"Aus einer Müllhalde ist ein hervorragender öffentlicher Raum geworden, und man muss sich nicht schämen, Touristen dorthin einzuladen. Wir können, wenn wir wollen!"

 

Ilja Warlamow (1984- ), russischer Architekt und Blogger


St. Petersburgs ziemlich coolste Insel - Neu-Holland

Новая Голландия

Der jahrzehntelange Streit um die Zukunft eines heruntergekommenen Militärgeländes am Rande des St. Petersburger Zentrums hat sich letztlich gelohnt: Auf der lange im Dornröschenschlaf versunkenen künstlichen Insel Neu-Holland ist aus ehemaligen Kasernen, Lagerhäusern und einem früheren Gefängnis eine der angesagtesten Adressen der Stadt geworden. Mit allerlei Kunst, Gastronomie, Liegewiesen zum Picknicken und einem tollen Spielplatz vor der Kulisse historischer Backsteinbauten aus dem 18. Jahrhundert haben die Verantwortlichen bei der Umgestaltung Maßstäbe in Sachen moderner Stadtplanung gesetzt - und dem einstigen Kriegshafen neues Leben eingehaucht. Kaum irgendwo ist das alte, historische Petersburg so modern wie hier.

Künstliche Insel Neu-Holland in St. Petersburg
Flamingo-Becken in Neu-Holland

Neu-Holland ist fast so alt, wie die Stadt St. Petersburg: Die Insel (genau genommen sind es eigentlich sogar zwei Inseln) entstand 1719, als im sumpfigen Delta zwischen Newa und Moika zwei Kanäle gegraben wurden. Schon bald entstanden hier Lagerhäuser für das Holz der benachbarten Schiffswerften. Die heute noch in Teilen erhaltene Bebauung stammt aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, darunter auch der riesige klassizistische Torbogen, der die Einfahrt für Boote markierte.

Torbogen von Neu-Holland an der Moika
Blick vom gegenüberliegenden Ufer der Moika auf Neu-Holland

Das ganze Eiland wurde zum Militärgelände, hier entstanden im 19. Jahrhundert ein ringförmiges Gebäude als Gefängnis der Kriegsmarine, ein kleines Hafenbecken zur Erprobung neuer Kriegsschiffe, später auch eine wichtige Funkstation. Bis 2004 war Neu-Holland als Militärliegenschaft für Zivilisten unzugänglich. Nachdem die Marine das Gelände verlassen hatte, entbrannte eine langjährige Debatte um die Umnutzung der Insel. Zeitweise hatten Gestalten wie Stararchitekt Norman Foster und der Milliardär Roman Abramowitsch große Pläne hier.

Seit 2016 können Besucher das umgestaltete Neu-Holland besuchen: Das ehemalige Gefängnis und das Kommandantenhaus

dienen jetzt als Veranstaltungsort für Kultur-Events. Außerdem werden hier verschiedene Kurse für Kinder und Jugendliche angeboten - zum Beispiel Theater spielen, Bloggen oder Fotografieren. Es gibt auch Gastronomie, und ringsum wurde ein schöner Park mit Kräutergarten angelegt.

Wer Lust hat, kann seine Kinder hier auf einem grandiosen Schiffs-Skelett herumklettern lassen oder mit ihnen Schiffe versenken oder Schach spielen. Die für die Umgestaltung Verantwortlichen haben eine ganze Reihe von internationalen Stadtplaner-Preisen abgeräumt.

Neu-Holland ist werktags von 9 Uhr morgens bis 22 Uhr abends und an Wochenenden bis 23 Uhr geöffnet.

 

Fotos aus Neu-Holland:

Anfahrt - So kommt ihr nach Neu-Holland:

Eine Metro-Station in der Nähe von Neu-Holland gibt es bislang nicht, die dichteste (Admiraltejskaja, violette Linie Nr. 5) befindet sich knapp 2 Kilometer von der Insel entfernt. Die Busse 3, 6, 22, 27, 70, 71 und 100 sowie die Trolleybusse 5 und 22 stoppen in der Nähe an der Haltestelle "Platz der Arbeit" ("Ploshad Truda"). Am besten nähert Ihr Euch Neu-Holland aber ohnehin bei einem ausgedehnten Spaziergang entlang der Moika.


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