Russlands Eisenbahn experimentiert mit fahrerlosen S-Bahn-Zügen

Lastotschka-Regionalexpress in Moskau

Die Russische Eisenbahn RZD will bereits in naher Zukunft Passagiere mit autonom fahrenden S-Bahn-Zügen befördern. Schon ab 2021 könnte eine fahrerlose Version der von Siemens entwickelten modernen "Lastotschka"-Regionalexpress-Züge in Moskau regulär in Betrieb genommen werden. Erste Modellstrecke in Russland soll der Kleine Moskauer Eisenbahnring werden. Dort werden inzwischen die ersten Züge mit der nötigen Software und Steuerungstechnik ausgerüstet. Auf der jahrzehntelang nur von Güterzügen genutzten Strecke wurde 2016 ein eng getakteter S-Bahn-Verkehr gestartet. Als Linie 14 soll der 54 Kilometer lange "Moskauer Eisenbahnring (MCK)" die überfüllte Moskauer Metro entlasten.

Zum Einsatz kommen auch für die fahrerlose Beförderung die gleichen Züge wie bislang schon, heißt es.

Und nicht nur das: Auch die Zugführer sollen in jedem Fall vorerst weiter an Bord bleiben, aber nur noch in außerplanmäßigen Situationen in die automatisch ablaufende Steuerung der Triebwagen eingreifen, berichtete die Zeitung "Wedomosti". Außerdem kann die Betriebszentrale der Bahn bei Bedarf die Kontrolle über den Zug übernehmen. Bereits Ende August rollte die erste autonome "Lastotschka" über die Eisenbahn-Versuchsstrecke südlich der Hauptstadt. Dabei erkannte die automatische Steuerung unter anderem ein auf den Gleisen platziertes Hindernis und stoppte davor (nach mehreren Hupsignalen).

Einen genauen Startzeitpunkt für den serienmäßigen Einsatz der fahrerlosen Züge kann die RZD noch nicht nennen, da derartige System auch noch keine offizielle Zulassung haben. Die russische Staatsbahn RZD will ihre Versuche mit autonom verkehrenden Zügen aber definitiv nicht auf den Moskauer S-Bahn-Verkehr beschränken. Inzwischen gibt es auch erste Testfahrten von fahrerlosen Rangierloks.


Und auch andere Verkehrsunternehmen in Russland setzen mittlerweile auf autonom fahrende Technik: So verbindet mittlerweile eine unterirdische fahrerlose Mini-Metro auf dem Moskauer Flughafen Scheremetjewo das nördlich der Start- und Landebahnen gelegene Terminal B mit den anderen Abfertigungsgebäuden. Die Moskauer Metro experimentierte ebenfalls schon mit fahrerlosen U-Bahn-Zügen.

Außerdem gibt es in der Hauptstadt Überlegungen für den Start autonomer Straßenbahnen - als Kooperationsprojekt zwischen Stadtverwaltung und dem Internetkonzern Yandex. Wenn es dazu käme, wäre das eine gute Nachricht, denn Straßenbahnen (und das riesige  Trolleybus-Netz) wurden in Moskau zuletzt mehr als stiefmütterlich behandelt, viele Linien sind in den vergangenen Jahren unverständlicherweise eingestellt worden.


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