"Was passiert, wenn man die Beamten zwingen würde, nur noch mit der Metro zu fahren? Am Anfang wäre alles gut, aber dann würden sie Sonderzüge mit Blaulicht einführen, die gegen die Fahrtrichtung verkehren."

Von der russischen Witze-Webseite anekdotov.net

Nahverkehr mit Pomp und Pathos - Die Moskauer Metro

Московский метрополитен

Über 200 Stationen, fast 340 Kilometer unterirdischer Schienenstrecken, bis zu 9,5 Millionen Fahrgäste täglich - Die Moskauer Metro ist zweifellos eine U-Bahn der Superlative. Die Menschenmassen wirken auf Moskau-Neulinge zuweilen ebenso beängstigend wie die endlos langen Rolltreppen, die doppelt so schnell wie deutsche in Tiefe hinabführen. In Stoßzeiten verkehren die Züge annähernd im Minutentakt, und jeder Besucher der Stadt tut gut daran, sich mit dem Streckennetz vertraut zu machen. Denn so schnell wie mit der Metro kommt man auf den ewig verstopften Straßen der Stadt gewiss nicht zum Ziel. Doch Moskaus U-Bahn ist nicht nur ein äußerst effizientes Nahverkehrssystem, sondern auch eine Sehenswürdigkeit, die niemand verpassen sollte. Viele Stationen wurden aufwendig mit Marmor, Skulpturen und Wandbildern verziert. Besonders auf die Haltestellen aus der Stalin-Zeit passt der Begriff von den "Unterirdischen Kathedralen". 

Metro Majakowskaja Moskau
Die Metro-Station Majakowskaja unterhalb des "Triumph-Platzes"

In den vergangenen Jahren ist mächtig in die Moskauer Metro investiert worden. Mittlerweile werden wieder jedes Jahr neue Stationen eröffnet, an mehreren Stellen reicht das Liniennetz inzwischen sogar schon über die Ringautobahn hinaus, die lange Zeit die Stadtgrenze von Moskau bildete. Seit 2014 gibt es auf allen Linien kostenloses WLAN

 

Wer häufiger mit der Metro unterwegs ist, sollte sich Mehrfahrtenscheine besorgen, eine einfache Fahrt kostet inzwischen 55 Rubel (umgerechnet weniger als 90 Cent), dafür kann eine beliebig lange Strecke gefahren oder theoretisch auch eine ganztägige Besichtigungstour aller Stationen unternommen werden, solange der Fahrgast zwischendurch keine der Ausgangssperren passiert.

Wichtig zu wissen für Nachtschwärmer: Um 1 Uhr nachts schließen Metro-Eingänge und die Übergänge an den Umsteigestationen. Die Weiterfahrt bis zur Endstation, für alle, die es bis dahin auf den Bahnsteig geschafft haben, ist aber noch möglich.


Moskau Metro Rolltreppe
Auf den Moskauer Metro-Rolltreppen gilt: Rechts stehen, links gehen.

Ich selbst habe in Moskau nie ein Auto besessen, weil die Metro einfach unheimlich praktisch war Mit der Faustregel "Drei Minuten pro Station plus drei Minuten pro Umstieg von einer auf eine andere Linie" konnte man jederzeit seine Fahrtzeit ziemlich genau vorhersehen und annähernd auf die Minute genau zu Terminen in der Innenstadt erscheinen. Einziger Risikofaktor waren die gelegentlich riesigen Menschentrauben an den Umsteigestationen, die die Berechnungen kaputtmachen konnten. Gestört haben mich an der Moskauer Metro immer nur drei Dinge: Neben dem unangenehmen Gedränge morgens und abends sind das der Lärm während der Fahrt, der Gespräche fast unmöglich macht und die unangenehme Zwangsbeschallung mit Werbespots auf den Rolltreppen. Bedauerlicherweise sind die meisten Stationen bis heute alles andere als barrierefrei. Für Eltern mit Kinderwagen oder ältere Menschen ist die Metro eine echte Herausforderung.


Sehenswürdigkeit Metro

Die erste Linie der Moskauer Metro (auf den heutigen Plänen ist es die rote) wurde 1935 zwischen dem Gorki-Park ("Park Kultury") und der Station "Sokolniki" im Nordosten der Stadt eröffnet. In den Jahren des Zweiten Weltkriegs dienten einige Stationen zugleich als Luftschutzräume. Nach 1945 entstanden in den späten Jahren der Stalin-Herrschaft die pompösen Stationen der Ringlinie, danach wurde etwas sparsamer gebaut. Aber auch einige der moderneren Stationen, etwa "Tschechowskaja" oder "Park Pobedy" sind durchaus sehenswert."

