Russisch-weißrussische Grenze bald wieder offen - für Fußball-Fans

Russland und Weißrussland verhandeln nun schon seit über einem Jahr darüber, wie Transitfahrten von Ausländern aus Drittstaaten künftig wieder ermöglicht werden können. Und noch immer ist kein Ende absehbar. Der ursprünglich bereits für Ende 2017 angekündigte Vertrag über die gegenseitige Anerkennung von Visa und das Ende der Probleme an der Grenze lässt weiter auf sich warten. Mittlerweile wächst in Moskau offenbar die Sorge, dass das Vertragswerk bis zum Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in knapp drei Monaten nicht mehr in Kraft treten kann. Laut einem Bericht der Moskauer Tageszeitung Kommersant wird bereits an einem Notfallplan gearbeitet, damit die Autofahrt zur WM für Europäer nicht mit einem dicken Problem beginnt.

Die beiden Länder wollen sicherstellen, dass zumindest alle WM-Fans problemlos auf dem Landweg nach Russland gelangen können.

Die Probleme an der russisch-weißrussischen Grenze hatten im Herbst 2016 begonnen. Damals erinnerten sich die russischen Behörden plötzlich und ohne Vorwarnung an ein zuvor lange ignoriertes Gesetz, in dem es heißt, das Ausländer für die Einreise nach Russland einen offiziellen Grenzübergang benutzen müssen. Doch Grenzübergänge gibt es zwischen Belarus und Russland nicht, da beide Länder einen "Unionsstaat" bilden. Zunehmend bekamen Ausländer seit Ende 2016 an der eigentlich gar nicht überwachten Grenze  trotz gültiger Papiere Probleme, da sie von russischen Grenzern an der Weiterfahrt gehindert wurden. Für Autofahrer bedeutete dies viele hundert Kilometer weite Umwege über das Baltikum.

Lediglich Passagiere in den durchgehenden Zügen zwischen Moskau und Städten wie Berlin, Paris oder Warschau wurden und werden bislang weiter geduldet. Die Probleme wurden dadurch verschärft, dass Weißrussland kurze Zeit später ebenso einseitig bei Bürgern aus 80 Staaten die Visapflicht für Kurzbesuche abschaffte. 

Das gesamte Jahr 2017 versicherten beide Staaten, intensiv nach einer Lösung zu suchen, mehr noch: Sie stellten ein Abkommen über die beiderseitige Anerkennung ihrer Visa in Aussicht - eine Art "Mini-Schengen". Sollte es zu einer Unterzeichnung kommen, würden

Russland-Reisende aus den EU-Staaten gar kein weißrussisches Transitvisum mehr benötigen. Doch der Teufel steckt offenbar im Detail: Bei einer eigentlich abschließenden Verhandlungsrunde im Februar gab es doch noch keine Einigung.

Zwar teilten namentlich nicht genannte Quellen im Moskauer Außenministerium dem "Kommersant" mit, das Vertragswerk sei "in hohem Maße fertig". Aber es seien eben noch weitere offene Fragen aufgetaucht. Umstritten soll beispielsweise noch der Umgang mit illegalen Einwanderern sein. Außerdem machen sich die Weißrussen angeblich Sorgen, ein Gemeinschaftsvisum würde bei ihren Konsulaten zu heftigen Einnahmeausfällen führen.

Beide Seiten versichern, Ziel sei nach wie vor der Abschluss eines vollwertigen Staatsvertrags. Sollte der bis Juni aber nicht unter Dach und Fach sein, werde "Plan B" in Kraft treten. Dann könnten zumindest Besitzer einer Fan-ID für die Fußball-WM ungehindert auf dem kürzesten Weg über Minsk nach Moskau fahren. Es sei denn, es kommt noch etwas dazwischen. (kp)

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