Vier Flüsse und ein eisiger Berg - Kungur

Кунгур

Seine Lage am "Sibirischen Trakt", dem Haupthandelsweg zwischen Moskau und Sibirien, machte Kungur einst reich. Die Teehändler der Kaufmannsstadt im Vorural waren so etwas wie die Oligarchen im vorrevolutionären Russland. Kungur, eine der ältesten Städte der Uralregion, ist für Transsib-Reisende Richtung Osten der letzte Haltepunkt auf europäischem Boden. Die Stadt, die zum Teil leider noch immer einen recht verwahrlosten Eindruck macht, lohnt dennoch einen Zwischenstopp. Aus vergangenen Zeiten sind zahlreiche historische Gebäude im Zentrum erhalten geblieben, und am östlichen Rand von Kungur lockt unter dem "Eisigen Berg" ein bemerkenswertes Naturwunder - eine der größten Eishöhlen Europas.

Christi-Verklärungs-Kirche Kungur Кунгур
Christi-Verklärungs-Kirche im Zentrum von Kungur

Kungur ist etwas mehr als 350 Jahre alt und damit eine der ersten russischen Siedlungen im Ural. Die Stadt heute heute knapp 70.000 Einwohner und liegt etwa 90 Kilometer südöstlich des Gebietszentrums Perm an einer Stelle, an der gleich drei Flüsse in die Sylva, einen Nebenfluss der Kama, münden. Das Zentrum von Kungur bildet eine Art Halbinsel an einer der Flussmündungen. Östlich der Stadt beginnt eine recht hübsche hügelige Mittelgebirgslandschaft, die schon heute einige Wander- und Radtouristen anzieht.  

Kungur Russland
Kungur hat sogar eine kleine Fußgängerzone

Das historische Stadtzentrum von Kungur hat während der Sowjetzeit durch den Abriss vieler Kirchen und die Verwahrlosung der alten Bauten erheblich gelitten. Mittlerweile ist ein Teil der alten Kaufmannshäuser aus der Zarenzeit wieder restauriert. Auch einige orthodoxe Kirchen sind inzwischen wieder frisch gestrichen und haben neue vergoldete Kuppeln bekommen. Das größte erhaltene Gotteshaus, die aus rotem Ziegelstein gebaute Kirche der Gottesmutter-Ikone von Tichwin wurde mit Spenden des deutschen Baustoff-Konzerns Knauf restauriert, der in der Stadt eine Fabrik betreibt. Einen eher traurigen Eindruck machen noch die imposanten Handelsreihen aus dem 19. Jahrhundert, in denen sich teilweise noch immer Läden befinden. Am rechten Ufer der Sylva befindet sich ein im Sommer viel genutzter Badestrand. Direkt hinter der Straßenbrücke können wir das Restaurant "Drei Bären" ("Tri medwedja") empfehlen.


Die Eishöhle von Kungur

Кунгурская Ледяная пещера

Eishöhle Kungur Russland
In Teilen der Eishöhle von Kungur herrscht auch im Hochsommer Frost

Die größte Attraktion von Kungur ist die im Inneren des "Eisigen Bergs" verborgene Eishöhle. Die Höhle befindet sich östlich der eigentlichen Stadt auf dem Territorium des angrenzenden Dorfes Filippowka. Die gesamte Länge der Höhle beläuft sich auf 5,7 Kilometer, davon sind 1,5 für touristische Besuchergruppen hergerichtet. Ein ausgebauter Pfad führt durch eine Serie von Grotten mit so schönen Namen wie "Grotte der Romantiker", "Grotte der Völkerfreundschaft" oder "Polar-Grotte" und vorbei an spektakulären Seen mit kristallklarem Wasser. Dabei sind lediglich die Wände der ersten Grotten im Sommer und Winter mit Eis bedeckt. Dort liegt die Temperatur das ganze Jahr über bei -3 bis -2 Grad. Dennoch gibt es im Winter oder Frühjahr offenkundig mehr Eis in der Höhle als im Hochsommer.

 

Das Gelände der Kungur-Eishöhle wird von einer privaten Firma gepachtet, die auch die touristische Vermarktung der unterirdischen Wunderwelt übernommen hat. Touristen können die Höhle im Rahmen einer Gruppenführung besuchen. Im Sommer 2016 fanden die Führungen im 30-Minuten-Takt oder sogar noch häufiger statt. Der Weg von der Stadt zur Höhle führt durch einige eher unschöne Industriegebiete, daher lässt man sich am besten für einige Rubel mit dem Taxi direkt bis zum "Eisigen Berg" fahren. Eine Eintrittskarte kostet aktuell 600 (werktags) oder 700 (Wochenende) Rubel. Unterwegs während der Führung schalten die Gästeführer in einer der Grotten für kurze Zeit sämtliche Lampen ab. Das Erlebnis totaler Stille und Dunkelheit ist auch
eindrucksvoll...


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