Russlands E-Visa - eine Totgeburt?

Touristen am Moskauer Kreml

Zwar warten reiselustige Menschen weltweit auf ein Nachlassen der Coronavirus-Pandemie. Im Fall von Russland sind die geschlossenen Grenzen besonders ärgerlich, denn das Land hatte eigentlich zum 1. Januar 2021 seine Einreisebestimmungen für Bürger von über 50 Staaten spürbar erleichtert - durch die Einführung einfach erhältlicher E-Visa für Kurzaufenthalte von maximal 16 Tagen. Die Reform hätte sicherlich auch zahlreiche Menschen in das größte Land der Welt gelockt, die dort noch nie waren. Nun reagiert die russische Tourismusindustrie verständnislos auf den vom Moskauer Außenministerium veröffentlichten Entwurf für den E-Visum-Antrag. Der umfangreiche Fragenkatalog liest sich so, als hätten die russischen Behörden doch kein Interesse an Besuchern.

Selbst die offiziöse russische Regierungszeitung "Rossijskaja Gazeta" kommt zu dem Schluss: "Einige der Frage können bei ausländischen Touristen zumindest für Verwirrung sorgen." Wer in Zukunft ein E-VIsum beantragt, soll nämlich deutlich umfangreichere Angaben über sich machen, als dies bislang üblich war. Das geht aus einer bereits im Internet veröffentlichte Verordnung des Außenministeriums hervor. Der E-Visum-Antrag enthält demnach rund doppelt so viele Fragen wie die herkömmlichen Visaanträge für EU-Bürger.

So sollen Antragsteller unter anderem auch angeben, welche Ländern sie in den vergangenen drei Jahren besucht haben. Verlangt werden Auskünfte nicht mehr nur über den aktuellen Arbeitsplatz, sondern auch über berufliche Stationen der Vergangenheit und über Ausbildungsstätten nach dem Ende der Schulzeit, außerdem Geburtsdaten von Eltern und Partnerin oder Partner. Die russischen Behörden interessieren sich außerdem dafür, ob Antragsteller "während ihres Aufenthaltes auf dem Territorium der Russischen Föderation im Namen gemeinnütziger, internationaler oder staatlicher Organisationen auftreten" werden, ob sie Kenntnisse im "Umgang mit Waffen, Sprengstoffen, radioaktiven, biologischen oder chemischen Substanzen" besitzen und jemals an einem kriegerischen Konflikt teilgenommen haben oder dessen Opfer wurden. Sogar darüber, welche Social-Media-Plattformen man nutzt, soll man Auskunft geben.

All diese Dinge mussten vor einer Russland-Reise auch in der Vergangenheit bereits Ausländer aus einer Handvoll Länder beantworten. Aber das war dann - wie im Fall von Bürgern Großbritanniens und der USA - überwiegend eine Retourkutsche für ähnlich schikanöse Visaanträge der Gegenseite. (Beide Staaten sind von den E-Visa ausgenommen.)

MItte Februar haben nun mehrere Branchenverbände einen gemeinsamen Protestbrief an das Außenministerium geschrieben. "Schon jetzt ist klar, dass dieser Antrag kaum bei jemandem den Wunsch auslöst, ihn auszufüllen", zitiert Interfax (Russisch) den Chef der Russischen Tourismusindustrie-Union RST Andrej Ignatjew.

Wegen der Corona-Krise gibt es für die meisten Ausländer momentan ohnehin keine Einreiseerlaubnis nach Russland - und erst recht keine E-Visa. Dass die Behörden die Visum-Anträge bis zum Ende der Pandemie überarbeiten, ist zwar unwahrscheinlich, aber vielleicht nicht ganz ausgeschlossen.


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