Neue Schikanen gegen Reisende im Baltikum

Russisch-estnische Grenze Iwangorod-Narva
Blick auf die Burgen von Narva und Iwangorod

Nach dem Verbot direkter Linienflüge und aller Zugverbindungen zwischen den EU-Staaten und Russland blieb Estland lange eine bevorzugte Transitroute für Westeuropäer, die weiterhin zwischen Ost und West unterwegs waren. Doch das ist vorbei. Der einst beliebte Grenzübergang Narva-Iwangorod an der (unterbrochenen) Fernstraße von St. Petersburg nach Tallinn wird zum kaum durchlässigen Nadelöhr. Bereits 2024 hatten die estnischen Behörden angeordnet, dass der Fußgängerübergang, den täglich hunderte Menschen passierten, nachts geschlossen würde. Seither müssen regelmäßig unzählige Reisende die Nacht unter freiem Himmel verbringen - nicht nur im Sommer, wenn die Wartezeiten auf die Abfertigung ohnehin oft zehn Stunden betragen. Nun wurden neue Schikanen angekündigt.

Vom 15. Juni an wird die Öffnungszeit des wichtigsten baltisch-russischen Grenzübergangs um weitere fünf Stunden verkürzt - auf die Zeit von dann nur noch 7 bis 19 Uhr. Dies berichten estnische und russische Medien (z. B. Delfi, Russisch). Die Chance, an der Grenze unfreiwillig übernachten zu müssen, steigt damit insbesondere während der Ferienzeiten weiter an. Als Vorwand für den Schritt nennt die Regierung der ehemaligen Sowjetrepublik unter anderem, Russland verweigere eine Verständigung auf den Standort von Bojen im Grenzfluss. Auch die beiden anderen estnisch-russischen Grenzübergänge Koidula-Kunitschina Gora und Luhamaa-Schumilkino haben Anfang des Jahres den Rund-um-die-Uhr-Betrieb eingestellt. Sie können ebenfalls nur noch zwischen 7 und 19 Uhr passiert werden.

Lettland will auch Linienbusse verbieten

Auch Lettland versucht derweil, auch noch die letzten Reisemöglichkeiten nach Russland zu kappen. Das Verkehrsministerium in Riga prüft aktuell ein Verbot von Linienbusverkehr nach Russland und Weißrussland (Bericht u.a. RBK, Russisch). Sie sieht in den wenigen verbliebenen Reisemöglichkeiten eine Gefahr für die nationale Sicherheit. Besucher aus Lettland könnten während eines Aufenthalts "beeinflusst" oder von russischen Geheimdiensten angeworben werden. Die lettisch-russische Grenze darf bereits seit 2025 grundsätzlich nicht mehr von Fußgängern oder Radfahrern passiert werden, Busse und Pkws stehen oft unzählige Stunden an den fast leeren Grenzübergängen. Dennoch gibt es bislang einige Linienbusse, etwa von Riga nach St. Petersburg oder Moskau.

Die Entscheidungen sind vor allem eine Tragödie für die große russische Minderheit in Estland und Lettland, die immer stärker von ihren Angehörigen jenseits der Grenze abgesperrt werden. Für Reisende aus Westeuropa war die Route über Lettland oder Estland spätestens seit 2024 ohnehin nicht mehr sinnvoll - wegen der unzumutbaren Wartezeiten und schikanöser Zollkontrollen der Balten.


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