Grenze Russland - Weißrussland: Es bleibt kompliziert

Seit mittlerweile gut zwei Jahren leiden ausländische Reisende nun schon unter einer bizarren Regelung, die ihnen verbietet, auf dem Landweg die direkte Strecke aus Westeuropa über Weißrussland nach Russland zu nutzen. Der Grund: Ausgerechnet die Grenze zwischen den beiden verbündeten Ländern ist offiziell für alle Bürger aus Drittstaaten geschlossen, weil es dort keine offiziellen Grenzübergänge gibt. Seit 2016 hatten die Regierungen in Moskau und Minsk mehrfach angekündigt, sie wollten die Probleme so schnell wie möglich regeln. Doch bislang gibt es bei den Verhandlungen keinen Durchbruch, ein Abkommen über die Schaffung einer Art "Mini-Schengen" zwischen Russland Belarus wird nicht fertig. 

Ganz im Gegenteil wird die Situation momentan eher noch komplizierter für Westeuropäer, die ohne Flugzeug nach Russland wollen.

Eigentlich hätte alles so schön sein können: Zwischen Russland und Weißrussland, die gemeinsam einen sogenannten Unionsstaat bilden, gab es seit über 20 Jahren keine Grenzkontrollen mehr. Zwar benötigten Ausländer je nach Staatsangehörigkeit Visa für beide Länder, aber damit konnten sie jahrelang problemlos mit Auto, Bus oder Zug im Transit durch Weißrussland reisen - bis 2016. Da fiel russischen Beamten plötzlich auf, dass laut Gesetz Ausländer lediglich über offizielle Grenzübergänge in die Russische Föderation einreisen dürfen. Da es keine Kontrollpunkte an Grenzbahnhöfen oder den Fernstraßen gibt, wurde der Transit quasi über Nacht illegal.


Wer das neue Verbot ignorierte, ging anfangs vor entlang der Fernstraßen, etwa auf der Autobahn Minsk-Moskau, das Risiko ein, aus dem Verkehr gewunken und zurückgeschickt zu werden. Inzwischen drohen auch Geldstrafen und ein gerichtliches Ordnungswidrigkeits-Verfahren. Auch die russische Botschaft in Berlin stellt inzwischen auf ihrer Webseite klar, dass Transitfahrten durch Weißrussland nach Russland derzeit unzulässig seien

Bahnreisen, beispielsweise mit dem Schlafwagenzug Berlin-Moskau, wurden dem offiziellen Verbot zum Trotz allerdings lange toleriert. Auch im Herbst 2018 reisen Ausländer oft noch immer völlig unbeanstandet über Weißrussland nach Russland - und später wieder nach Hause. Doch mittlerweile gibt es bereits mehrere Berichte von Reisenden, die auf dem Weg nach Moskau entweder von Grenzern in Smolensk aus dem Zug geholt und nach Verhängung einer Geldstrafe wieder nach Weißrussland zurückkehren mussten, oder aber nach der Ankunft am russischen Zielbahnhof Schwierigkeiten beim Einchecken in ihrem Hotel bekamen. Ein betroffener Schweizer hat seine unerfreulichen Erlebnisse detailliert aufgeschrieben und dokumentiert. Gar nicht mehr geduldet werden offenbar Reisen, bei denen der Ausländer erst in Weißrussland in den Zug nach Russland steigt.

Aber auch bei allen anderen Zugfahrten - mit Zustieg in Polen oder weiter westlich - scheint das Risiko von Problemen zu steigen: Bereits im Frühsommer hatte ein Zugpassagier aus Deutschland über eine Fahrt mit dem Nizza-Moskau-Express berichtet, die zu seiner vorläufigen Festnahme in Smolensk führte.

Eigentlich wollten Russen und Weißrussen das Problem bis spätestens zum Beginn der Fußball-WM im Sommer 2018 lösen. Dann allerdings gab es lediglich eine Ausnahmeregelung für Ausländer mit offizieller Fan-ID. Die Verhandlungen über eine dauerhafte Lösung ziehen sich derweil immer weiter die Länge. Ursprünglich wollten die Weißrussen, dass alles wieder so wird, wie es bis Herbst 2016 funktionierte. Die Russen wollen eine gemeinsame Außengrenze nach Schengen-Vorbild mit gemeinsamer Visapolitik. Das Außenministerium von Weißrussland dementierte erst kürzlich eine Erklärung des russischen Botschafters, der die baldige Unterzeichnung eines Abkommens angekündigt hatte. 

 

Wer nach Russland möchte ohne zu fliegen, muss für die Anreise auf deutlich unbequemere und längere Routen ausweichen. Für Autofahrer aus dem deutschsprachigen Raum bietet sich der Weg über Polen, Litauen und Lettland an. Bahnfahrer können über die Ukraine nach Russland reisen. Wie lange das noch geht, steht allerdings in den Sternen, da in der ukrainischen Politik immer wieder Forderungen erhoben werden, den Personenverkehr mit dem ungeliebten großen Nachbarland komplett einzustellen. (kp)


Passend zum Thema in diesem Russland-Blog: