"Die Welt beginnt bekanntlich am Kreml."

Wladimir Majakowski (1893-1930), sowjetrussischer Dichter

Herz einer Großmacht - Der Moskauer Kreml

Московский Кремль

Viele russische Städte besitzen einen befestigten Stadtkern, Kreml genannt. Aber Moskau hat nicht irgendeinen, sondern den Kreml. Hinter seinen zweieinhalb Kilometer langen, hohen Wehrmauern herrschten einst Zaren und Generalsekretäre über ein riesiges Imperium. Bis heute ist der Moskauer Kreml der gut gesicherte Amtssitz des russischen Präsidenten. Das Wort wurde längst zum Synonym für die russische Staatsmacht. Teile des Geländes - etwa die prächtigen Kreml-Kathedralen sind für Touristen zugänglich, die Regierungsgebäude bleiben hingegen für Besucher Tabu, und jede Menge Sicherheitspersonal achtet darauf, dass beim Kreml-Bummel niemand auf Abwege gerät. 

Moskau Kreml bei Nacht
Der Moskauer Kreml bei Nacht

Der auf einem Hügel oberhalb der Moskwa gelegene Kreml war von Beginn an das Herz der Stadt Moskau. Bereits wenige Jahre nach der offiziellen Stadtgründung von 1147 entstand am Fluss eine erste Befestigung. Mitte des 13. Jahrhunderts wurde der Kreml zur Residenz der Moskauer Fürsten.  Seine heutige Gestalt erhielt er Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts während der Herrschafts von Iwan III. Der Großfürst heuerte italienische Baumeister an, die unter anderem das Ensemble um den Kathedralenplatz sowie die heutige steinerne Kremlmauer errichteten. In der Mariä-Entschlafenskathedrale des Moskauer Kremls wurden seit 1547 alle russischen Zaren gekrönt. An der Tradition änderte sich auch dann nichts, als Sankt Petersburg zur neuen Hauptstadt des Russischen Reichs ausgerufen wurde.

Zaren-Glocke Moskau Kreml
Riesig, aber kaputt - Die Zarenglocke im Moskauer Kreml

Auch in den folgenden Jahrhunderten wurde das Areal immer wieder umgebaut. Nach der Oktoberrevolution wurden während einer antireligiösen Kampagne zwei Klöster innerhalb des Kremls abgerissen.

Das vorerst letzte große Bauprojekt bildete der 1961 fertiggestellte Staatliche Kremlpalast. Dort fanden die Parteitage der KPdSU, Großkongresse und Auftritte international bekannter Künstler statt. Hier sangen Tina Turner und die Scorpions. Und Joe Cocker haben wir hier einmal selbst erlebt.

Der Moskauer Kreml ist nach wie vor die bedeutendste Touristenattraktion in der russischen Hauptstadt. Entsprechend groß ist hier der Andrang von Besuchern aus der ganzen Welt. Wer nicht nur über das Gelände bummeln, sondern auch die Rüstkammer und die Kronjuwelen der russischen Zaren besichtigen möchte, muss sich auf längere Warteschlangen einstellen. Um auf das Gelände zu gelangen, müssen alle Besucher eine Sicherheitskontrolle durchlaufen, wer zu große Taschen dabeihat, wird von den Wachleuten zu einer Gepäckaufgabe geschickt.

Unmengen an Informationen über den Moskauer Kreml findet man auf der Webseite des Moskauer Kremls (Russisch, Englisch, Chinesisch):


Die Kremltürme

Кремлевские башни

Erlöserturm Moskau Kreml Uhr
Die Uhr des Erlöserturms hat das bekannteste Glockenspiel Russlands.

Der Moskauer Kreml verfügt heute über 20 Türme, alle mit einer Ausnahme stammen in ihrer heutigen Gestalt aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Lediglich der Nikolausturm am Nordende des Roten Platzes wurde im 19. Jahrhundert noch einmal grundlegend umgestaltet. Auf den fünf höchsten Kremltürmen prangen bis heute gut sichtbar die nachts leuchtenden rubinroten Sowjetsterne.

 

Touristen nutzen heute für eine Besichtigung des Kremls den Eingang über den Dreifaltigkeitsturm. Einige andere Türme verfügen ebenfalls über Tore, die aber Beamten in mausgrauen Anzügen oder Putins Präsidenteneskorte vorbehalten bleiben. 

 

Der Erlöserturm direkt am Südende des Roten Platzes ist nicht zuletzt wegen seiner Turmuhr berühmt, die das wohl bekannteste Glockenspiel Russlands beherbergt. Von dort oben erklang in verschiedenen Epochen solche Melodien wie "O, du lieber Augustin", "Gott schütze den Zaren" die "Internationale" oder - seit 2000 die russische Nationalhymne.

