Russland wählt berühmte Namensgeber für Flughäfen

Puschkin-Airport Moskau Scheremetjewo

Bei einer Internet-Abstimmung waren die Einwohner Russlands danach gefragt worden, nach welchen berühmten Persönlichkeiten 45 der größten Flughäfen des Landes benannt werden sollen. Jetzt liegen die ersten Ergebnisse der Aktion vor: So wird Russlands Nationaldichter Alexander Puschkin Namenspatron für Moskaus Airport Scheremetjewo. Moskau-Domodedowo wird den Namen des Universalgelehrten Michail Lomonossow erhalten. Auch anderswo wählten die Russen Künstler und Denker: Der Flughafen von Kasan an der Wolga wird nach dem tatarischen Volksdichter Gabdulla Tukaj benannt, der Airport von Magadan nach dem Sänger Wladimir Wyssozki. Die Mineralwasser-Kurorte im Kaukasus bekommen ihren Lermontow-Flughafen.

Allerdings lief der Wettbewerb nicht ohne Skandale ab.

Ob sich bei der Abstimmung tatsächlich Volkes Stimme durchsetzte oder doch im Sinne der Staatsführung gemogelt wurde, lässt sich schwer sagen. Enttäuschend für viele Internet-Aktivisten endete allerdings die Abstimmung in Omsk. Der Favorit vieler Bewohner der Region, Punkrock-Legende Jegor Letow von "Graschdanskaja Oborona", der sich 2008 in seiner Omsker Wohnung zu Tode gesoffen hatte, war von den Verantwortlichen gar nicht erst für die Abstimmung zugelassen worden. Es siegte letztlich der von den Nazis im KZ Mauthausen ermordete Sowjet-General Dmitri Karbyschew. 

 

In den vergangenen Tagen rückte vor allem die Abstimmung in Kaliningrad, dem ehemaligen Königsberg, ins Zentrum des medialen Interesses. Die Frage, ob der Flughafen zu Ehren des deutschen Philosophen Immanuel Kant benannt werden darf, brachte russisch-nationale Patrioten in Wallung. Anfangs lag Kant nämlich sogar in Führung. Es gab Farbbeutel-Anschläge auf das Kant-Denkmal und sein Grabmal am Königsberger Dom, und im Internet kursiert ein Video, in dem ein Admiral seinen Untergebenen beim Fahnenappell einbläut, ein Kant-Flughafen wäre ein riesiger Frevel. Der Philosoph sei nämlich ein Vaterlandsverräter, der nur irgendwelche unverständlichen Bücher geschrieben habe. Letztlich setzte sich die "No-you-Kant-Fraktion" durch: Der Kaliningrader Flughafen wird nun nach der russischen Kaiserin Jelisaweta Petrowna benannt.

Von einer Quotenregelung hielten die Veranstalter des Wettbewerbs "Große Namen" übrigens nicht viel. Lediglich in drei Orten konnten Frauen punkten, neben Kaliningrad auch in Pskow (Fürstin Olga) und in Krasnodar (Zarin Katharina die Große).


Dafür haben die Organisatoren der Abstimmung es allerdings zugelassen, dass manche berühmten Russen gleich in mehreren Orten nominiert und eine Mehrheit der Internet-Stimmen bekommen konnten. Für einige Flughäfen gibt es deshalb einen zweiten Wahlgang, darunter für St. Petersburg-Pulkowo und Moskau-Wnukowo.

Trotz der zu Sowjetzeiten verbreiteten Mode, Fabriken, Kolchosen und ganze Städte und Provinzen nach verdienten Parteiführern zu benennen, machte der Personenkult aus unerklärlichen Gründen vor den Flughäfen des Landes Halt. Stattdessen waren die meist fernab der Innenstädte gebauten Airports in der Regel nach Dörfern aus der Umgebung benannt. Auch in Zukunft sollen bekannte Marken wie Scheremetjewo oder Domodedowo allerdings nicht ganz aufgegeben werden. Die russischen Berühmtheiten sind als eine Art Namenszusatz gedacht. (kp)