"Das Märchen hat sich mit dem Leben verwoben, und er trauert manchmal unbewusst darum, dass das Märchen nicht das Leben und das Leben kein Märchen ist."

Iwan Gontscharow (1812-1891), in "Oblomow"

 

Reiseberichte und Erinnerungen an elf Jahre Russland:

 In dieser Rubrik sind Berichte über unsere Russland-Reisen gesammelt, die wir in den vergangenen Jahren auf eigene Faust unternommen haben. Dabei sind wir überwiegend mit der Eisenbahn unterwegs. Weiter unten gibt es Erinnerungen an elf ziemlich wilde Jahre in Moskau aus der Zeit zwischen 1995 und 2006. In dieser Zeit waren Ferien in Russland für uns noch kein Thema, gewöhnlich ging es damals sofort am ersten Urlaubstag Richtung Westeuropa.

Zug RZD Ural Ufa Tscheljabinsk
Unterwegs mit Zug im südlichen Ural auf der Strecke Ufa - Tscheljabinsk


Unsere Russland-Reisen auf der Karte:


Russland-Reiseberichte:

Weiße Nächte, Weißes Meer, weiße Wale: Reisebericht Nordrussland

Unzählige Seen, dichte Wälder und stille Buchten im Süden, nördlich davon Waldtundra und sogar ein kleines echtes Gebirge - die Landschaften zwischen Karelien, Weißem Meer und Halbinsel Kola sind ein Traum für Liebhaber von wilder Natur und Einsamkeit. Und als wäre das nicht genug, locken in Russlands Norden noch die einzigartigen Solowezki-Inseln, auf denen sich die ganze Dramatik der russischen Geschichte widerspiegelt wie in einem Brennglas. Im Sommer 2018 verbanden wir einen Besuch in Sankt Petersburg mit einer Reise zum Polarkreis. Während Russlands Metropolen ganz im Zeichen der Fußball-WM standen, erlebten wir im Norden unser völlig anderes „Sommermärchen“, in dem es nachts niemals dunkel wurde.

Gipfel, Geier und Geheimagenten: Reisebericht Nordkaukasus

Grandiose Berge und Schluchten und eine kaum zu überschauende Vielfalt von Völkern und Sprachen machen den Nordkaukasus zu einem der potenziell interessantesten Reiseziele in Russland. Es locken die höchsten Gipfel Europas mit dem Elbrus an der Spitze (sofern man diese Region noch zu Europa zählen mag, was unter Geografen umstritten ist)  und eine umwerfende Küche. Leider prägten an diesem Schnittpunkt von christlich-orthodoxem und islamischem Kulturkreis nach dem Zerfall der Sowjetunion zunächst viele Konflikte, allem voran die beiden fürchterlichen Tschetschenien-Kriege, das Image des nördlichen Kaukasus. Und vor gar nicht langer Zeit galten Teile der Region zurecht als No-Go-Zonen für Ausländer. Doch in den vergangenen Jahren hat sich die Situation grundlegend verbessert, in den allermeisten Gegenden muss niemand mehr Angst haben.

Wildpferde, Bären und singende Hasen: Reisebericht Süd-Ural

Die südliche Ural-Region bietet fast alles, was Russland so faszinierend macht: Zwischen Tscheljabinsk im Nordosten und Orenburg im Südwesten gibt es endlose Taiga, Berge, bunte Wiesen und baumlose Grassteppen, Flüsse mit vielen hübschen Badestellen. Auf den Reisenden wartet jede Menge Natur, dazwischen aus der Zeit gefallene Dörfer, Städte mit bewegter Geschichte und Industriemonster aus der Sowjetzeit. Russen, Baschkiren, Kasachen und andere Völker haben die Region gemeinsam geprägt und kommen augenscheinlich recht gut miteinander klar. Das einzige, was es so gut wie gar nicht gibt, sind andere Touristen. Ein grandioses, bislang unentdecktes Reiseziel!

Apfelsinen, Adschika und Amazonen: Reisebericht Sotschi

Sotschi war vor einigen Jahren kurz in aller Munde. Wir kannten Russlands "Ferien-Hauptstadt" am Schwarzen Meer bislang nur aus der Ära vor Olympia. In den Osterferien 2017 beschlossen wir, der Winterkälte ein Schnippchen zu schlagen, und nachzusehen, was sich dort verändert hat. Von Moskau aus reisten wir mit dem Zug ans Schwarze Meer und erkundeten den Urlaubsort und sein Hinterland. Die Kombination aus Meer, schneebedeckten Bergen und subtropischer Vegetation zwischen Küste und Kaukasus macht Sotschi zu einem einzigartigen Ort. In der Vorsaison war auch der Aufenthalt in der Stadt selbst angenehm. Ein Reisebericht mit den Stationen Moskau, Sotschi und Rostow am Don.

 

Kaviar, Kamele und Kalmücken: Reisebericht Astrachan und Elista

Indischer Lotos statt Birkenwäldern, Pagoden-Dächer statt Zwiebeltürmen – der äußerste Südosten des europäischen Russlands hält für Reisende so einige Überraschungen bereit. Wo zwischen endlosen Steppen und Halbwüsten die Wolga gemächlich in Richtung Kaspisches Meer strömt, verschwimmen unter der brütend heißen, flimmernden Sommersonne allmählich Europa und Asien. Wer diese Gegend besucht, durch die einst die Reiterheere der Chasaren und Mongolen zogen, dem erscheinen Moskau oder St. Petersburg zuweilen so weit entfernt wie fremde Sterne. Im August 2015 wollten wir unseren Kindern ein wenig von diesem exotisch-anderen Russland zeigen. Ein Bericht über eine Reise mit den Stationen Wolgograd, Astrachan und Elista.

Reisebericht: Von der Wolga zum Ural

Auf über 2.000 Kilometer Länge gelten die Ural-Berge als natürliche Grenze zwischen Europa und Asien. Touristisch ist die Region aus westeuropäischer Sicht bislang ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. Zu Sowjetzeiten waren die größten Städte für Ausländer gesperrt, mit dem Ural verband man im Westen Kupferminen, Straflager und riesige Rüstungsfabriken. Tatsächlich gibt es dort einige Dinge mehr zu entdecken. Im Sommer 2016 waren wir unterwegs zwischen Millionenstädten wie Jekaterinburg oder Perm und menschenleerer Natur.

Mit dem Schiff von St. Petersburg nach Moskau

Flusskreuzfahrten zwischen Moskau und St. Petersburg sind eine der populärsten Formen, Russland kennenzulernen.

2014 bin ich auf einem der vielen blau-weißen Schiffe, der MS Iwan Bunin, mitgefahren. Der Rhein-Wolga-Kanal zeigt, was Reisende dabei sehen und erleben - neu auf dieser Seite und zwar hier.


Elf Jahre Russland und andere Kuriositäten:

Leere Bankautomaten, leere Läden

Genau vor 20 Jahren, am 17. August 1998, brach das russische Finanzsystem zusammen. Folge war ein solches Chaos, dass das aktuelle Geschehen in der Türkei im Vergleich noch ziemlich harmlos aussehen lässt. Und ich war damals mitten drin:

Moskau (August 1998)
. Das letzte Jahr meines Moskauer Wirtschaftsstudiums begann äußerst spannend. Nicht, dass sich am bescheidenen Niveau der Vorlesungen etwas geändert hätte. Auch mit dem Nebenjob wollte es nicht recht klappen. Die Deutschgruppe an der privaten Sprachschule, an der ich abends unterrichtete, war mangels Beteiligung aufgelöst worden. Aber dramatisch war etwas ganz anderes: Der Start ins Studienjahr fiel mitten in die fatale Rubelkrise. 

Die lieben Obstverkäuferinnen

Kaum ein Bereich des Alltags in Russland hat sich in den vergangenen Jahren so verändert wie das Einkaufen. Zum Glück, muss man sagen. Auch, wenn manche Begebenheiten durchaus amüsant waren...

 

Moskau (Oktober 1995/Oktober 2006). Der Schneematsch reichte bis zu den Knöcheln. Eine riesige Menschenmenge quälte sich mit schweren Einkaufstaschen durch das Labyrinth aus Blech-Containern und alten Lastwagen, von deren Ladeflächen irgendwelche Waren verkauft wurden. "Großmarkt" nannten sich die apokalyptischen Handelsplätze an den Stadträndern von Moskau, aber hier kauften keine Großhändler ein, sondern das einfache Volk. 