Leider sind die Türme des Moskauer Kremls bis heute ausnahmslos für Touristen gesperrt. 


Der Kathedralenplatz

Соборная площадь

Kathedralen-Platz Moskau Kreml
Auf dem Kathedralen-Platz des Moskauer Kreml

Rund um den Kathedralen-Platz des Kremls befand sich einst das Zentrum der russisch-orthodoxen Kirche. Die Mariä-Entschlafens-Kathedrale mit ihren eindrucksvollen Fresken war einst Schauplatz von Krönungsfeiern und Bischofsweihen. In dem 1479 fertiggestellten Meisterwerk des italienischen Renaissance-Architekten Aristotele Fioravanti wurden auch Patriarchen und Metropoliten der russischen Kirche begraben. In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich der frühere Patriarchenpalast und die Erzengel-Michael-Kathedrale, in der die Zaren aus der Zeit vor Peter dem Großen in massiven Stein-Sarkophagen beerdigt wurden. Nicht einsehbar für Touristen und abseits von den anderen Herrschern liegt in der Kirche auch die letzte Ruhestätte von Iwan dem Schrecklichen. Eine kleinere Kirche mit vielen goldenen Kuppeln, die Mariä-Verkündigungs-Kathedrale. diente einst als Hauskirche der Zaren.

Das gesamte Ensemble wird vom einstmals höchsten Gebäude Russlands überragt, dem 81 Meter hohen Glockenturm "Iwan der Große". Auf den Turm dürfen mittlerweile gegen Extra-Entgelt auch Touristen klettern, allerdings ist der Aufstieg erst ab 14 Jahren erlaubt! Wir mussten wegen des mitreisenden Nachwuchses beim letzten Kremlbesuch auf den Blick aus der Vogelperspektive verzichten. 

Zwei merkwürdige Objekte am Rand des Kathedralenplatzes ziehen seit jeher die Besucher an: Die "weltgrößte Kanone" ("Zarenkanone") und die "weltgrößte Glocke" ("Zarenglocke"). Ob die beiden Meisterwerke russischer Handwerkskunst tatsächlich Weltrekordhalter sind, ist eine Frage der Definition. Allerdings waren beide leider zu groß und schwer, um je geläutet zu werden oder einen Schuss abzufeuern. 


Großer Kremlpalast und Senatspalast

Большой Кремлевский Дворец и Сенатский Дворец

Kreml Moskau Senat mit Militärkapelle
Das Senatsgebäude ist dem Roten Platz zugewandt

Ende des 18. Jahrhunderts entstand an der Ostseite des Kremls der Senatspalast. Der gelb gestrichene markante Kuppelbau ist gut vom Roten Platz aus zu sehen. Hier richtete sich nach der Oktoberrevolution Wladimir Lenin sein Arbeitszimmer ein, heute befinden sich hier Büros der Präsidentenverwaltung und auch die Arbeitszimmer von Wladimir Putin.

An der südlichen Seite des Geländes schuf der deutsch-russische Architekt Konstantin Thon im 19. Jahrhundert eine Zarenresidenz im klassizistischen Stil - den Großen Kremlpalast. Der Bau wird bis heute für offizielle Staatsakte genutzt. Wer nicht gerade auf Staatsbesuch hier vorbeikommt, wird beide Bauten nur von außen sehen können.


Moskaus beste Kreml-Panorama-Aussichten

Moskauer Kreml
Blick auf den Kreml von der Christerlöser-Kathedrale

Neben einem Besuch im Kreml empfehlen wir auch einige Aussichtspunkte, von denen aus der Moskauer Kreml besonders eindrucksvoll wirkt. Besonders spektakulär ist in diesem Zusammenhang die Aussichtsplattform auf der Moskauer Christerlöser-Kathedrale. Andere gute Aussichtspunkte sind auf den Brücken, die westlich und östlich der Kremlmauer über den Moskwa-Fluss hinüber führen. Damit kein Autoverkehr beim Fotografieren stört, ist es wichtig, jeweils den Fußgängerweg auf der richtigen Seite zu wählen. Direkt südlich des Kreml ist am gegenüberliegenden Moskwa-Ufer an der Ufer-Straße ein weiterer guter Fotopunkt. Und selbstverständlich kann man Teile des Kreml-Ensembles auch vom Roten Platz aus fotografieren. Wer es sich leisten kann, logiert im luxuriösen Baltschug-Kempinski-Hotel und genießt von der dortigen Dachterrasse ebenfalls ein grandioses Kreml-Panorama.

Die besten Punkte für Kreml-Panorama-Fotos auf dem Stadtplan:


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Aktualisiert: September 2018