** 2025 **
Es wäre eine kleine Sensation gewesen: Nach über zehn Jahren Unterbrechung sollte Ende 2025 am Schwarzen Meer wieder eine reguläre Fährverbindung zwischen dem russischen Sotschi und dem türkischen Trabzon in Betrieb genommen werden. Zwar hatten Coronavirus-Krise und Ukraine-Krieg den Start der neuen Verbindung Jahr um Jahr verzögert, doch bereits im November sollte es dann endlich losgehen: Die "Seabridge", eine Autofähre der Reederei Liderline, nahm von Trabzon aus Kurs auf Russland (Bericht z.B. Hürriyet, Englisch). Das Problem: In Sotschi kam das Schiff nie an. Die Premiere geriet zu einem kompletten Desaster.
Der von US-Präsident Trump vorgelegte Entwurf für eine Beendigung des Ukraine-Krieges bringt endlich Bewegung in den hoffnungslos festgefahrenen Konflikt. Er hat EU-Europa (angeblich) komplett überrascht, dort wurde der 28-Punkte-Plan (aufgelistet z.B. beim Standard) von Politik und Leitmedien dementsprechend als ungerecht und als faktische Kapitulation der Ukraine gewertet. Sollte das Blutvergießen in der Ukraine tatsächlich auf der Grundlage dieses Plans beendet werden, hätte der "Westen" nur wenige Jahre nach dem fluchtartigen Abzug aus Afghanistan ein weiteres, noch viel verheerenderes militärisch-politisches Debakel erlitten.
Russland würde, so sieht es aus, wesentliche Ziele seines Feldzugs erreichen - allerdings nicht alle.
Die EU hat den neuen Eisernen Vorhang noch ein wenig undurchdringlicher gemacht. Im Rahmen ihres 19. antirussischen Sanktionspakets ist es nun ausdrücklich verboten, Dienstleistungen zu erbringen, die "in direktem Zusammenhang mit touristischen Aktivitäten in Russland" stehen (S. Beschluss des EU-Rats, deutsch). Die Maßnahmen, die ein wenig an die Restriktionen der untergegangenen DDR erinnern, sollen EU-Bürger von "nicht unbedingt notwendigen" Reisen nach Russland abhalten. Außerdem wird das Verbot mit einem angeblichen "erhöhten Risiko willkürlicher Festnahmen und Inhaftierungen" begründet. Das ist zunächst eine schlechte Nachricht, aber es gibt auch eine gute.
Als die EU-Staaten 2022 ihre historisch einmaligen Sanktionen gegen Russland verhängten,
schränkten sie auch die Reisemöglichkeiten zwischen Westeuropa und dem größten Land der Erde drastisch ein. Jede Flugreise nach Russland führt seither zwingend über einen Nicht-EU-Staat. Unter den verbliebenen Varianten wurde die Route über Istanbul seither die populärste. Zahlreiche türkische, russische und westliche Airlines fliegen die beiden Großflughäfen der 15-Millionen-Einwohner-Metropole an. Abertausende von Transitpassagieren steigen hier um. Dabei gilt: Wer es nicht übermäßig eilig hat, sollte nicht einfach bloß von einem Flieger zum nächsten hetzen. Istanbul ist definitiv eine der großartigsten Weltstädte und viel zu schade zum Vorbeifliegen.

Sogar für die Frankfurter Allgemeine Zeitung waren die technischen Probleme eines Charterjets mit der EU-Kommissionspräsidentin an Bord das wichtigste Thema des Tages: "Russischer Störangriff auf Flugzeug von der Leyens vermutet", titelte das Blatt Anfang September. Der Fall ist leider typisch für die Berichterstattung deutscher Medien. Wenn es um Russland geht, werden die Handwerksregeln des Journalismus auch von eigentlich seriösen Redaktionen regelmäßig zur Seite gelegt. Geraune ersetzt seriöse Recherche. Vermutungen werden solange wiederholt, bis man sie zu Fakten verklären kann. Journalisten kleben dubiosen Pseudo-Experten an den Lippen. In Zeiten, in denen in Europa ein Krieg tobt, ist das besonders gefährlich.
Die russische Billig-Fluggesellschaft Pobeda ist berüchtigt für ihren Erfindungsreichtum, wenn es darum geht, Passagieren zusätzlich zum eigentlich Ticketpreis weitere Gebühren aus der Tasche zu ziehen. Doch nun hat es die Aeroflot-Tochter wohl selbst für ihre Verhältnisse mal wieder übertrieben: Ein Moskauer Gericht verwarf die Handgepäck-Regeln der Airline als rechtswidrig (s. z.B. Meldung RBK, Russisch). Pobeda hatte zuvor das zulässige Format für kostenlos beförderte Gegenstände auf 4×36×30 Zentimeter beschränkt. Damit war die gebührenfreie Mitnahme irgendwelcher Habseligkeiten faktisch unmöglich geworden.

