Rhein-Wolga-Blog

Neues aus Russland und auf dieser Seite:

JUNI 2017

Russland und Weißrussland wollen nun doch Mini-Schengen

Auf diese Nachricht haben EU-Bürger, die früher häufig auf dem Landweg nach Russland reisten, vermutlich gewartet: Russische und weißrussische Regierung streben nun doch eine Art "Mini-Schengen-Zone" an und wollen die Visa des jeweils anderen Staates anerkennen. Alexander Surikow, russischer Botschafter in Minsk, kündigte in einem Fernsehinterview an, ein entsprechender Staatsvertrag werde bis Ende des Jahres unterschriftsreif sein. Die Grenze zwischen beiden Ländern, die seit Herbst 2016 von Ausländern aus Drittstaaten offiziell nicht mehr überquert werden darf, wäre dann wieder für alle passierbar.

 

 

Mehr noch: Künftig wäre nur noch ein Visum für Russland-Reisen auf dem kürzesten Landweg nötig - so, wie es bereits in den Jahren zwischen dem Zerfall der Sowjetunion und 2000 möglich war. Ein weißrussisches Visum werde dann automatisch in Russland anerkannt und umgekehrt, erklärte der Botschafter.

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Twer - Provinz mit Stil

Der einzige Eindruck von Twer, den viele Russlandreisende mit nach Hause nehmen, ist ein kurzer Blick aus dem Fenster der Hochgeschwindigkeitszüge auf der Fahrt von Moskau nach St. Petersburg. Das ist eigentlich schade: Das Provinzzentrum am Oberlauf der Wolga mit heute mehr als 400.000 Einwohnern hat zwar keine weltbekannten Attraktionen zu bieten, ist aber durchaus ein lohnenswerter Zwischenstopp. Im späten Mittelalter war Twer Moskaus größter Widersacher im Machtkampf der rivalisierenden russischen Fürstentümer und eine der größten Städte im heutigen Russland. Aus dieser Zeit gibt es allerdings kaum noch Zeugnisse zu bestaunen. Nach zwei verheerenden Großbränden im 18. Jahrhundert wurde die Stadt im klassizistischen Stil von den besten Baumeistern des Zarenreichs wieder aufgebaut. Im Zentrum sind viele historische Straßenzüge gut erhalten, die damals nach Petersburger Vorbild entstanden.

Blitzkarriere ohne Diplom - Moskau in Zeiten der Wirren

Manche im Westen und in Russland verklären mittlerweile die chaotischen 1990er Jahre. Die Umbruchzeit machte die meisten Menschen bettelarm, einige aber steinreich. Und sie machte Laufbahnen möglich, die es heute wohl kaum noch geben könnte.

 

Moskau (März 1996). Einige Liter Alkohol waren schon geflossen, als einer von Katjas Geburtstagsgästen einen neuen Zeitvertreib vorschlug. Der Reihe nach sprachen die Gäste jeweils einen schönen Trinkspruch auf ihren linken Nachbarn aus. Rechts von mir saß Wladimir, in einem früheren Leben Physiker, der sich zum Jungunternehmer gemausert hatte.

 

"Früher gab es in meinem Leben einen Deutschen, den ich mehr als alle anderen geschätzt habe, und zwar Bismarck", begann er seine kleine, besonders charmante Rede. "Das war, bevor ich Dich kennengelernt habe." Am selben Abend machte er mir gleich noch ein Angebot, das mir eine "Karriere" in Überschallgeschwindigeit beschert hätte, wenn ich denn zugesagt hätte.

Russischer ICE "Sapsan" fährt häufiger

Die staatliche russische Eisenbahngesellschaft RZD erhöht die Zahl der täglichen Verbindungen zwischen Moskau und Sankt Petersburg mit dem Breitspur-ICE "Sapsan" ("Wanderfalke"). In den Sommermonaten sollen nun täglich 13 Zugpaare zwischen den beiden Millionenstädten verkehren. Wie die Eisenbahn in einer Presseerklärung mitteilte, sind an Freitagen, Wochenenden und Monaten und für die Dauer des "Confed Cups" sogar 15 Zugpaare in den Fahrplan aufgenommen. Während des Fußballturniers rechnet die RZD mit einer erhöhten Ticket-Nachfrage bei Fußballfans. Die günstigsten Fahrkarten für die insgesamt 660 Kilometer lange Strecke sind ab knapp 2.000 Rubel erhältlich (derzeit rund 32 Euro).

