Klein, aber großartig - Rostow Weliki

Ростов Великий

Unter den altrussischen Städten des sogenannten Goldenen Rings ist Rostow eines der spannendsten Reise- und Auflugsziele: Sein rund 350 Jahre alter Kreml bildet vor dem Ufer des malerischen Nero-Sees eine wahrhaft spektakuläre Kulisse. Die Kleinstadt trägt den Beinamen "Weliki" - damit ja niemand das "Große" bzw. "Großartige" Rostow mit dem in Wahrheit unvergleichlich größeren Rostow am Don verwechselt. Die Größe des kleinen Rostow liegt in seiner langen Geschichte: Rostow ist eine der ältesten Städte ganz Russlands, wurde aber - ähnlich wie das Bilderbuchstädtchen Susdal - nie zur Großstadt. An Kultur und Geschichte interessierte Reisende finden hier auf kleinem Raum über 300 historische Baudenkmäler. 

Rostow Weliki Kreml Winter
Die Kremlmauer von Rostow Weliki

Steckbrief Rostow:

Gründungsjahr: 862

Zeitzone: Moskauer Zeit

Sehenswert (* - *****): ****

Einwohnerzahl: 31.000

Entfernung von Moskau: 193 Kilometer

Berühmt für: Rostower Kreml



Rostow ist so alt, dass sich seine Anfänge im Dunkel der Geschichte verlieren. Möglicherweise geht die Siedlung auf einen Handelsposten der Wikinger zurück. Als Teil des Fürstentums von Susdal und Rostow gehörte die Region die Stadt zum Kerngebiet des späteren russischen Staats. Bereits ab dem 12. Jahrhundert ging die politische Bedeutung von Rostow allmählich zurück. Die mittelalterliche Stadt wurde später von den Mongolen erobert und zerstört, aber erst 1474 Teil des Moskauer Großfürstentums.

Rostow Weliki Stadtzentrum
Am Kreml von Rostow

Das beeindruckende Kreml-Areal ist deutlich jünger und hatte im Gegensatz zum Moskauer Kreml und anderen, ähnlichen Anlagen von Anfang an eine ganz andere Aufgabe: Erbaut wurde der Kreml nämlich erst im 17. Jahrhundert als Residenz der orthodoxen Metropoliten von Rostow und Jaroslawl, allerdings wurde bereits im 18. Jahrhundert das Zentrum des orthodoxen Bistums ins größere Jaroslawl verlegt und der Kreml verfiel sogar eine Zeit lang, bis er zum Museum umfunktioniert wurde. Angeblich hatten die Kirchenoberen sogar einem Abriss der Anlagen zugestimmt, aber örtliche Kaufleute setzten sich für den Erhalt der Anlagen ein. 

Die größte Kirche auf dem Gelände, die prächtige weiße Entschlafens-Kathedrale mit ihren fünf silbernen Kuppeln (während unseres letzten Besuchs komplett eingerüstet), ist als einzige deutlich älter als die restlichen Bauwerke. Sie besitzt einen separaten, wesentlich jüngeren Glockenturm.

Abgesehen vom Kreml ist das touristisch interessante Zentrum von Rostow äußert kompakt und besteht aus lediglich einer Handvoll Straßen. In der Nähe befinden sich noch vier orthodoxe Klöster. Auch Teile des Zentrums wirkten bei unserem letzten Besuch noch arg verwahrlost.

Rostow Weliki liegt an der Bahnstrecke, die den Jaroslawler Bahnhof in Moskau mit Jaroslawl verbindet. Ein Besuch in der Stadt ist notfalls auch als (anstrengender) Tagesausflug aus der Hauptstadt machbar, die Fahrt mit dem Expresszug dorthin dauert zwischen zwei Stunden 40 Minuten und etwas über drei Stunden. Vor Ort gibt es aber auch Hotels und Restaurants. Wer keinen übermäßigen Komfort verlangt, hat sogar die einzigartige Möglichkeit, direkt im Kreml zu übernachten, und zwar in den Gemächern des "Hauses auf den Kellern" ("Dom na pogrebach") - definitiv eine der ungewöhnlichsten Übernachtungsmöglichkeiten in Russland, die uns bislang begegnet sind.


Fotos von einem Winter-Besuch in Rostow Weliki:


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