Fähre Sotschi-Trabzon: Kein Schiff wird kommen

Es wäre eine kleine Sensation gewesen: Nach über zehn Jahren Unterbrechung sollte Ende 2025 am Schwarzen Meer wieder eine reguläre Fährverbindung zwischen dem russischen Sotschi und dem türkischen Trabzon in Betrieb genommen werden. Zwar hatten Coronavirus-Krise und Ukraine-Krieg den Start der neuen Verbindung Jahr um Jahr verzögert, doch bereits im November sollte es dann endlich losgehen: Die "Seabridge", eine Autofähre der Reederei Liderline, nahm von Trabzon aus Kurs auf Russland (Bericht z.B. Hürriyet, Englisch). Das Problem: In Sotschi kam das Schiff nie an. Die Premiere geriet zu einem kompletten Desaster.

Denn in Sichtweite der russischen Kaukasus-Küste endete die Jungfernfahrt, weil der Fähre das Einlaufen in Sotschi untersagt wurde. Was genau Ursache der Verzögerung war, blieb zunächst unklar. Der russische Grenzschutz erklärte, das Prozedere für die Abfertigung des Schiffes sei gar nicht abschließend geklärt, was die Betreiber dementierten. Nach zweieinhalb Tagen Wartezeit drehte die "Seabridge" schließlich wieder um, ohne am russischen Ufer anzulegen, und kehrte mit ihren konsternierten Passagieren nach Trabzon zurück. Fünf Tage nach dem Start konnten die wieder im Ausgangshafen an Land gehen.

Ein zweiter Versuch, die Linie doch noch in Betrieb zu nehmen, wurde dann für Anfang Dezember angekündigt (Bericht u.a. Kommersant, Russisch). Der Fährverkehr sei zwischen den Außenministerien in Moskau und Ankara beschlossen, hieß es nun. Nach den ukrainischen Angriffen auf mehrere Handelsschiffe im Schwarzen Meer gab es dann jedoch auch noch grundsätzliche Sicherheitsbedenken (Bericht RBK, Russisch). Noch dazu äußerten die Behörden der Stadt Sotschi Bedenken, ob die Fähre mit dem von ihr verursachten Verkehr mitten im Zentrum der Ferienmetropole überhaupt erwünscht sei. Im Ergebnis wurde der Beginn der regulären Fahrten ein weiteres Mal auf unbestimmte Zeit verschoben, der Vorverkauf von Tickets ist eingestellt.

 

Potenziell interessante Route für Überland-Reisende

Zwar ist die mögliche Fährlinie von der Türkei nach Russland weiß Gott nicht der direkteste Weg aus dem deutschsprachigen Raum nach Russland. Dennoch könnte sie eine durchaus interessant werden, beispielsweise für Wohnmobil- oder Motorradreisen durch die Weiten Eurasiens. Auch hat die "Seabridge" wohl nur wenig gemein mit den Seelenverkäufern, die in den Jahren nach der Jahrtausendwende auf der Strecke unterwegs waren (Erfahrungsbericht von 2005).

Damit bleibt es dabei: Für alle Reisenden, die sich Russland von Süden her auf dem Landweg nähern wollen, gibt es nur eine einzige Route über die Trasse vom georgischen Tiflis ins russische Wladikawkas - die Georgische Heerstraße.

 

kp


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