 

Die Hochgeschwindigkeitszüge benötigen für eine Fahrt zwischen Moskau und St. Petersburg weniger als vier Stunden - und sind somit doppelt so schnell wie die herkömmlichen Nachtzüge, die auf der Strecke ebenfalls zum Einsatz kommen.

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Auferstanden aus Ruinen - Wolgograd

Nur an wenigen Orten in Europa ist das Grauen des Zweiten Weltkriegs so sehr zu spüren, wie in Wolgograd, dem früheren Stalingrad.  Die Schlacht um das Industriezentrum an der südlichen Wolga wurde über ein halbes Jahr mit unvorstellbarer Härte geführt. Verbissen kämpften Deutsche und Russen vom Spätsommer 1942 bis Anfang Februar 1943 monatelang um jede Ruine, bis buchstäblich nichts mehr von dem einstigen Provinzzentrum übrig und bis zu einer Million Menschen getötet worden waren. 

Nach 1945 wurde das Trümmerfeld als sozialistische Vorzeigestadt wiederaufgebaut. Die schmerzhafte Geschichte begegnet Besuchern hier bis heute auf jedem Schritt. Weltbekannt ist die Stadt heute vor allem wegen der gigantischen Skulptur "Mutter Heimat ruft".

Wieder Fähre von Russland nach Georgien

Nach längerer Unterbrechnung gibt es wieder eine Fährverbindung zwischen dem russischen Sotschi und dem georgischen Schwarzmeerhafen Batumi. Wie das Internetportal travel.ru berichtet, verkehrt seit Ende Mai wieder einmal wöchentlich ein Tragflügelboot des georgischen Unternehmens "Express Batumi" vom sowjetischen Typ "Kometa" zwischen beiden Hafenstädten. Abfahrt in Georgien ist jeweils donnerstags, die Rückreise aus Sotschi findet planmäßig freitags statt. Für die Strecke über das Schwarze Meer benötigt die Schnellfähre rund fünf Stunden.

Mit Fahrpreisen für eine einfache Fahrt von umgerechnet knapp 100 Euro pro Person ist eine Reise mit dem Boot keine besonders günstige Angelegenheit. Allerdings gibt es für Fahrten zwischen der russischen und der georgischen Schwarzmeerküste kaum Alternativen.

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Ein Garten für Nadjeschda - Das Dendrarium

Ein russischer Verleger des 19. Jahrhunderts wollte seiner geliebten Frau ein Geschenk machen: Er kaufte an der damals noch kaum besiedelten Schwarzmeerküste bei Sotschi ein stattliches Grundstück und ließ dort rings um seine Villa den Garten anlegen, von dem seine Gemahlin Nadjeschda immer geträumt hatte. Das 1892 von Sergej Chudekow begründete Dendrarium von Sotschi zählt heute zu den eindrucksvollsten Botanischen Gärten Russlands. Palmen, Zypressen, Kiefern und Bambus aus dem Mittelmeerraum, dem Kaukasus, dem Himalaya, Ostasien und Amerika haben auf dem 50 Hektar großen Areal Platz gefunden. Längst ist der Park eine der wichtigsten, wenn nicht sogar die wichtigste Attraktion des Ferienorts.

Chruschtschows Apartments - Wohnen wie im Kommunismus

Kaum ein Thema wird zurzeit in Moskau hitziger diskutiert, als der geplante massenhafte Abriss alter Plattenbauten. Über zwei Jahre lang habe ich selbst in einem der berühmt-berüchtigten "Chruschtschowkas" gewohnt. Das Unbehagen der Leute gegen die Umsiedlungspläne kann ich verstehen, aber diese Häuser waren auch schon vor 20 Jahren eigentlich niemandem mehr zuzumuten...

Moskau (Dezember 1995). Nein, schön war sie nicht, die Wohnung, die mir Juri Sergejewitsch eines Nachmittags zeigte. Ein Zimmer, das lange nicht mehr renoviert worden war, Möbel, die in Deutschland schon lange auf dem Sperrmüll gelandet wären und noch dazu war bei mehr als zwanzig Grad Frost die Heizung gerade ausgefallen. Trotzdem wollte ich sofort einen Mietvertrag unterschreiben. Im Vergleich zum Studentenwohnheim der Patrice-Lumumba-Universität erschien die 30-Quadratmeter-Bleibe wie ein kleines Paradies. Die 250 Dollar Monatsmiete — wie ein Geschenk.