Bahn will 3.-Klasse-Passagiere in Schlafkapseln stecken

Bei der Russischen Eisenbahn (RZD) soll es in den kommenden Jahren den seit Jahrzehnten verwendeten Dritte-Klasse-Wagen ("Platzkartny") an den Kragen gehen: Russlands Bahnchef  Oleg Belosjorow kündigte für die kommenden Jahre die Einführung neuartiger Waggons anstelle der bisher gebräuchlichen an. Derzeit werde geprüft, ob die derzeitigen offenen Liegewagen durch Schlafkapseln ersetzt werden. Jeder Fahrgast solle ein wenig Privatsphäre haben, zitierten ihn russische Medien. Wie das mit den Kapseln genau aussehen soll, weiß wahrscheinlich auch die RZD noch nicht so genau. Fest steht aber: Die Plazkartny-Waggons der Zukunft sollen auch mit Steckdosen für alle Passagiere und sogar mit Duschen ausgestattet werden.

Außerdem wird über gesonderte Ablagen für sperriges Gepäck nachgedacht. Bis 2025 will die Bahn 5.000 neue Waggons in Dienst nehmen.

Spötter in den sozialen Medien unkten, dass es in der Billigklasse der russischen Fernzüge dann wohl so zugehen werde wie in dem Science-Fiction-Streifen "Das fünfte Element". Auch auf den Moskauer Flughäfen gibt es seit einigen Jahren bereits sogenannte Kapselhotels mit winzigen Schlafboxen - bekanntester Hotelgast bislang war der Whistleblower Edward Snowden, als er auf seiner Flucht in Russland strandete. Diese Idee bei der Konstruktionen von Nachtzügen zu verwenden, ist übrigens weniger bizarr, als es auf den ersten Blick klingt: In China gibt es bereits derartige Züge.

 

Bis zur endgültigen Abschreibung der alten 3.-Klasse-Wagen - die oft noch weder über ein geschlossenes WC-System noch über eine Klimaanlage verfügen - sollen die Plätze dort nach den Plänen der RZD zu besonders billigen Tarifen verkauft werden - und dafür eine neue Wagenklasse "Econom-Budget" eingeführt werden.

Ursprünglich wollte das Topmanagement der Russischen Eisenbahn die in der gesamten ehemaligen Sowjetunion weit verbreiteten Platzkartny-Waggons mit offenen Abteilen und zusätzlichen Liegen längs zum Gang am liebsten eigentlich komplett ausmustern. Das Problem dabei ist nur: Die Waggons sind zwar bei den Russen nicht besonders beliebt, aber für Millionen Fahrgäste waren sie wegen der staatlich regulierten und vergleichsweise sehr niedrigen Fahrpreise bislang alternativlos.


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