Empfehlungen für eine Besichtigungstour (mit) der U-Bahn

Oberste Regel für eine Besichtigung der schönsten Metro-Stationen in Moskau sollte sein: Je später am Abend, desto besser, am besten sollte es ab 22 Uhr losgehen, dann sind die Stationen schon relativ leer, obwohl die Züge dann nicht mehr so häufig fahren. Wer hingegen zu Stoßzeiten im Gedränge Details irgendwelcher sozialistischer Mosaike studieren oder gar fotografieren möchte, wird möglicherweise schneller im Pendlerstrom hinfortgetrieben, als ihm lieb ist. Für einen ersten Überblick über das U-Bahn-System empfehlen wir folgende Route, die beispielsweise unweit des Roten Platzes beginnen und enden könnte:

Ploschtschad Rewoljuzii

Площадь Революции

Moskau Metro Ploschtschad Rewoljuzii

Die Station "Revolutionsplatz" wurde 1938 eröffnet. 76 Bronzefiguren symbolisieren den Ablauf der Oktoberrevolution. Soldaten, Arbeiter, Matrosen sind zu sehen. Auch die Bildnisse von Müttern mit Kindern und Studenten schmälern den martialischen Eindruck nicht, der beim Besuch der Station entsteht. Die Schäferhund-Schnauze oder den Matrosen-Revolver zu berühren, bringt angeblich Glück.

Arbatskaja

Арбатская

Moskauer Metro Arbatskaja

Die nächste Station der "dunkelblauen Linie" aus dem dem Jahr 1953 liegt an der heutigen Fußgängerzone Arbat. Mit ihren ellipsenförmigen Bögen, den Stuckverzierungen und allerlei Kronleuchtern handelt es sich um ein Paradebeispiel stalinistischer Architektur. Manche Motive lehnen sich aber auch an die altrussische Baukunst an.



Kiewskaja

Киевская

Moskauer Metro Kiewskaja

Unter dem Kiewer Bahnhof können Metropassagiere von der dunkelblauen auf die Ring-Linie umsteigen. Beide "Kiewskaja"-Stationen haben die Ukraine zum Thema. Aufwändige Mosaike in der Ringlinien-Station widmen sich Themen wie Puschkins Ukraine-Reise oder dem "sozialistischen Wettbewerb zwischen den Metallurgen des Urals und des Donbass".

Krasnopresnenskaja, Belorusskaja, Nowoslobodskaja

Краснопресненская, Белорусская, Новослободская

Die drei folgenden Stationen der Ringlinie sind ebenfalls alle sehr sehenswert. Thematisch geht es in der "Krasnopresnenskaja" um die erste russische Revolution von 1905, an der Station "Belorusskaja" um das sozialistische Weißrussland. Eindrucksvoll ist hier das große Partisanendenkmal am Übergang zwischen Ringline und grüner Linie. Die Station "Nowoslobodskaja" von 1952 weicht mit ihren effektvoll beleuchteten Buntglasscheiben von der üblichen sozialistischen Kunst jener Zeit ab.



Majakowskaja

Маяковская

Moskauer Metro-Station Majakowskaja

Bei wenig Zeit empfehlen wir, eine Station zurückzufahren und auf die grüne Linie umzusteigen. Einen Stopp vom Weißrussischen Bahnhof entfernt befindet sich mit der "Majakowskaja" meine Lieblingsstation. Den Bahnsteig schmücken mit Edelstahl verkleidete Säulen. Die Mosaiken unter der Decke widmen sich der sowjetischen Luftfahrt. Der Architekt Alexej Duschkin erhielt 1939 für seine Art-Deco-Station einen Grand Prix der Weltausstellung in New York.

Andere sehenswerte Stationen

Alternativ können Metro-Touristen auch die komplette Ringlinie abfahren. Sehenswert sind ebenso viele Stationen der "dunkelblauen Linie" stadtauswärts Richtung Osten aus den Vierziger Jahren. Die Metrostation "Worobjowyj Gory" ("Sperlingsberge") liegt auf einer Brücke über den Moskwa-Fluss. Wegen schwerer Baufehler musste sie 1983 geschlossen werden. Fast zwei Jahrzehnte lang rollten die Züge im gedrosselten Tempo ohne Zwischenstopp über den Fluss, die hübsche Aussicht war durch Metall-Bauzäune versperrt. Seit 2002 ist die Station nun wieder in Betrieb. 



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