Neuer Nationalpark und kühne Öko-Tourismus-Pläne im Ural

Nationalpark Sjuratkul in Russland

Die russische Regierung hat mit dem Sigalga-Gebirgszug ein weiteres Gebiet im südlichen Ural zum Nationalpark erklärt. Die nahezu unbewohnte Wildnis-Region mit bis zu 1.400 Meter hohen Bergen befindet sich im Westen des Verwaltungsgebiets Tscheljabinsk rund 1.700 Kilometer östlich von Moskau. Die Nationalparkpläne waren dort bereits seit mehr als 20 Jahren diskutiert worden. Nach Protesten der örtlichen Bevölkerung fällt die Fläche des neuen Schutzgebiets an der Grenze von Europa und Asien deutlich kleiner aus, als ursprünglich geplant. Mit rund 45.000 Hektar ist es aber immer noch rund doppelt so groß wie beispielsweise der Nationalpark im Harz. Auch um Öko-Touristen wollen die Behörden werben und haben große Pläne:

In Russlands von Reisenden bislang fast komplett übersehener Ural-Region soll eine Art Band von Schutzgebieten Outdoor-Fans anlocken.

Dafür war bereits 2018 das Projekt "Großer Ural-Weg (Weliki Uralski Putj)" ins Leben gerufen worden. Die Idee dahinter ist, bereits bestehende Naturreservate und Nationalparks östlich und westlich des 2.000 Kilometer langen Gebirges an der Grenze der Kontinente miteinander zu vernetzen und Touristen zu ermöglichen, mehrere der Gebiete auf einer Reise zu besuchen. Dabei sollen auch Wanderpfade angelegt werden. Maßgeblich angestoßen wurde die Idee von den äußerst engagierten Mitarbeitern des Orenburger Naturreserats ganz im Süden des Urals (die wir auf unserer Rundreise durch die Region 2017 zum Teil auch persönlich kennenlernen konnten).

Der neue Sigalga-Nationalpark grenzt nahtlos an zwei weitere besonders geschützte Regionen. Unmittelbar im Osten befindet sich der etwas einfacher zu erreichende Nationalpark Sjuratkul, im Süden der Naturpark Iremel sowie westlich und größtenteils bereits auf dem Gebiet der autonomen Republik Baschkirien - das riesige Südural-Naturreservat, für das strenge Zutrittsbeschränkungen gelten. Platz genug für Menschen, die sich nach Einsamkeit sehnen, gibt es hier aber auch so definitiv genug. Wer Russisch lesen kann, findet hier einen Bericht über eine mehrtägige Treckingtour von Dmitri Kolesnikow. Auch Reiseveranstalter in Baschkirien und Tscheljabinsk bieten mehrtägige geführte Trecking-Touren zum Sigalga-Gebirgszug. 

Obwohl der Ural allgemein eher für graue Industriestädte mit qualmenden Fabrikschloten bekannt ist, gibt es hier tatsächlich riesige Flächen, in denen so gut wie nichts von der menschlichen Zivilisation zu spüren ist.
 Gerade im südlichen Ural gibt es genügend Berge, von denen die Aussicht bis zum Horizont reicht, ohne dass eine Ortschaft, eine Straße oder eine Stromleitung ins Auge fällt. Natürlich gibt es hier auch noch keine luxuriösen Hotels und Feriensiedlungen - und hoffentlich bleibt das auch so. 


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