Russland hofft auf neue Welterbe-Titel

Die Liste der russischen Unesco-Welterbestätten könnte bereits im Sommer 2017 um zwei Zeilen länger werden. Anfang Juli werden die Mitglieder des Welterbekomitees im polnischen Krakau bei ihrer jährlichen Sitzung auch über zwei Anträge aus Russland entscheiden. Beantragt ist der Welterbestatus für die Himmelfahrtskathedrale auf der Festungsinsel Swijaschsk an der Wolga und - grenzüberschreitend mit der Mongolei - für den Nationalpark "Daurski" in der ostsibirischen Verwaltungsregion Transbaikalien. In der Vergangenheit hatten sich die Unesco-Funktionäre bereits mit beiden Orten befasst, eine endgültige Entscheidung jedoch vertagt und von der russischen Seite Nachbesserungen gefordert.

So sollte im Fall von Swijaschsk ursprünglich die gesamte historische Insel zum Welterbe erklärt werden, was bei der Unesco wegen der größeren Anzahl von Neubauten auf Widerspruch stieß. Nach der Eingrenzung auf das Himmelfahrtskloster und dessen zentrale Kirche stehen die Chancen nun deutlich besser.

Im Falle einer erfolgreichen Abstimmung könnte sich Russlands autonome Teilrepublik Tatarstan bereits mit ihrem dritten Welterbetitel schmücken. Bereits im Jahr 2000 wurde der Kreml von Kasan in die Liste aufgenommen, 2014 folgte Bauensemble und archäologische Ausgrabungsstätten in Bulgar, dem mittelalterlichen Zentrum der Wolga-Bulgaren.

Die Steppenlandschaften des Naturreservats "Daurski" umfassen allein auf russischer Seite ein Territorium von mehr als 200.000 Hektar. In der Grenzregion leben unter anderem Mongoleigazellen (Dzeren), Sibirsche Murmeltiere und die zentralasiatische Wildkatze Manul. Unter dem Titel "Landschaften Dauriens" hatte das russisch-mongolische Welterbeprojekt bereits 2015 auf der Tagesordnung der Unesco-Konferenz gestanden, eine Entscheidung war damals aber vertagt worden.