganze Zeit Äste in die Luft, denn die Vögel attackieren nur den höchsten Punkt ihrer Feinde. Die Strapazen lohnen sich: Am Belugawal-Kap schwimmen wenige Meter vom Strand 20 oder 30 Weißwale umher.

 

Meist pflügen die dunklen Walkälber und die schneeweißen Elterntiere ruhig durch die stille See und man sieht nur ihre Rücken, aber manchmal kann man hören, wie sie miteinander kommunizieren. Ab und zu schauen die Belugas sogar neugierig aus dem Meer. Hier könnte man stundenlang still und ehrfürchtig am Strand sitzen. Aber zum einen wird unser Sohn ungeduldig, und außerdem setzt die Natur uns Grenzen: Rechtzeitig vor Rückkehr der Flut müssen wir auf die Hauptinsel zurückkehren. 

Belugawale im ersten Rhein-Wolga-Kanal-Tierfilm:


Murmansk

Мурманск

Aljoscha Murmansk Denkmal Verteidiger der sowjetischen Arktis
Beton-Soldat "Aljoscha" erinnert an die Verteidiger von Murmansk

Nach vier Nächten verlassen wir die Solowki wieder. Auf die winzige Fähre zwängen wir uns zusammen mit einer deutschen „Rotel“-Reisegruppe. Es ist windiger als auf der Hinfahrt und das Boot gerät ordentlich ins Schlingern. Die Zeit bis zur Abfahrt des Nachtzugs verbringen wir im Hafenlokal – bei leckeren Rentier-Frikadellen.

 

Für einige Nächte wollen wir noch weiter nach Norden. Unser Ziel sind die Chibinen, ein Gebirge in der Mitte der Halbinsel Kola und eine der letzten echten Wildnis-Regionen Europas. Da die Züge den nächstgelegenen Bahnhof zwischen zwei und vier Uhr morgens passieren, beschließen wir, bis zur Endstation Murmansk mitzufahren.

 

Murmansk ist die größte Stadt der Erde nördlich des Polarkreises. Das Leben hier wird vom harten Klima, dem dank Golfstrom eisfreien Hafen und dem Militär bestimmt. Schön ist es hier nicht. Aber die Lage am Kola-Fjord, Hafenkräne und auf die Felsen gesetzte graue Plattenbauten geben dem Ort ein dramatisches Antlitz.

 

Rund um Murmansk liegen Sperrgebiete und geheime U-Boot-Häfen. Dennoch bin ich überrascht, dass mich sofort am Bahnsteig ein junger Mann in Zivil fragt, ob ich der Deutsche aus Waggon 9 sei. Der FSB möchte nämlich wissen, wie lange ich bleibe. Nach einem Blick in den Pass wünscht der Schlapphut einen schönen Aufenthalt. 

 

Tatsächlich sind wir hier nur wegen einer einzigen Attraktion: Im Hafen von Murmansk liegt ein Schiff der Superlative vertäut - der weltweit erste Atomeisbrecher „Lenin“. Er hatte seit 1959 den Seeweg nördlich von Sibirien für die Schifffahrt freigehalten. Eine sympathischer Offizier führt uns unter anderem in die Kabine des 1. Offiziers, den gediegenen Konferenzraum, den Reaktor-Kontrollraum und auf die Brücke. Außerdem besuchen wir noch das gigantische Denkmal für die "Verteidiger der sowjetischen Arktis", im Volksmund "Aljoscha" genannt.

Ausgerechnet heute erlebt Murmansk den heißesten Tag seiner Geschichte, und im Zentrum beginnt der Straßenbelag zu schmelzen. Noch am Nachmittag steigen wir wieder in einen Zug und fahren Richtung Süden durch Russisch-Lappland.


Chibinen-Gebirge

Хибины

Chibinen Maly Wudjawr Хибины
Blick auf den Maly-Wudjawr-See, die "Perle der Chibinen"

Die Chibinen, sind ein unwirtlicher Flecken Erde mit Gipfeln von maximal 1.400 Metern Höhe. Deren ulkige Namen wie Tachtarwumtschorr oder Kukiswumtschorr erinnern an das Nomadenvolk der Samen, das hier einst mit seinen Rentieren lebte. Abgesehen von Kirowsk, einer Bergarbeiter-Stadt mit Skisport-Ambitionen, gibt es keine Siedlungen oder Straßen. Wer auf Treckingtour geht, braucht einen Bergführer.

 

Wir trauen uns deshalb nicht tief in die Wildnis hinein, haben ein Zimmer in einem komfortablen Bergarbeiter-Sanatorium gemietet und unternehmen von dort aus Tageswanderungen in die Umgebung. Das keine 100 Jahre alte Kirowsk selbst ist eher trist.

 

Um später einmal richtig angeben zu können, springen wir bei einem Ausflug sogar in einen einsamen, eiskalten Bergsee. Soweit im Norden haben wir noch nie gebadet. Der Versuch, den See zu umrunden, scheitert anschließend grandios. Es gibt nur einen Pfad, und der führt uns immer höher in die Berge.

 

Weit oberhalb der Baumgrenze endet er, und weil wir nicht blindlings durchs Geröll stolpern wollen, treten wir den Rückzug an. Die grandiosen Aussichten machen nur einen Teil der Familie glücklich. Entspannung bringt aber das moderne Schwimmbad unseres Hotels, dessen Gelände viele der Vollpension-Kurgäste offenbar nie verlassen.


Zurück nach Moskau

Bahnhof Kandalakscha Murmansker Gebiet Lokomotive
Zwischenhalt am Bahnhof Kandalakschka

Nach drei Nächten in den Chibinen geht es nun den weiten Weg zurück nach Moskau. Allein nach Sankt Petersburg sind es fast 24 Stunden. Unser Abteil teilen wir mit einer total sympathischen Bauarbeiterin, die einst unser Sanatorium mitgebaut hatte.

Unterwegs kann ich bei einem Zwischenstopp einen Eimer mit Moltebeeren kaufen. Sie gelten als edelste Früchte des Nordens und werden in Russland als Medizin bei Depressionspatienten eingesetzt, weil sie angeblich glücklich machen. Leider verderben die reifen „Sumpfbrombeeren“ blitzschnell, deshalb sind sie in Moskau fast nie zu kaufen. 

In der Nähe von Moskau nehmen wir unsere Tochter in Empfang, und sofort nach unserer Ankunft muss meine Schwiegermutter Marmelade aus den mitgebrachten Beeren kochen. Am nächsten Tag fliegen Tochter und ich mit der Abend-Maschine von Aeroflot nach Berlin. Meine Frau und unser Sohn starten zeitgleich mit dem Zug nach Warschau und weiter nach Rheinland-Pfalz. Zweieinhalb ereignisreiche Wochen sind im Nu vergangen.


Passend zum Thema in unserem Reiseblog:


Kommentare: 1
  • #1

    Anita (Freitag, 10 August 2018 08:51)

    Wow, eine tolle Reise und spannende Gegend ...

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