Moskaus "angesehene Stadtviertel"

Kaum etwas auf der Welt ist komplizierter, als in Moskau eine gescheite Wohnung zu finden. Das war in den Umbruchjahren nach dem Zerfall der Sowjetunion nicht viel anders als heute. Ein persönlicher Rückblick:

 

Moskau (April 2000). Zugegeben, selbst manche russische Freunde verzogen den Mund zu einem Grinsen, als sie unsere neue Adresse hörten. "Wir wohnen jetzt in der Dritten Heizkörperstraße, Haus 13." Nein, angeben konnte man mit einer solchen Anschrift nicht. Im Nordwesten Moskaus, versteckt hinter den Häusern der Leningrader Chaussee, liegen die drei Heizkörper-Straßen mit ihren niedrigen - das heißt fünf- bis zwölfstöckigen Wohnblocks aus verschiedenen Nachkriegsjahrzehnten - und vielen hohen Bäumen an den Straßenrändern.

Mein Ausreisevisum - Grober Unfug à la Russe

Wenn man sich als Deutscher im Ausland aufhält, geht man gewöhnlich davon aus, dass man jederzeit nach Deutschland zurückkehren kann (wenigstens, solange man nichts ausgefressen hat und dafür im Gefängnis sitzt). In meiner Studentenzeit hatten die russischen Behörden zu dem Thema eine andere Ansicht: Keine Ausreise ohne Ausreisevisum. Ein paar Erinnerungen an den bizarrsten Unsinn, dem ich in 11 Jahren in Russland begegnet bin: 

 

Moskau (Dezember 1997/Januar 1998). Man hatte mich gewarnt, dass es Schwierigkeiten geben würde. Ich würde mir zu viel herausnehmen, fürchteten selbst ausländische Studienfreunde. Der ehrgeizige Plan bestand darin, Ende 1997 über Weihnachten und Silvester von Moskau nach Deutschland zu reisen.

Weihnachtsmann mit Parteibuch

Von Boris Jelzins Premierminister Viktor Tschernomyrdin stammt der tausendfach zitierte Satz: "Egal, was für eine gesellschaftliche Organisation wir auch gründen, es kommt immer die KPdSU dabei raus." Wie wahr, wie wahr...

 

Weliki Ustjug (Dezember 2002). Es sollte eine schöne, bunte Reportage aus Nordrussland werden. Ein Treffen mit dem Weihnachtsmann. Mit dem echten, wohlgemerkt. Nicht mit denen, die die Moskauer in der Neujahrsnacht für hundert Dollar mieten können. Väterchen Frost, der russische Weihnachtsmann, hatte seit einigen Jahren seine offizielle Residenz in dem beschaulichen Städtchen Weliki Ustjug. Doch der Kurzbesuch im frostigen Norden hinterließ einen faden Nachgeschmack. Die Kreml-Partei "Einiges Russland" hatte sogar Väterchen Frost für sich in Beschlag genommen.

HIV-Test negativ

Ich weiß nicht, wie es heutzutage ist, aber in den 1990-er Jahren kam man sich als Student an der altehrwürdigen Moskauer Lomonossow-Universität gelegentlich vor wie in einem Roman von Franz Kafka. Manche Probleme ließen sich allerdings lösen, wenn man dem Alltagswahnsinn einfach seine eigenen absurden Spielregeln entgegensetzte...

 

Moskau (Juni 1998). Die Moskauer Universität war nie ein Hort liberaler Vordenker. Aber zumindest gab es immer eine Menge kluge Köpfe an Russlands bester Hochschule. Was im Kopf von Dauer-Rektor Viktor Sadownitschi vor sich ging, als er seine dümmliche Kampagne gegen die Ausbreitung von Aids startete, wird wohl ewig sein Geheimnis bleiben.

Embedded in der Kalmücken-Steppe

In der russischen Provinz spontan ein Hotelzimmer zu ergattern, konnte noch vor 15 Jahren ein echtes Problem darstellen. Aber zum Glück gab es ja noch das Militär, das ausländischen Reportern bei Bedarf gerne und auf unkonventionelle Weise behilflich war...

 

Elista (September 2003). Eine leere dunkle Hauptstraße, kaum Straßenlaternen, keine Menschen zu sehen. Das war also Elista, die Hauptstadt der wunderlichen russischen Teilrepublik Kalmückien. Zentrum der russischen Buddhisten. Austragungsort der Schachweltmeisterschaft. Aber um halb fünf Uhr morgens doch auf den ersten Blick nur ein dunkles Provinzkaff 1600 Kilometer weg von der warmen Moskauer Wohnung.

