"Jurjatin! dachte Juri Shiwago aufgeregt. Die Erinnerungen der verstorbenen Anna Iwanowna und häufig erwähnt von Schwester Antipowa. Wie oft habe ich von den beiden Frauen den Namen der Stadt gehört, und unter was für Umständen sehe ich sie zum ersten Mal."

Boris Pasternak (1890-1960), russischer Schriftsteller, in "Doktor Schiwago"

 

 

Europas östlichste Millionenstadt - Perm

Пермь

Dem Nobelpreisträger Boris Pasternak diente die Stadt im Ural als Vorbild für das literarische Jurjatin, den Ort, an dem der Arzt Juri Schiwago seine Geliebte Lara wiedersieht. Die Sowjets nannten sie zeitweise zu Ehren von Stalins Außenminister in Molotow um. Wegen der vielen Rüstungsbetriebe durften Ausländer lange Zeit überhaupt nicht nach Perm reisen - das Provinzzentrum im Vorural war eine sogenannte geschlossene Stadt, wirkt bis heute sehr sowjetisch und ist von seinen großen Industriegebieten geprägt. Ihm fehlen herausragende Sehenswürdigkeiten, und im Vergleich zum weiter östlich gelegenen Jekaterinburg wirkt die Stadt provinzieller. Allerdings hat Perm sich in den vergangenen Jahren auch als Kulturzentrum überregional einen Namen gemacht. Für Reisende auf der Route der Transsibirischen Eisenbahn lohnt sich ein Zwischenstopp vor allem wegen möglicher Ausflüge in die Umgebung.

Perm Stadtzentrum
Der spröde Charme des Stadtzentrums von Perm

Die Stadt Perm ist noch keine 300 Jahre alt und geht auf die Gründung von Hüttenwerken zur Kupfer- und Silberherstellung zurück. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt zum bedeutendsten Handelszentrum der Ural-Region. Ausschlaggebend für die Rolle von Perm waren seine Lage am "Sibirischen Trakt", der wichtigsten Straßenverbindung zwischen europäischem Landesteil und Sibirien, sowie der Flusshafen an der Kama, über die Schiffe zur Wolga und in den Westen des Zarenreichs gelangen konnten. Bis heute ist Perm eine der wichtigsten Industriezentren der Russischen Föderation. Hier befindet sich mit dem Waffenhersteller "Motovilikhinskie zavody" unter anderem eine der wichtigsten Rüstungsschmieden des Landes, die aus einer zu Zarenzeiten gegründeten Kanonenfabrik hervorging.

Lokomotive Perm Denkmal
Die Denkmal-Lokomotive am alten Bahnhof Perm-I liegt auch an der "grünen Linie".

Obwohl Perm kein klassisches Ziel für Urlauber darstellt, gibt sich die Stadtverwaltung durchaus Mühe, den Tourismus zu fördern. Seit einigen Jahren verbindet eine auf Straßen und Fußgängerwege gemalte durchgehende grüne Linie alle Sehenswürdigkeiten des Stadtzentrums miteinander. Die vorgeschlagene Route beginnt am kuriosen Salzohren-Denkmal im Zentrum, führt hinunter zur Uferpromenade der Kama, dann durch Straßenzüge, in denen noch Reste des vorrevolutionären Stadtbilds erhalten und endet in der zentralen Lenin-Straße am Theater. 

Zusätzlich gibt es inzwischen auch noch eine kürzere rote Linie, die sich dem Leben einiger berühmter, mit Perm verbunderer Persönlichkeiten und speziell deren Liebesgeschichten widmet.

In den Jahrzehnten vor der Revolution war das Provinzzentrum an der Kama offenbar ein ziemlich weltoffener Ort. Damals wurde in der Stadt nicht nur die erste Universität der Uralregion eröffnet. Aus jenen Jahrzehnten sind auch Gotteshäuser verschiedener Minderheiten erhalten geblieben, darunter eine hübsche Tatarenmoschee und eine heute wieder genutzte russlanddeutsche evangelische Kirche.


Staatliche Kunstgalerie Perm

Пермская государственная художественная галерея

Perm Kunstgalerie Museum Jesus Holzfigur
Die beeindruckende Sammlung hölzerner Heiligenfiguren in der Kunstgalerie

Die größte Attraktion für Besucher stellt derzeit die Staatliche Kunstgalerie Perm dar, die noch immer in der zu Sowjetzeiten entweihten Bischofs-Kathedrale untergebracht ist. In das Kirchenschiff wurden nach der Enteignung mehrere Etagen eingezogen. Schon vor Jahren sind die Rückgabe des Gebäudes an die Russische Orthodoxe Kirche und der Umzug des Museums in einen Neubau beschlossen worden. Bislang befindet sich das Museum aber noch am angestammten Platz.

Neben Ikonen werden hier viele Gemälde bekannter russischer Maler wie Ilja Repin oder des in Perm geborenen Pjotr Wereschtschagin oder Viktor Wasnezow ausgestellt. Es gibt auch eine kleine Sammlung westeuropäischer Kunst. Für ein Kunstmuseum in der russischen "Provinz" kann sich die Sammlung der Galerie durchaus sehen lassen.

Einzigartig in ganz Russland ist allerdings die Kollektion hölzerner Heiligenfiguren aus verschiedenen Kirchen der Uralregion, die "Götter von Perm". Für die orthodoxe Tradition sind solche Darstellungen absolut untypisch. Im Ural fanden sie allerdings weite Verbreitung, da sie nach Überzeugung der russischen Missionare dabei hilfreich waren, die heidnischen Völker der Komi und Mansen zum Christentum zu bekehren. Schließlich spielten hölzerne Götzenbilder in deren eigener Naturreligion eine zentrale Rolle. Populär waren Darstellungen von Jesus, Maria, den Erzengeln, aber auch des heiligen Stefan von Perm, der die Völkerschaften der Uralregion zum Christentum bekehrte. 


Umgebung von Perm

Belogorski Kloster Perm
Das beeindruckende Belogorski-Kloster südlich von Perm

Die Attraktionen der Stadt Perm rechtfertigen nicht wirklich einen längeren Aufenthalt in der Stadt. Allerdings gibt es dafür in der Umgebung der Millionenstadt umso mehr interessante Reiseziele. Die rund 80 Kilometer entfernte alte Kaufmannsstadt Kungur mit ihrer Eishöhle lohnen ebenso einen Besuch wie das beeindruckende Belogorski-Kloster auf dem einsamen Weißen Berg südlich von Perm.

Nördlich von Perm befindet sich in der Nähe des Dorfes Chochlowka eines der bekanntesten russischen Freilichtmuseen, in dem Gebäude aus der Uralregion zusammengetragen wurden. Ebenfalls als Tagesausflug machbar ist ein Besuch in "Perm-36", der russlandweit einzigen Gedenkstätte für die Opfer der politischen Verfolgung. Leider war das Museum auf dem Gelände eines früheren Straflagers in den vergangenen Jahren Schauplatz eines unschönen Streits zwischen Behörden und des ursprünglich für das Museum verantwortlichen Trägervereins, der mit einer Überarbeitung der gesamten Ausstellung endete. Beide Orte konnten wir bei unserem ersten und bislang einzigen Besuch in der Region Perm jedoch nicht selbst besichtigen.

Nicht zuletzt ist Perm, ähnlich wie Jekaterinburg oder Ufa ein guter Ausgangspunkt für Trecking- oder Kanutouren in den Uralbergen. (kp)

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