Auf den ersten Blick sind es Elemente, die kaum zusammen passen: Die biblische Jesus-Geschichte aus der Sicht des römischen Statthalters Pontius Pilatus, die tragische Liebe eines in den Wahnsinn getriebenen Schriftstellers zu seiner Muse und der Besuch des Teufels in der Sowjetunion. Und dennoch hat der russische Schriftsteller Michail Bulgakow (1891-1940) genau damit das erzählerische Fundament für einen der bedeutendsten Romane des 20. Jahrhunderts gelegt. Die atemberaubende Entstehungsgeschichte des Textes, der erst 30 Jahre nach dem Tod des Autors veröffentlicht wurde, hat nicht wenig zu seinem Kultstatus beigetragen. Die aufwendig produzierte Verfilmung unter der Regie von Michael Lockshin wurde 2024 in Russland zum Kassenschlager und schaffte es ein Jahr später auch in die deutschen Kinos.
Millionen Menschenleben, ein verwüsteter Kontinent, ganze Völker traumatisiert - vor 80 Jahren, am 8. und 9. Mai, konnten die Alliierten dem von Deutschen entfachten Zweiten Weltkrieg an den europäischen Fronten ein Ende setzen. In der Sowjetunion hatten die Deutschen in ihrem Rassenwahn besonders barbarisch gewütet. Wohl über 27 Millionen Kriegstote zählte das Land. Der Tag des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg, wie der Zweite Weltkrieg in der Ex-UdSSR genannt wird, blieb in den meisten Nachfolgestaaten einer der wichtigsten Feiertage. 80 Jahre später zeigen Europas Staatenlenker, dass sie aus der Geschichte eben doch nicht so viel gelernt haben. Das Gedenken an das Kriegsende wird mancherorts zur peinlichen Scharade.
Die zweiwöchige Reise in den Osten Anfang 2025 verlief gefühlt ganz anders als die ein Jahr zuvor, es wurde eine unerwartet anstrengende Tour voller Herausforderungen. Nicht nur das Wetter zeigte sich von seiner unfreundlichen Seite. Dabei machten kurz vor der Abfahrt aus Deutschland die Nachrichten sogar noch ein wenig Hoffnung, dass bessere Zeiten anbrechen könnten, weil Russen und Amerikaner zumindest wieder miteinander redeten und ein Ende des Ukraine-Krieges nach drei fürchterlichen Jahren plötzlich nicht mehr ganz unmöglich erschien. In Moskau und St. Petersburg war viel von der Ungewissheit zu spüren, wie alles wohl weitergehen würde.
Von westlichen Staaten finanzierte Medien, die autoritär beherrschten Völkern die Wahrheit bringen - das war das Konzept zahlreicher Auslandssender. Die USA leisten sich mit Radio Free Europe / Radio Liberty, Radio Free Asia und Voice of America gleich mehrere davon. Seit März 2025 steht die dafür zuständige US Agency for Global Media (USAGM) im Fokus von Donald Trumps brachial
vorangetriebenen Reformen. Der Präsident würde die Behörde am liebsten abwickeln. Den
Sendern droht durch Entzug der Staatsfinanzierung das Aus (S. Reuters-Bericht, Englisch). Zwar
nahm ein Gericht bereits Tempo aus der geplanten Abwicklung. Doch das Geschehen ist Grund genug für einen Blick auf die US-Auslandsmedien, die lange großen Einfluss in Russland hatten.
Als der Russland-Blog "Rhein-Wolga-Kanal" 2016 ins Netz ging, war eine Unterseite mit Tipps zum Eisenbahn-Fahren im größten Land der Welt einer der ersten Texte. Seither hatte sich vieles verändert, aber jetzt ist die Rubrik wieder aktuell. Noch immer gilt: Kaum ein Land auf der Welt eignet sich so sehr für Reisen mit der Eisenbahn wie Russland. Züge sind zwar nicht übermäßig schnell, aber vergleichsweise preiswert und komfortabel und eigentlich immer pünktlich. Aber nicht alle Neuigkeiten der zurückliegenden Jahre waren gut. So gilt schon seit 2020 leider: Die Anreise mit dem Zug aus Westeuropa ist nicht mehr möglich.
Die Bilanz der Kanzlerschaft von Olaf Scholz und seiner vorzeitig zerbrochenen Ampel-Koalition ist bitter, vor allem auf dem Feld der Außenpolitik. Mit ihrer einzig auf Eskalation ausgelegten Kriegsertüchtigungspolitik hat das Dreierbündnis Deutschland, Europa, aber auch der Ukraine großen Schaden zugefügt. Nach der Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus müssen Deutsche und EU-Europäer zudem erkennen, dass die beim Ringen um ein Ende des Krieges nichts mitzureden haben. Das ist umso fataler, als viele der Probleme, die Deutschland aktuell beschäftigen und schwächen, direkt oder indirekt mit der Russland-Ukraine-Krise und dem neuen Kalten Krieg zu tun haben.
Nach fast zehnjähriger Unterbrechung können Ausländer wieder auf direktem Wege mit Auto, Bus oder Eisenbahn zwischen Russland und Weißrussland (Belarus) reisen. In der ersten Januarhälfte trat ein Abkommen zwischen beiden Ländern in Kraft, das den Grenzübertritt für Drittstaatler regelt (Bericht z.B. RBK, Russisch). Das Visum eines der beiden Länder berechtigt zudem während der Gültigkeitsdauer auch zu Besuchen im jeweils anderen Staat. Die Neuerungen beenden ein langjähriges absurdes Ärgernis - allerdings sind sie mittlerweile nur noch von begrenztem Nutzen. Denn in der Zwischenzeit haben die osteuropäischen EU-Staaten mit ihren Schikanen und Verboten Transitfahrten auf der Route maximal unbequem gemacht.