Bald wieder Züge von Moskau nach Eriwan?

Auf der Georgischen Heerstraße

Gute Nachrichten zum Thema Reisen sind in der Corona-Krise noch seltener als Steinpilze im Winter. Nun kommt eine solche Meldung ausgerechnet aus einer Region, aus der man es am allerwenigsten erwartet hätte und in der noch Ende 2020 ein blutiger Krieg tobte: Überland-Reisen durch den Kaukasus könnten nach der Pandemie deutlich einfacher werden. Nach dem von Russland ausgehandelten Waffenstillstand in Berg-Karabach haben sich die Präsidenten der verfeindeten Nachbarländer Armenien und Aserbaidschan bei einem Gipfel in Moskau im Grundsatz darauf verständig, die Verkehrsblockaden in der Region zu beenden. Aserbaidschans Staatschef İlham Əliyev (Alijew) kündigte an, die 30 Jahre lang gesperrten Eisenbahnlinien zwischen beiden Ländern wieder zu öffnen (Quelle: Kommersant, Russisch).

Damit könnten erstmals seit 1992 wieder Züge zwischen Russland und Armenien verkehren - zumindest in der Theorie. Aserbaidschan soll im Gegenzug wieder den Bahnverkehr in seine Exklave Nachitschewan aufnehmen können. Einzelheiten sollen nun Regierungsdelegationen der beiden Nachbarstaaten aushandeln. Bis tatsächlich wieder Züge in der Region verkehren, werden noch Jahre vergehen: Die Strecken zwischen beiden Ländern wurden nach dem ersten Karabach-Krieg teilweise demontiert oder bei Kämpfen zerstört. 

Ausschnitt aus einem russischen Eisenbahn-Atlas für die GUS-Staaten
Ausschnitt aus einem russischen Eisenbahn-Atlas für die GUS-Staaten

Dies betrifft unter anderem die einstige Hauptstrecke der sowjetischen Eisenbahn zwischen Baku und Jerewan: Die führte in besseren Zeiten durch spektakuläre Landschaften teilweise direkt am Arax, dem Grenzfluss zum Iran entlang. Von Baku aus verlief sie durch einen kleinen Abschnitt von Armenien um Meghri (russischsprachiger Blog-Bericht über die stillgelegte Bahnlinie), dann durch die Exklave Nachitschewan und dann wieder nach Armenien. In der Ortschaft Dschulfa (Culfa) befand sich der einzige sowjetisch-iranische Eisenbahn-Grenzübergang, über den einst sogar direkte Schlafwagen zwischen Moskau und Teheran verkehrten.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde nicht nur zwischen Armenien und Aserbaidschan jeglicher Verkehr eingestellt. Auch die Grenze zwischen Armenien und der Türkei ist komplett geschlossen. Besonders penibel waren die Aserbaidschaner beim Thema Karabach. Jeder Ausländer, von dem die aserbaidschanischen Behörden erfuhren, dass er die verlorene Provinz besucht hatte, bekam bislang ein unbefristetes Einreiseverbot.

Wer von Russland aus auf dem Landweg nach Armenien gelangen wollte hatte bislang (bis zum Ausbruch der Pandemie, um genau zu sein) genau zwei Möglichkeiten: Die kürzeste Route führte von Wladikawkas aus über die grandiose, nach Lawinen oder Erdrutschen jedoch oft gesperrte Georgische Heerstraße und den berüchtigten georgisch-russischen Grenzübergang bei Werchni Lars. Die längere, auch für westeuropäische Reisende offene verlief im großen Bogen um den Kaukasus herum durch Aserbaidschan und Georgien. Für Armenier und für den Warenverkehr von und nach Armenien war sie gesperrt.

Dass es schon bald spürbare Erleichterungen im Reiseverkehr im Südkaukasus geben wird, ist allerdings nicht garantiert, denn nach dem für Aserbaidschan siegreichen Krieg um Berg-Karabach ist die tiefe Feindschaft zwischen beiden Nationen nicht vergangen. Die kürzeste Zugverbindung zwischen Russland und Armenien bleibt ohnehin auch weiter blockiert: Sie führte einst am Schwarzen Meer entlang von Sotschi über Georgien. Seit dem Bürgerkrieg um die Teilrepublik Abchasien und deren faktischer Unabhängigkeit findet hier ebenfalls kein Zugverkehr mehr statt. Verhandlungen, die Strecke wieder zu öffnen, waren in den vergangenen Jahren leider gescheitert. Auch auf der Straße ist an dieser Stelle seit vielen Jahren keine durchgehende Fahrt zwischen Georgien und Russland möglich.


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