Höchst verdächtig: Als Ausländer in der Atom-Stadt

An manchen Orten in Russland lassen sich Ausländer nur selten blicken. Wenn doch, dann sind es wohl keine Touristen. Und dann kommt es schon einmal vor, dass der Inlandsgeheimdienst FSB einem den Schlaf raubt - obwohl seine Agenten möglicherweise gar nichts im Schilde führten.

 

Nowoworonesch (Februar 2003). Wenn es einen Wettbewerb für die tristeste Stadt der Welt gäbe — Nowoworonesch hätte gute Chancen, es ins Finale zu schaffen. Eine Stadt aus der Retorte, ohne Geschichte, entstanden zu dem einen Zweck, das nahe gelegene Atomkraftwerk am Laufen zu halten. Einzige bunte Flecken im Meer der grauen Wohnblocks waren die grotesken Propaganda-Plakate, die das "friedliche Atom" feierten. 

Blitzkarriere ohne Diplom - Moskau in Zeiten der Wirren

Manche im Westen und in Russland verklären mittlerweile die chaotischen 1990er Jahre. Die Umbruchzeit machte die meisten Menschen bettelarm, einige aber steinreich. Und sie machte Laufbahnen möglich, die es heute wohl kaum noch geben könnte.

 

Moskau (März 1996). Einige Liter Alkohol waren schon geflossen, als einer von Katjas Geburtstagsgästen einen neuen Zeitvertreib vorschlug. Der Reihe nach sprachen die Gäste jeweils einen schönen Trinkspruch auf ihren linken Nachbarn aus. Rechts von mir saß Wladimir, in einem früheren Leben Physiker, der sich zum Jungunternehmer gemausert hatte.

 

"Früher gab es in meinem Leben einen Deutschen, den ich mehr als alle anderen geschätzt habe, und zwar Bismarck", begann er seine kleine, besonders charmante Rede. "Das war, bevor ich Dich kennengelernt habe." Am selben Abend machte er mir gleich noch ein Angebot, das mir eine "Karriere" in Überschallgeschwindigeit beschert hätte, wenn ich denn zugesagt hätte.

Chruschtschows Apartments - Wohnen wie im Kommunismus

Kaum ein Thema wird zurzeit in Moskau hitziger diskutiert, als der geplante massenhafte Abriss alter Plattenbauten. Über zwei Jahre lang habe ich selbst in einem der berühmt-berüchtigten "Chruschtschowkas" gewohnt. Das Unbehagen der Leute gegen die Umsiedlungspläne kann ich verstehen, aber diese Häuser waren auch schon vor 20 Jahren eigentlich niemandem mehr zuzumuten...

Moskau (Dezember 1995). Nein, schön war sie nicht, die Wohnung, die mir Juri Sergejewitsch eines Nachmittags zeigte. Ein Zimmer, das lange nicht mehr renoviert worden war, Möbel, die in Deutschland schon lange auf dem Sperrmüll gelandet wären und noch dazu war bei mehr als zwanzig Grad Frost die Heizung gerade ausgefallen. Trotzdem wollte ich sofort einen Mietvertrag unterschreiben. Im Vergleich zum Studentenwohnheim der Patrice-Lumumba-Universität erschien die 30-Quadratmeter-Bleibe wie ein kleines Paradies. Die 250 Dollar Monatsmiete — wie ein Geschenk.

Volltanken in Viipuri

Seit unserem ersten - und bislang einzigen Besuch in Wyborg sind 15 Jahre vergangen. Damals war die Stadt eher ein Schatten ihrer selbst und hatte die besten Zeiten erkennbar hinter sich. Kürzlich berichtete eine russische Zeitung, dass der Verfall der Stadt immer weiter fortschreite. Das wäre extrem schade.

 

Wyborg (Dezember 2001). „Nein, im Hotel Druschba sind keine Zimmer mehr frei.“ Die Hotel-Rezeption macht keine Hoffnung, dass vielleicht noch eine Reservierung storniert wird: „Unsere Touristen kommen immer.“ Ob Weiße Nächte im Sommer, oder frostiger Winter: Jedes Wochenende erreicht eine Karawane bunter Reisebusse die beschauliche russische Provinzstadt Wyborg am Finnischen Meerbusen und haucht ihr Leben ein. Wyborg ist neben dem estnischen Tallinn das Zentrum für finnische Trinktouristen schlechthin. 

Kein Traumschiff

Unser Reise an die türkische Schwarzmeerküste via Sotschi liegt schon lange zurück. Allem Anschein nach gibt es aber bis heute keine gescheite, annähernd zivilisierte Fährverbindung zwischen beiden Ländern. Sogar das alte Schiff ist 2017 noch immer im Einsatz.

Trabzon/ Sotschi (Juni 2005).
 Eigentlich trennt nur eine nächtliche Fährpassage die russische Schwarzmeerküste von Kleinasien. Schiffsreisende zwischen den Kontinenten brauchen dennoch viel Geduld. Die Fähren verkehren ohne Fahrplan, aber angeblich mindestens zwei Mal in der Woche. Es bestehen erhebliche Zweifel, ob eine Überfahrt in den schuhkartongroßen Kajüten 75 Dollar pro Liege wirklich Wert sind. 

 

Visumpflicht für Russen - Besuche in der Vorhölle

Dieser Text ist schon etwas älter, aber die Lektüre lohnt für alle Westeuropäer, die sich vor einer Russland-Reise über die umständlichen Visumbestimmungen aufregen. Denn umgekehrt ist es komplizierter. Und vor einigen Jahren war es sogar noch unvergleichlich komplizierter:

 

Moskau (September 2002). Jahrzehnte lang hatten die Regierungen der freien Länder des Westens die Ostblockstaaten dafür kritisiert, dass die Menschen von dort nicht frei ins Ausland reisen durften. Was für eine Heuchelei! Kaum führte das neue demokratische Russland die Reisefreiheit ein, hatten die Europäer nichts anderes zu tun, als die Einreisevorschriften für Russen drastisch zu verschärfen. Alle EU-Beitrittskandidaten mussten auf Anordnung aus Brüssel die Visumpflicht für Russen einführen. 

Absturz einer Raumstation - Die letzte Nacht der "Mir"

Moskau (März 2001). Nur in ungewöhnlichen Situationen drängeln sich mehrere hundert Journalisten aus der ganzen Welt in einem einzigen Raum zusammen, um über ein Ereignis zu berichten, dass viele tausend Kilometer entfernt stattfindet. Und nur in wirklich historischen Nächten reicht nicht einmal der große Saal des russischen Raumflugleitzentrale in Koroljow aus, um den Besucheransturm aufzufangen. Mitten in der Nacht sollte vom Weltraumkontrollzentrum ZUP aus der ganze Stolz der russischen Wissenschaft zerstört werden.


Mehr als 86.000 Mal war die Raumstation Mir seit 1986 um die Erde gekreist, nun sollten drei Bremsimpulse aus der Nähe von Moskau das 15 Jahre alte technische Wunderwerk aus seiner Umlaufbahn bringen. 
Die Überreste der Station sollten im Pazifk versinken, irgendwo am anderen Ende der Welt, in der Nähe der Fidschi-Inseln. Etwa sechs Stunden waren für das Absturzmanöver eingeplant.

Bakschisch für den tapferen Grenzschutz

Kosatscha Lopan (September 2004). Es war eine fürchterliche Nacht gewesen in dem Schlafwagenabteil der ukrainischen Eisenbahn. An dem mindestens 30 Jahre alten Waggon war alles kaputt, was kaputt gehen konnte, das Licht funktionierte nicht, das Abteil ließ sich zwar von innen verriegeln, aber anschließend nur von außen mit Hilfe des Schlafwagenschaffners wieder öffen. Eine Heizung gab es nicht in dem Zug, obwohl es in der Nacht schon bitter kalt geworden war.
 

Immerhin — die Nacht war kurz gewesen, denn am frühen Morgen passierten wir die ukrainisch-russische Grenze. Die ukrainischen Grenzer blätterten interessiert in meinem Pass. Und witterten wohl sofort die Chance auf ein Geschäft. "Es gibt da ein Problem mit Ihren Dokumenten", sagte mir ein Uniformierter.

Beim König der Tundra

(Workuta, Juli 2006). Fernab der großen Metropolen haben in Russland zuweilen recht unkonventionelle, charismatische Personen das Sagen. Einem schillernden Provinzpolitiker am Polarkreis verdanke ich eine unvergessliche Stadtrundfahrt - und tiefe Einblicke in die Mentalität russischer Provinzfürsten.

Notizen von einer Pressereise mit der Russischen Eisenbahn, die eigentlich etwas anders ablaufen sollte.